Die Gemeinde Haar vor den Alpen
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Wer will nach Haar ziehen? Die Gemeinde wirbt um Betriebe. (Archivfoto)

Rücklagen der Gemeinde schmelzen

Für mehr Steuereinnahmen: So will Haars Bürgermeister Unternehmen anlocken

  • Bert Brosch
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Für Haars Bürgermeister steht fest: Die Gemeinde braucht mehr Betriebe, die Gewerbesteuern zahlen. Mit einem Marketing-Kniff will er solche nun anlocken.

Haar – Ohne die unerwarteten Gewerbesteuer-Nachzahlungen von über 20 Millionen Euro hätte die Gemeinde bereits 2021 Probleme gehabt, ihren Haushalt auszugleichen. Da Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) für heuer mit deutlich niedrigeren Steuereinkünften rechnet, muss die Gemeinde handeln: Sie will die „Marke Haar“ etablieren, Gewerbesteuerzahler akquirieren und Ausgaben kürzen.

Ein grundsätzliches Problem ist laut Bukowski neben dem Wegzug des größten Gewerbesteuerzahlers MSD und der gesunkenen Steuereinnahmen durch die Pandemie die niedrige Anzahl an Gewerbesteuerzahlern. So betrug der Anteil der Gewerbesteuer an den Gesamteinnahmen 2020 noch fast 46 Prozent, in diesem Jahr werden es demnach nur knapp 23 Prozent sein, prognostizierte Bukowski bei der virtuellen Bürgerversammlung. Dieses Minus will man durch eine höhere Einkommenssteuer sowie deutlich wachsende Einnahmen aus Grundstücksverkäufen, Mieten und Pachten ausgleichen. Die Krux: Laut Bukowski zahlen von den 1954 örtlichen Betrieben drei Viertel überhaupt keine Gewerbesteuer, 213 Betriebe zahlen im Jahr mehr als 5000 Euro Gewerbesteuer und nur drei Betriebe über 100 000 Euro. „Das ist einfach zu wenig, das müssen wir dringend ändern“, betonte der Bürgermeister.

„Gemeinde hat deutlich mehr Potenzial, als sie heute nutzt“

Angesichts geplanter Investitionen in Höhe von 15,5 Millionen Euro im Jahr 2021 – darunter 5,7 Millionen Euro für den Schulbau und 4,7 Millionen Euro für Betreuungseinrichtungen – plane er die Etablierung der „Marke Haar“, um Firmen anzulocken. Derzeit entstehe eine neue Homepage für das Rathaus und die Gemeinde. Im Frühjahr wolle man das Markenkonzept präsentieren. Bukowski: „Aus meiner Sicht hat die Gemeinde deutlich mehr Potenzial, als sie heute nutzt.“ Der Bürgermeister will neben den neuen Gewerbeflächen Blumenstraße, Disciples-Baseballfeld und nördliche Leibstraße neue Areale erarbeiten und mit Gewerbe füllen. Helfen soll die Marke: „Wir wollen unsere Stärken herausarbeiten, Haar ganz neu positionieren, auch für andere Branchen als bisher.“

Leider habe ihm der Gemeinderat den aus seiner Sicht notwendigen Wirtschaftsförderer nicht genehmigt, „aber wir wollen das Thema um den Bereich Akquise erweitern, gemeinsam mit Investoren neue Konzepte entwerfen, kommunale Leitlinien weiterentwickeln“.

Rücklagen schrumpfen

Das übergeordnete Ziel sei, so Bukowski, mehr Steuerzahler anzusiedeln, dabei nachhaltig zu planen, zu bauen, zu leben und zu arbeiten mit der Vision der Komplett-Versorgung aus erneuerbarer Energie. Daneben gelte es, Steuern zu erhöhen und Ausgaben zu senken. Bereits ab diesem Jahr steigen die Müllgebühren im Schnitt um zehn Prozent. „Das war unumgänglich, weil wir neue Entsorgungsverträge abschließen mussten.“ Die freiwilligen Leistungen, speziell an Vereine, sinken 2021 von 4,6 auf 4 Millionen Euro. Die Verschuldung der Gemeinde stieg voriges Jahr, vor allem durch den Wohnungsbau, von 14,2 auf 19,6 Millionen Euro und bleibt auch in den kommenden Jahren auf diesem Niveau.

Um das auszugleichen, bedient sich Haar aus seinen Rücklagen. Diese sanken von 30,5 Millionen (2019) auf 27 Millionen (2020) und heuer schließlich auf 15 Millionen Euro. Kommendes Jahr liegen gemäß Prognosen dann nur noch 4,3 Millionen Euro auf der hohen Kante.

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