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„Ohne sie wäre ich jetzt nicht mehr hier“, sagt Brigitta Baumann (l.) aus Haar über ihre Lebensretterin Caroline Schmidt.

Nach einem Herzinfarkt

Beatles-Song rettet Leben: Frau bricht zusammen - ihre Nachbarin reagiert genau richtig

Brigitta Baumann geht in Haar spazieren, als sie zusammenbricht. Herzinfarkt. Dass sie überlebt hat, verdankt sie ihrer Nachbarin Caroline Schmidt. Und einem Beatles-Song.

Haar – Fünfzehn lange Minuten Schweiß, Nässe, Durchhaltevermögen und Hoffnung auf Leben – der pure Adrenalinkick. An einem kalten und verregneten Morgen beugt sich Caroline Schmidt (58) auf einer Wiese in Haar über eine bewusstlose Frau. Sie pumpt und drückt im Rhythmus des Liedes „Yellow Submarine“ von den Beatles auf den Brustkorb der 69-Jährigen Brigitta Baumann und kämpft um deren Leben.

Bei München: Herzinfarkt! Nachbarin rettet Frau das Leben

Mehr als vier Monate später stehen beide mit der Merkur-Reporterin wieder an derselben Stelle, unter der großen Eiche auf der Hartwiese, nahe dem Waldfriedhof in Haar. Zwei Frauen, die gemeinsam lachend mit ihren Hunden durch den Park spazieren gehen. Nichts deutet mehr auf den Schicksalstag hin, doch eins ist klar: „Ohne die schnelle Hilfe von Caroline würde ich jetzt nicht hier stehen“, sagt Brigitta Baumann dankbar.

Beatles-Song als rettende Taktvorgabe - Nachbarin das Leben gerettet

Als Caroline Schmidt am 5. Dezember um kurz nach sieben Uhr ihre Hunde Annie und Mocca zur morgendlichen Gassi-Runde anleint, ahnt sie noch nicht, dass sie in wenigen Minuten zur Lebensretterin wird. Wie immer geht die Haarerin mit ihren beiden Vierbeinern über die Hartwiese und grüßt im Vorbeigehen zwei entgegenkommende Nachbarinnen. Dann passiert alles blitzschnell – eine der beiden rennt wild mit den Händen fuchtelnd und völlig außer Atem um Hilfe rufend auf Schmidt zu.

Haar: Frau erleidet Herzinfarkt - Nachbarin reagiert genau richtig

Die zweite Nachbarin, Brigitta Baumann, liegt bewusstlos auf dem Boden. „Im ersten Moment dachte ich, sie sei nur umgeknickt“, sagt Schmidt. Doch als sie die blasse Gesichtsfarbe, die nach oben gerollten Augen und den offen stehenden Mund sieht, handelt sie geistesgegenwärtig. Sofort holt sie ihr Handy raus und wählt die 112, gleichzeitig reißt sie die Jacke der 69-Jährigen auf. „Sie atmete nicht. Mir war klar – jetzt muss ich handeln.“

Während der Notarzt ihr am Telefon den Rhythmus vorgibt, versucht sie, der 69-Jährigen durch Herzdruckmassage wieder einen Puls zu geben. „Komischerweise kam an diesem Tag keine Menschenseele vorbei, um mir zu helfen“, sagt Schmidt. Ganz allein versuchte sie, mit all ihrer Kraft mit beiden Händen pressend, 15 elend lange Minuten den Blutkreislauf von Brigitta Baumann zu erhalten. „Ich hatte einen richtigen Adrenalinschub, es zählte nur das Hier und Jetzt.“ Bis der Rettungswagen kommt. Der brachte Brigitta Baumann sofort ins Klinikum Harlaching. Diagnose: stiller Herzinfarkt.

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Nach Herzinfarkt: Rettung im Takt von Beatles-Song - Nachbarin macht alles richtig

Die Ärzte setzten vier Stents, die 69-Jährige bleibt zwei Wochen im künstlichen Koma. „Ich hatte eine Armee von Schutzengeln, noch bin ich ein wenig schwach, aber es bleiben keine langfristigen Schäden“, sagt Brigitta Baumann. An ihren Zusammenbruch hat sie keinerlei Erinnerung.

Heute kann sie wieder selbst einkaufen, spazieren gehen oder mit der Bahn fahren. „Ich muss lernen alles langsamer anzugehen, mein Herz hat einfach nicht mehr die Kraft.“ Das fällt ihr oft schwer, vor allem die täglichen Gassi-Runden mit ihrem Schäferhund Artas fehlen ihr. „Ich will im Sommer wieder alleine mit meinen Hunden rausgehen. Das ist mein Ziel.“

Helferin hat keinerlei medizinische Erfahrung - sie traute sich trotzdem

Ohne das sofortige Eingreifen ihrer Nachbarin Caroline Schmidt wäre dieser Traum unmöglich geworden. „Ich wusste schon immer – ich will helfen“, sagt die Lebensretterin. Eine besondere Ausbildung sei nicht nötig, einfach Hand anlegen sei das Entscheidende. Ihren letzten Erste-Hilfe-Kurs hat Caroline Schmidt für den Führerschein gemacht. Die fünffache Mutter und Kunstmalerin hat keinerlei medizinische Erfahrung, kennt die Handgriffe nur aus Fernsehfilmen. Sie hat sich einfach getraut.

Deshalb sind die Frauen auch etwas enttäuscht von der Nachbarschaft. 20 Meter von der Unfallstelle entfernt steht ein großes Mehrfamilienhaus mit direkter Sicht aufs Geschehen. „Fenster standen offen, Menschen haben tatenlos zugeschaut, wie ich allein um das Leben einer Frau gekämpft habe“, sagt Caroline Schmidt, halb verärgert, halb traurig.

Kein Einzelfall. Laut einer Statistik von Planet-Wissen greifen nur zehn Prozent der Deutschen im Notfall wirklich ein. Obwohl eine Herzdruckmassage die Überlebenschancen bei einem Herzinfarkt um 50 Prozent steigert. Brigitta Baumann hatte Glück, dass Caroline Schmidt zu den richtigen zehn Prozent gehört.

von Laura Forster

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