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Die Polizeiinspektion in Haar hat eine neue Leiterin.

Interimsleiterin

„Ein wenig familiärer als in der Stadt“: Haars neue Polizeichefin im Interview

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
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Für ein halbes Jahr leitet Nina Samtleben im Rahmen eines Förderprogramms die Polizeiinspektion Haar. Im Interview spricht sie über ihren Start, erste Eindrücke und große Fußstapfen.

Haar – Nach der langen Dienstzeit von Karl-Heinz Schilling folgt jetzt eine etwas kürzere. Im Rahmen eines Förderprogramms wird die gebürtige Würzburgerin Nina Samtleben (41) für voraussichtlich sechs Monate die Polizeiinspektion Haar leiten und hier Erfahrung sammeln. Am Ende des Programms steht die Qualifizierung für den höheren Dienst. Im Anschluss an dieses halbe Jahr wird der nächste Dienststellenleiter wieder dauerhaft in Haar bleiben.

Kennen Sie sich im Osten des Landkreises München schon aus?

Das Gebiet ist mir vertraut, weil ich vier Jahre lang in der Inspektion 24 in Neuperlach gearbeitet habe. Damals vor der Umstrukturierung ging der Bereich unserer PI bis nach Haar, wo wir häufiger mal hingefahren sind. In den übrigen Gemeinden bin noch nicht so ortskundig, aber dafür habe ich ja noch ein bisschen Zeit.

Nina Samtleben (41) leitet die Haarer Inspektion für sechs Monate.

In Neuperlach ist wohl mehr zu tun im Vergleich zu Haar. Das Wort Brennpunktviertel wäre vielleicht zu hoch gegriffen, aber es ist doch viel los, oder?

Im Grunde hat jeder Bereich seine speziellen Brennpunkte. Der Neuperlacher Bereich gehört nicht zum Landkreis, und schon allein aufgrund der höhen Einwohnerzahl hat man hier ein höheres Aufkommen an Delikten. Haar ist aktuell jetzt meine erste richtige Landkreisinspektion im Münchner Raum. Vorher habe ich in Stadtrevieren gearbeitet.

Und wie fühlt man sich in einem Landrevier?

Ja, sehr gut. Ich habe einen schönen Ausblick aus dem Büro, und freue mich darüber, dass es ein wenig familiärer ist als in der Stadt, das ist eine tolle Erfahrung. Einen tiefen Einblick konnte ich bislang allerdings noch nicht gewinnen, weil ich erst vor einer Woche meinen Dienst hier begonnen habe. Alles ist sehr frisch, meine Antrittsbesuche bei den Bürgermeistern stehen noch aus, aber ich fühle mich wohl.

In der Pandemie ist eine schnelle Erkundung des Gebietes wahrscheinlich etwas gehemmt.

Wir haben unser Hygieneschutzkonzept, das wir natürlich einhalten. Natürlich macht ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht grundsätzlich alles einfacher. Aber man gewöhnt sich daran und nimmt es, wie es ist – in der Hoffnung, dass die Lage irgendwann wieder anders sein wird. Ich konzentriere mich jedenfalls jetzt ganz auf Haar und möchte gut ankommen. Denn ich weiß, dass Herr Schilling hier viele Jahre gewirkt hat und große Fußspuren hinterlässt. Ich werde versuchen, sie so gut wie möglich auszufüllen, und stehe auch noch mit ihm in Kontakt. Wir tauschen uns aus, er ist sehr hilfsbereit.

Haben Sie es weit zur Arbeit?

Ich wohne im Westend, komme mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und die letzten Meter vom S-Bahnhof bis zur Dienststelle lege ich in circa zehn Minuten auf einem City-Tretroller zurück. Ohne Strom.

Welche Stationen haben Sie zuvor durchlaufen?

Ich bin nach dem Abitur zur Polizei gegangen und habe im mittleren Dienst angefangen bei der Bereitschaftspolizei in Eichstätt. Es hat mir viel gebracht, praxisnah ausgebildet zu werden. Hinzu kamen eineinhalb Jahre in Würzburg bei der Einsatzhundertschaft und ich war dort auch als junge Polizeimeisterin auf einer Landdienststelle. Schließlich bin ich 2006 nach München gekommen, zur PI Neuperlach und zur Einsatzhundertschaft. Nach meinem Studium in Fürstenfeldbruck bin ich zur Kriminalpolizei gegangen. Gleich zu Beginn in München fand die WM statt, und ich empfand es als beeindruckend. Die TV-Sender und Journalisten waren in der Messe Riem untergebracht, Sender aus aller Welt waren vor Ort und haben über den Fußball berichtet. Ein toller Einstand in München, ich habe die Stadt gleich lieben gelernt. Das Panorama ist wunderschön, und das Kulturangebot ist riesig.

Hat sich die Stellung der Frau für Sie mit der Zeit verbessert oder hatten Sie nie ein Problem in dem ehemaligen „Männerberuf“?

Ich habe 2001 angefangen, und in meinem Jahrgang befanden sich schon fast 40 Prozent Frauenanteil. Ein hoher Anteil. Und auch während meiner Laufbahn habe ich nie negative Erfahrungen gemacht, weder in der Ausbildung noch später. Man kann beobachten, dass es selbstverständlicher wird, auch aus Gründen des Generationenwechsels. Ich glaube, dass die meisten von uns froh sind, dass wir gemischt sind. Auch bei den Leitungsfunktionen tut sich was, wir sind da dran.

Es ist also durchaus auch gewollt vom Innenministerium, dass Frauen in leitende Funktion gelangen?

Da gehe ich davon aus. Das Förderprogramm, das ich durchlaufe, ist genderneutral geschaffen worden. Aber es wird vermittelt, dass Frauen in Führungspositionen sehr gerne gesehen werden. Ich bin das beste Beispiel dafür.

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