+
Verschwindet: die von-Braunmühl-Straße.

Von Braunmühl

Nazi-Mitwisser verschwindet aus Haars Straßennamen-Register

  • schließen

Der Heilanstaltsleiter von Braunmühl verschwindet aus Haars Straßen - wegen der Nazis. Die Straße wird umbenannt - nach einem anderen Arzt. Das passt nicht allen Anwohnern.

Haar – Der frühere Arzt und Leiter der Heil- und Pflegeanstalt Anton von Braunmühl verschwindet. Sein Name wird aus dem Straßennamenregister Haars gestrichen. Er gilt als Mitwisser und Mittäter, der wegsah, als die Nazis in der Anstalt hunderte Menschen ermordeten (siehe Kasten). Anwohner ärgern sich, dass man sie zur Änderung des Straßennamens weder gefragt noch darüber informiert hat. Sie fürchten hohe Kosten.

Die Straße in Eglfing gehört dem Bezirk Oberbayern. Für Namen, Adressbildung und Hausnummernvergabe ist aber die Gemeinde zuständig. „Der Wunsch zur Umbenennung dieser Straße kam vom Bezirk, nachdem der festgestellt hat, dass der einstmals gefeierte Mediziner von Braunmühl keineswegs immer ein Vorbild war“, erläuterte Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) im Gemeinderat. Nachdem sich das Klinikum für die Aufarbeitung der Nazizeit sehr stark öffne, würden viele Taten von damals neu bewertet. „Das rechne ich dem Klinikum sehr hoch an“, betonte Müller.

Vorbildfunktion gibt‘s nicht

Im November 2017 stellte der Bezirk den Antrag auf Umbenennung der Von-Braunmühl-Straße, nun gab man der Gemeinde Haar die Empfehlung zur Namensänderung. Begründet wird dies damit, dass der Arzt aus ethischer Sicht mit verantwortlich war für viele Patienten, die in Eglfing starben. Eine Vorbildfunktion, die man ihm 1976 zuschrieb, als die Straße nach ihm benannt wurde, bestehe nicht.

Die Straße soll ab März 2019 nach dem Arzt Max Isserlin heißen. Er war Chefarzt der Nervenklinik München, später der „Heckscher Nervenheil- und Forschungsanstalt“ in Schwabing. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung wurde Isserlin 1933 aus dem Staatsdienst entlassen, 1938 entzogen ihm die Nazis seine Approbation, ein Jahr später floh er nach England. Er starb 1941 in Sheffield. „Isserlin hat mit seinem Mäzen Carl August Heckscher, die heute zu den größten kinder- und jugendpsychiatrischen Einrichtungen in Oberbayern gehört, eine Pionierleistung vollbracht“, sagte die Bürgermeisterin. Der Bezug zu Haar ergebe sich, weil die Heckscher-Klinik im Frühjahr 2019 auf dem Gelände der ehemaligen Wäscherei in Haar eine Außenstelle für schwer und mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche eröffnet.

Anwohner sauer über Kosten

Neue Adressen bekommen die Anwohner der Straße.

Nicht ganz so begeistert wie die Gemeinderäte waren zwei Anwohner der Von-Braunmühl-Straße von der Umbenennung. Karin Schillo ärgerte sich, dass sie weder informiert noch gefragt wurde. „Und wer bezahlt für unsere neuen Dokumente: Personalausweis, Reisepass, Führerschein, Versicherung? Die muss man ja alle neu machen lassen.“ 

Bürgermeisterin Müller konnte den Ärger verstehen, verwies aber darauf, dass die Straße dem Bezirk und nicht der Gemeinde gehört, Haar sei nicht verantwortlich. Aber: „Ich werde Ihr Anliegen dem Bezirk in einem Brief nachdrücklich mitteilen“, versprach sie. Auch Richard Mehrl wohnt in der Von-Braunmühl-Straße. Er hat einen anderen Wunsch: „Die Straße und der Gehweg sind in einem schlechten Zustand, mit Löchern, Rissen und Stolper-Aufwerfungen“, sagte er und zeigte Fotos. „Im Zuge der Umbenennung kann man die Straße gleich herrichten.“ Auch das will Müller dem Bezirk nahelegen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Schrecklicher Unfall auf der A9: Polizei nennt Details - eine Person in Lebensgefahr
Die A9 bei München war am Donnerstag in Richtung Nürnberg lange komplett gesperrt. Ein schwerer Unfall hatte sich gegen 14 Uhr ereignet. 
Schrecklicher Unfall auf der A9: Polizei nennt Details - eine Person in Lebensgefahr
220 Millionen Euro sind zu teuer: Das reiche Unterföhring begräbt Tunnel-Pläne
Die Blechlawine bleibt: 220 Millionen Euro für eine 2,7-Kilometer-Röhre waren schlussendlich sogar dem wohlhabenden Unterföhring zu teuer. Nun hoffen viele Gemeinderäte …
220 Millionen Euro sind zu teuer: Das reiche Unterföhring begräbt Tunnel-Pläne
Haarer Fahrservice steht auf der Kippe
6000 Fahrten in drei Jahren: Der Haarer Fahrservice lohnt sich. Doch es gibt zwei Punkte, die die CSU gewaltig stören. Sie will lieber auf Taxis umsteigen.
Haarer Fahrservice steht auf der Kippe
Einheimischen-Bauland: Gemeinderat Feldkirchen lässt seine Bürger wieder sitzen
Zum dritten Mal ist in Feldkirchen die geplante Grundstücksvergabe geplatzt. Weil neun Gemeinderäte nicht zur Sitzung auftauchten, war es auch für die bauwilligen Bürger …
Einheimischen-Bauland: Gemeinderat Feldkirchen lässt seine Bürger wieder sitzen

Kommentare