+
Donum Vitae hilft verzweifelten schwangeren Frauen. 

Anonyme Geburt

Moses-Projekt rettet Kinder-Leben

  • schließen

Die sogenannte Moses-Geburt soll verhindern, dass Frauen ihre Kinder alleine zur Welt bringen, es aussetzen oder im Extremfall gar töten. Mit „Moses“ von Donum Vitae können Frauen in Not ihr Kind anonym zur Welt bringen. In Haar haben dieses Angebot im vergangenen Jahr zwei Schwangere in Anspruch genommen.

Haar– „Frauen, die ihre Schwangerschaft verheimlichen, in einer ausweglosen, verzweifelten Situation und oft auch lebensbedrohlichen Notlage sind, dass sie ihr Kind nicht zu sich nehmen und erziehen können, brauchen geschützte verlässliche Hilfen. Einschließlich der Möglichkeit einer geschützten Geburt in einer Klinik“, betont Claudia Nasahl. Sie ist bei der Donum Vitae Beratungsstelle in Haar für die vertrauliche Geburt zuständig. Und obwohl es nur zwei Fälle für sie im vergangenen Jahr gab, macht ihre Schilderung deutlich, welch eine Dramatik solch eine Geburt beinhaltet, wie tief die Erlebnisse auch bei Nasahl nachwirken.

Anonymität jederzeit gewährleistet

„Oberstes Ziel ist die Wahrung der Anonymität der Frau“, sagt Nasahl, sie unterliegt der Schweigepflicht, besitzt sogar ein Zeugnisverweigerungsrecht, sodass Anonymität jederzeit gewährleistet werden kann. Daher fehlen Namen in ihrer Schilderung, sie ist sehr vorsichtig bei jedem Wort, denn „Vertrauen ist die Basis, auf der ich mit den Schwangeren arbeite“.

Der Unterschied zwischen anonymer und vertraulicher Geburt liegt darin, dass bei einer vertraulichen die Mutter ihrem Kind nach 16 Jahren die Möglichkeit eröffnet, seine Identität zu erfahren. Hierfür werden die Daten der Mutter in einem verschlossenen Herkunftsnachweis an einer zentralen Stelle aufbewahrt.

Ein Fall, der nahe geht

„Mein jüngster Fall hat mich und die schwangere Frau an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht“, erinnert sich Nasahl. Lange Zeit hat die Frau ihre Schwangerschaft verleugnet, kam erst in einem späten Stadium zum Frauenarzt, war extrem suizidgefährdet. „Eine Tötung von sich und dem ungeborenen Kind stand sehr oft im Raum“, sagt die Diplom-Sozialpädagogin. Es sei sehr schwer gewesen, diese Frau mit dem Unterstützungsangebot zu erreichen, „ohne das Moses-Projekt würde das Kind nicht mehr leben“, ist sich Nasahl sicher. Nasahl stellte sich der Aufgabe, die Schwangere zu beraten, durch jede emotionale Phase zu begleiten und Behördliches für sie zu regeln. Oft weit über die Arbeitsstunden hinaus.

Die Schwangere entschied sich für eine anonyme Geburt, ihr Baby sollte also nie seine Identität erfahren. Gut sechs Monate nach der Entbindung sei die Mutter noch in professioneller Behandlung, es könne durchaus sein, dass sich die Mutter entscheidet, dass ihr Kind ihren Namen erfahren darf oder ob sie gar ihr Baby zu sich nimmt. Derzeit lebe das Kind in einer Pflegefamilie, „die sehr erfahren ist und auch der Mutter die Möglichkeit gibt, mit ihnen Kontakt zu halten.“ Auch das Jugendamt sei eng integriert. „Mittlerweile kann sich die Frau auch ein Leben mit ihrem Kind vorstellen. Ist das nicht eine Erfolgsgeschichte?“, freut sich Nasahl.

Großer zeitlicher und psychischer Druck

Auch bei der zweiten Moses-Geburt habe sich die Mutter für die vertrauliche Variante entschieden und einen Herkunftsnachweis ausgestellt. Aus diesen Erfolgen zieht die Donum Vitae Mitarbeiterin Kraft für neue Aufgaben, denn bei solchen Beratungen herrsche stets ein großer zeitlicher und psychischer Druck, „es müssen in oft sehr kurzer Zeit sehr weitreichende Entscheidungen getroffen werden.“ Dass eine Schwangerschaft ungewollt ist, dafür gibt es oft viele Gründe: Vergewaltigung, zu jung, keine Familie, in Armut lebend oder schwieriges Umfeld.

Als Ansprechpartnerin für die Schwangere kümmert sich Nasahl im Prinzip um alles: rechtliche und fachliche Beratung, aber auch um eine speziell für eine Moses-Geburt geschulte Hebamme, um die Pflegefamilie und letztlich auch um die Geburtsklinik. „Auch hier wissen weder Ärzte noch Mitarbeiter, wer die Frau ist. Auch alle anfallenden Kosten werden von Donum Vitae übernommen, denn die vertrauliche Geburt bleibt auch gegenüber den Krankenkassen anonym“, betont Nasahl. „Moses“ arbeitet ganzheitlich, von der medizinischen Versorgung von Mutter und Kind, den psychosozialen Leistungen bis hin zu rechtlich tragfähigen Hilfsangeboten.

Gesellschaftlich umstritten, hat es die Initiatorin des Moses-Projekts Maria Geiss-Wittmann mit viel Ausdauer geschafft, diese Hilfestelle von Donum Vitae durchzusetzen. Mindestens zwei Leben wurden im vergangenen Jahr in Haar gerettet und Hoffnung gegeben, dass aus verzweifelten Schwangeren glückliche Mütter werden.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Im Landkreis München: Supermarkt-Kunde sieht Toffifee-Chaos - und zückt Handykamera
Kurioses Toffifee-Chaos mitten in einem Supermarkt im Landkreis München. Ein Jodel-User hat jetzt ein Bild aus einem Supermarkt geteilt.
Im Landkreis München: Supermarkt-Kunde sieht Toffifee-Chaos - und zückt Handykamera
Auf der A8: 70-Jähriger rauscht betrunken in das Heck eines Audi
Betrunken hat sich ein 70-Jähriger am Montagabend hinters Steuer gesetzt und auf der A8 nahe Brunnthal einen heftigen Auffahrunfall verursacht. 
Auf der A8: 70-Jähriger rauscht betrunken in das Heck eines Audi
Grasbrunn lässt die Finger von der Nahwärme
Ein Blockheizkraftwerk im Neubaugebiet in der Ortsmitte - das hätte die SPD Grasbrunn gerne wenigstens geprüft. Doch dafür fand sie keine Mehrheit.
Grasbrunn lässt die Finger von der Nahwärme
Rund 350 Betroffene: Netzwerk soll Obdachlosen im Landkreis helfen
Die meisten Gemeinden im Landkreis München hatten bisher keinen geordneten Plan, wie sie obdachlos gewordene Menschen unterbringen.  Das soll sich jetzt ändern. 
Rund 350 Betroffene: Netzwerk soll Obdachlosen im Landkreis helfen

Kommentare