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Möglicher Standort für den Schulcampus: Der Acker am S-Bahnhof Gronsdorf.

Politischer Streit

Schlachtfeld Schulcampus 

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Haar - Die politische Landschaft in Haar gleicht wegen der Debatte um den Schulcampus einem Schlachtfeld. Nun attackieren sich deshalb auch Kreispolitiker.

Es war Anfang der Woche, als Christoph Göbel in den Fokus der Debatte um einen Schulcampus in Haar geraten war. Die SPD-Kreispolitikerinnen Annette Ganssmüller-Maluche und Ingrid Lenz-Aktas hatten den CSU-Landrat heftig kritisiert: „Jede Stimme, die die CSU in Sachen Realschule sammelt, dokumentiert das erfolglose Handeln von Landrat Christoph Göbel in der Frage der Schulansiedlung“, schrieben Lenz-Aktas und Ganssmüller-Maluche an die Lokalpresse. Göbel sei seit zwei Jahren nicht imstande, eine Lösung der Grundstücksfrage für den Schulcampus zu präsentieren.

Kreis-SPD attackiert CSU-Landrat Göbel

Der Landrat selbst ist am Dienstag nach Hannover geflogen. Dort repräsentierte er den Freistaat Bayern beim Treffen Kommunaler Arbeitgeber. Und dieser überregionaler Termin schien ihm ganz recht. Gleichwohl wies Göbel noch auf Weg zum Flughafen die Kritik der SPD-Kreistagsfraktion als „emotionalen Vorstoß“ und „haltlosen Vorwurf“ zurück. Schließlich sei man bei dem Grundstück am S-Bahnhof Gronsdorf bereits „auf der Zielgeraden“.

Schlachtfeld wie in Mittelerde

Haar im Osten des Landkreises erinnert derzeit an ein Schlachtfeld in Mittelerde, der Fabelwelt aus dem Fantasy-Film-Dreiteiler „Der Herr der Ringe“. Da sind zum Beispiel die Haarer SPD-Bürgermeisterin Gabriele Müller und CSU-Landrat Christoph Göbel. Wie die Herr-der-Ringe-Helden sind sie zwei treue Gefährten auf einem steinigen Weg, die sich gegenseitig unterstützen. Das Ziel ist, ein Grundstück für den Schulcampus bestehend aus einer Fachober- und Berufsschule sowie einer Realschule zu finden.

Christoph Göbel sagt: „Es ist nicht leicht.“ Weder der Landkreis noch die Gemeinde verfügen über ein geeignetes Grundstück. Hinzukommen politische Angriffe: Da ist einerseits eine aufmüpfige Haarer CSU, die jeden Tag Unterschriften für das Projekt sammelt und der Bürgermeisterin vorwirft, den Schulcampus zu blockieren. Und da ist andererseits eine wütende SPD-Kreistagsfraktion, die den Landrat politisch attackiert.

Grüne scheinen uneinig

Außerdem ist da der Haarer Ortsverband der Grünen, die zunächst die Unterschriftenaktion der CSU unterstützen, dann aber doch zurückrudern. Mike Seckinger, Fraktionssprecher der Grünen im Haarer Gemeinderat, sagt: „Ich werde mich sicher nicht mit der CSU auf die Straße stellen.“ Ortsverbandssprecher Ulrich Leinen dagegen will sogar selber unterschreiben. Man kann den Grünen eine politische Schizophrenie attestieren wie der Figur des Gollum in Herr der Ringe. 

Alle wollen den Campus - eigentlich

Doch auch wenn sich CSU, SPD und Grüne gegenseitig attackieren, betonen alle Beteiligten: Sie wollen den Schulcampus in Haar. Die CSU Haar schreit am lautesten. Täglich sammeln die Christsozialen Unterschriften für das Projekt, „um ein Meinungsbild der Bürger einzuholen“, wie Sprecher Alois Rath mitteilt.

Für das Projekt sammelt die CSU täglich Unterschriften (unten). Damit wollen sich die Christsozialen ein Meinungsbild der Bürger einholen. Die CSU lädt am heutigen Donnerstag um 19.30 Uhr ein zu einer Info-Veranstaltung im Kleinen Theater Haar. Thema ist etwa der Schulcampus. Auch die SPD will kommen.

Bisher haben 650 Bürger unterschrieben. Ein Bürgerbegehren plant die CSU nicht. Es ist fraglich, was die Aktion letztendlich bringen soll, außer politisch den Druck auf Bürgermeisterin Gabriele Müller zu erhöhen.

CSU sammelt Unterschriften

Die nennt die Unterschriftensammlung „Augenwischerei“. CSU-Kollege Göbel möchte sich dazu nicht äußern, was auch viel sagt. Stattdessen stärkt er Müller den Rücken und lobt die „hervorragende und unproblematische“ Zusammenarbeit. Göbel sagt, er und Müller hielten das Grundstück am S-Bahnhof Gronsdorf für ideal. Momentan laufe ein Verkehrsgutachten, das prüfen soll, ob die vorhandene Verkehrserschließung an diesem Grundstück – also ohne Nordtangente – für drei Schulen ausreicht. Göbel ist optimistisch.

Landrat optimistisch

Ausgehend von den Kosten für den Bau der Realschule in Taufkirchen rechnet Göbel mit elf bis zwölf Millionen Euro, welche die Gemeinde Haar für eine Realschule auf dem Schulcampus aufbringen müsste. Denn das Grundstück und 30 Prozent der Kosten zahle ohnehin der Landkreis. Hinzukommen würden eine rund 20-prozentige Förderung durch den Freitstaat und Synergieeffekte durch drei Schulen an einem Standort. „Es braucht mir niemand zu erzählen, dass das nicht machbar ist“, sagt Christoph Göbel. 

Die SPD-Kreisfraktion nimmt das zum Anlass, um daran zu erinnern, dass sie kürzlich das System der Schulzweckverbände kippen wollte. Göbel konterkariere mit seiner Kostenrechnung eben dieses System, das die CSU unbedingt erhalten wolle, schreiben Ingrid Lenz-Aktas und Annette Ganssmüller-Maluche. „Wenn es der CSU Haar um die Sache ginge, sollte sie eher den Austritt aus dem Zweckverband Vaterstetten fordern."
rat

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