+
Anton Edler von Braunmühl leitete die Anstalt Eglfing-Haar - und soll weggesehen haben, als die Nazis  dort Menschen töteten.

Von-Braunmühl-Straße in Haar

Umbenennung  ärgert Anwohner

  • schließen

Wegen der möglichen Nazi-Vergangenheit von Anton von Braunmühl soll die nach ihm benannte Straße in Haar umbenannt werden. Das ärgert die Anwohner massiv.

Haar – Der Bezirk Oberbayern war mit der Bitte der Namensänderung an die Gemeinde Haar herangetreten, nachdem Historiker die dunkle Vergangenheit Anton von Braunmühls als Mitarbeiter der Klinik Haar-Eglfing ans Licht gebracht haben. Er soll bewusst weggesehen haben, während die Nazis hier etwa 2000 Menschen getötet haben. Nach dem Krieg leitete er die Einrichtung.

Noch keine Idee für neuen Namen

Doch die Suche nach einem neuen Straßennamen gestaltet sich anscheinend schwierig: Es gebe noch keine umfassende Bewertung, ob sich bei den möglichen neuen Namensgebern nicht auch ein dunkles Kapitel wie bei Anton von Braunmühl verberge, teilte Susanne Büllesbach vom Bezirk Oberbayern auf Anfrage mit. Deshalb die Bitte, den Tagesordnungspunkt zu streichen.

Zum Thema wurde der gestrichene Punkt dennoch, weil Anwohner Alfred Richter seine Bedenken bei der geplanten Umbenennung äußerte. „Das betrifft 82 Wohnungen mit über 100 Leuten“, sagte er. Sie alle müssten sich ummelden. Problematisch ist aus seiner Sicht nicht die Adressänderung an sich, sondern dass die Anwohner „Auto, Versicherung et cetera“ ummelden müssten. Deshalb regte Richter an, dass die von-Braunmühl-Straße den Namen behalten könnte, wenn sie mit einem Zusatzschild dem 1986 von der Roten Armee Fraktion (RAF) ermordeten Diplomaten Gerold von Braunmühl gewidmet werde. Dann könnten sich die Anwohner die Ummeldungen sparen. „Ich habe nicht viel Hoffnung auf Erfolg, aber den Vorschlag mache ich trotzdem.“

Während Bürgermeisterin Gabriele Müller der Idee offen gegenüber stand, wiegelte der Bezirk Oberbayern auf Anfrage direkt ab. „Das wäre natürlich das Einfachste, aber Gerold von Braunmühl hat nichts mit Haar zu tun“, sagte Susanne Büllesbach. Zudem sei jedem klar, dass die von-Braunmühl-Straße ursprünglich Anton von Braunmühl gewidmet wurde. Und dessen Name soll aus den Straßen Haars verschwinden.

Wer kommt für die Kosten auf?

Der Bezirk Oberbayern bestimmt also, dass die von-Braunmühl-Straße umbenannt wird, wie sie künftig heißt, entscheidet letztlich der Gemeinderat Haar. Doch wer kommt für die mit der Ummeldung verbundenen Kosten der Anwohner auf? Das wollte Alfred Richter auch wissen. „Besteht die Möglichkeit, dass die Gemeinde einen Teil der Kosten übernimmt?“ Eine Antwort konnte ihm Müller nicht geben, das Thema sei bisher „noch nicht zur Sprache gekommen“. Auch Susanne Büllesbach teilte mit, dass es für genaue Aussagen zu früh sei. Es sei aber möglich, dass der Bezirk Oberbayern die Anwohner finanziell unterstützt.

Unterstützung erhoffen sich auch die Senioren in der von-Braunmühl-Straße. „Es gibt viele ältere Menschen, die nicht wissen, wo sie sich überall ummelden müssen“, sagte Anwohner Richard Mehrl. Die Anregung wird in die künftigen Gespräche aufgenommen, versicherte Bürgermeisterin Müller.  

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Breitbandausbau geht nicht voran
Händeringend sehnen Unternehmen, Privathaushalte und öffentliche Stellen in Brunnthal eine schnellere Internetverbindung herbei. Doch es droht weiter Ungemach.
Breitbandausbau geht nicht voran
Das erste Telefon in Schäftlarn
Der Griff zum Telefon – entweder Festnetz oder Handy – ist heute selbstverständlich. Die ersten Fernsprechnetze wurden in Deutschland 1881 errichtet, die Vermittlung …
Das erste Telefon in Schäftlarn
Hobby-Detektiv löst mysteriösen Mordfall - Bleibt der Name des Mörders für immer unbekannt?
Fast 200 Jahre war das Marterl in Aying ein Ort der Spekulationen um einen brutalen Mord. Hobby-Detektiv und Autor Georg Kirner (82) hat das Rätsel wohl nun gelöst.
Hobby-Detektiv löst mysteriösen Mordfall - Bleibt der Name des Mörders für immer unbekannt?
550 Kilometer zu Fuß durch die israelische Wüste: Was dieses Paar aus Unterföhring erlebt hat
Hitze, Dürre, wunde Füße: 550 Kilometer sind die Targowniks durch die israelische Negev-Wüste gewandert. Und haben es nicht bereut. 
550 Kilometer zu Fuß durch die israelische Wüste: Was dieses Paar aus Unterföhring erlebt hat

Kommentare