In Haarer Wohnblock

Legionellen-Alarm: Trink- und Dusch-Verbot für Anwohner

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Haar - In Gebäuden am Wieselweg in Haar ist ein erhöhter Legionellen-Wert gemessen worden. Die Bewohner dürfen nicht duschen und sollen kein Wasser aus der Leitung trinken.

Die Bewohner des Wieselweges in Haar sind sauer. Schließlich können sie nicht mehr duschen, und das schon wieder. Zum zweiten Mal innerhalb von sechs Monaten hat die Hausverwaltung ein Duschverbot verhängt für die drei Gebäude. Der Grund: ein erhöhter Legionellenwert im Wasser. Außerdem ist das Wasser mit Schwermetallen so sehr belastet, dass die Bewohner auf Trinkwasser aus der Leitung lieber verzichten sollten. „Den Kaffee kochen wir mit Mineralwasser“, sagt ein Mieter, der nicht mit seinem Namen in der Zeitung stehen möchte. Eine andere sagt: „Ich bin davon sogar krank geworden.“

Es reicht den Anwohnern des Wieselweges 8 bis 12. Bereits von August bis Oktober 2015 durften sie nicht duschen wegen Legionellen-Befalls. Dass das Problem wieder aufgetreten ist, ärgert die Mieter. Sie bemängeln, wie die Hausverwaltung auf den Vorfall reagiert. Diese hätte den Bewohnern vor einiger Zeit empfohlen, sich wegen der Legionellen neue Duschköpfe zu kaufen. „Und jetzt sollen wir schon wieder einen Filter am Duschkopf austauschen“, sagt einer. Einige vermuten als Ursache veraltete und zu lange Wasserleitungen in den Gebäuden.

Nun haben sich die Bewohner politische Unterstützung geholt: Der SPD-Landtagsabgeordnete Peter Paul Gantzer aus Haar hat eine schriftliche Anfrage im Landtag gestellt. Schlagwort: „Legionellenkontamination Haar.“ Gantzer will von der Bayerischen Staatsregierung wissen, welche Maßnahmen die zuständigen Behörden ergriffen haben. Außerdem wirft er in einer schriftliche Anfrage der Hausverwaltung vor, die Wassermesswerte nicht bekannt geben zu wollen. „Ist das richtig?“

Das Gesundheitsamt ist informiert

Auf Nachfrage des Münchner Merkur teilt die Hausverwaltung mit, das bereits zahlreiche Maßnahmen ergriffen worden seien, um das Problem zu lösen. Zum Beispiel habe eine Fachfirma die Leitungen gespült und chemisch gereinigt. Sowohl die Schwermetallbelastung im Trinkwasser als auch die Legionellenbelastung hätten sich daraufhin reduziert.

Das Gesundheitsamt, das im Landratsamt angesiedelt ist, ist informiert über den Vorfall. Gleichwohl sagt Leiter Gerhard Schmid, er dürfe sich aus Datenschutzgründen nicht zu einzelnen Gebäuden äußern, weil ansonsten diese Objekte an Wert verlieren könnten. Generell sei es aber so, dass die Hausverwaltung die Betroffenen umgehend informieren und eine Fachfirma beauftragen müsse, die das Problem beseitigt. „Wenn man sich duscht und den Wasserdampf einatmet, besteht die Gefahr einer Lungenentzündung.“ In der Regel würden sich Legionellen in alten Wasserleitungen verbreiten, wenn diese zum Beispiel stark verkalkt seien.

Legionellen-Kontaminationen sind im Landkreis München keine Seltenheit 

Immer wieder kommt es im Landkreis vor, dass im Wasser von Wohngebäuden ein erhöhter Legionellenwert gemessen wird. Zuletzt durften die Bewohner eines Aschheimer Mehrfamilienhauses nicht mehr duschen. 13 000 koloniebildende Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter Wasser wurden bei einer Probenentnahme gemessen. Der so genannte technische Maßnahmenwert, bei dem Handlungsbedarf besteht, liegt bei 100 KBE pro 100 Milliliter.

Wie hoch der Wert im Haarer Wohnblock ist, wissen die Bewohner nicht. Ein Mieter erzählt, Mitte Januar habe er einen Brief von der Hausverwaltung erhalten mit dem Verweis auf eine „extrem hohe Legionellenkonzentration im Wasser“, sagt er. Seitdem koche er das Wasser täglich ab und fülle es anschließend in das Waschbecken, um sich zu waschen. Wann er wieder in den normalen Alltag übergehen kann, weiß er nicht.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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