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„Ein grauenvoller Gedanke“: Während sich im Kleinen Theater Haar die Sitzplätze zumindest zum Teil wieder füllen, haben andere Künstler keine Bühne mehr, Geld zu verdienen

Nach dem kulturellen Corona-Lockdown

„Viele gehen über die Wupper“: Theaterleiter über nötige Veränderungen in der Kultur

  • Sabina Brosch
    vonSabina Brosch
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Die Kultur im Landkreis läuft wieder an. Doch viele Künstler leiden unter Existenzängsten. Matthias Riedel-Rüppel, Leiter des Kleinen Theater Haar, fordert im Interview Veränderungen.

Haar – Anfang Juli ging es wieder los im Kleinen Theater Haar. Mit Eva Eiselts Programm „Vielleicht wird alles vielleichter!“ hätte das Programm mit kaum einem besseren Motto beginnen können. Kabarett und Musikkonzerte folgen. Theater-Leiter Matthias Riedel-Rüppel ist voller Vorfreude, er wittert einen Hauch von Normalität. Einen, den viele aber nicht mehr erleben würden. Im Interview spricht er über Künstler in Existenzangst, eine fehlende Kultur-Lobby und nötige Veränderungen.

Herr Riedel-Rüppel, der Kultur-Lockdown ist überstanden, es geht wieder los. Wie haben Sie die Monate ohne Konzert und ohne Theater erlebt?

Es war eine erschütternde Zeit, die existenziellen Nöte der Künstlerinnen und Künstler hautnah miterleben zu müssen. Aber auch unsere Techniker, die ja meist freischaffend sind, sind so lange durchs Raster gefallen. Viele von ihnen haben von der Soforthilfe nicht profitiert, erst als die Ausweitung des Programms kam, konnten sie sich einklinken. Ob sie finanzielle Unterstützung bekommen haben, weiß ich nicht. Das Theater selbst hat keine Soforthilfe beantragt, für die Theater-Gastro haben wir das jedoch gemacht. Das war relativ unkompliziert.

Die Hilferufe der Kulturschaffenden waren zu hören, aber nur wenige gingen wirklich auf die „Barrikaden“. Woran liegt das?

Die Kreativwirtschaft passt sich schnell an, sie hat auch keine große und laute Lobby. Auch ist sie oft nicht so gebündelt, wie etwa andere Industriezweige. Aber es geht hier nicht um Sozialneid, sondern um wirkliche Nöte. Sorgen macht mir auch der Nachwuchs. Es ist zu befürchten, dass viele das Studium wechseln, um auf später sichere Berufe umzusatteln. Irgendwie herrscht absolute Orientierungslosigkeit.

Viel Kultur wandert ins Internet...

Das virtuelle Streamen kann nur ein kurzes Intermezzo sein, um Lebenszeichen zu senden. Vieles war aber für den Zuschauer kostenlos. Das geht natürlich so nicht weiter. Die Künstler brauchen Geld in der Tasche. Wir haben stets um Spenden fürs Streaming gebeten, das lief mal besser und mal schlechter. Wir werden das aber nicht mehr tun, sondern führen eine Bezahlfunktion ein.

Was wird sich in der Szene verändern?

Matthias Riedel-Rüppel sorgt sich um die vielen kleinen Kulturbetriebe.

Uns geht es im Kleinen Theater relativ gut, wir wissen, dass der Bezirk hinter uns und unserer Arbeit steht und alles dafür tun wird, es zu erhalten. Auch wenn es irgendwie vorne und hinten nicht reicht, wir werden überleben. Aber viele kleine, private Theater und Initiativen haben diesen Rückhalt nicht. Sie werden über die Wupper gehen, denn von der vom Kultusministerium angekündigten Förderung kleinerer Theater mit bis zu 700 Plätze ist bis heute nichts zu finden. Und damit brechen für die Künstler Auftrittsmöglichkeiten weg. Sie haben keine Bühnen mehr, wo sie Geld verdienen können. Das kommt im nächsten halben Jahr verstärkt auf uns zu. Ein grauenvoller Gedanke.

Was beschäftigt Sie als Theaterleiter derzeit?

Wie gehen wir mit Gagen um? Das ist eine zentrale Frage. Kaum ein Veranstalter ist in der Lage, volle Gagen zu zahlen. Auch die Agenturen sind gefordert, das ist und wird ein sehr unangenehmes Thema. Irgendwie müssen wir einen Mittelweg finden, denn auch wir, die Veranstalter, können nur schwer voraussagen, ob und wie viele Zuschauer kommen, wie viele wir zulassen dürfen. Viele Zuhörer haben ja Ängste vor geschlossenen Räumen und meiden Menschenansammlungen. Auch die GEMA (Anm. Red.: Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte)wird sich bewegen müssen, denn nicht mehr die Fläche ist entscheidend, sondern die Anzahl der zugelassenen Zuhörer. Auch hier muss es Veränderungen geben.

Wie haben Sie sich auf die neuen Gegebenheiten eingestellt?

Sicherheit und Hygiene sind natürlich ein riesen Thema, organisatorisch wie finanziell. Unsere drei Hygienestationen kosten je 800 Euro, wir brauchen ein Türöffnungssystem, damit die Klinke nicht mehr angefasst werden muss, wir müssen berührungsfreie Wasserhähne in den Toiletten einbauen, dann die Kosten für die Hardware des „digitalen Theaters“. Das summiert sich alles.

Wo besteht noch Korrekturbedarf?

Die Schnittstelle zwischen Kultur und Gastronomie ist nicht definiert. Bei uns wird es besonders deutlich bei den bewirteten Gartenkonzerten. Ist dies eine Kulturveranstaltung oder überwiegend Gastronomiegeschäft? Für beide bestehen ja unterschiedliche Bestimmungen hinsichtlich der Lockerungen, der Hygiene- und Sicherheitsauflagen. Da gibt es von der ministerialen Ebene bisher nur sehr wenige Aussagen.

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