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Wenn Kinder unter Druck geraten: Grundschule hilft mit Stress und Konkurrenzdenken umzugehen

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Eine „gute gesunde Schule“ ist die Grundschule St. Konrad. Stolz auf die Auszeichnung des Kultusministeriums sind (v.l.) Andrea Zran (Schulleiterin der Grundschule St. Konrad), Dorena Genge (Religionslehrerin), Hanna Acker (Jugendsozialarbeiterin) und Haars Bürgermeister Andreas Bukowski.
Eine „gute gesunde Schule“ ist die Grundschule St. Konrad. Stolz auf die Auszeichnung des Kultusministeriums sind (v.l.) Andrea Zran (Schulleiterin der Grundschule St. Konrad), Dorena Genge (Religionslehrerin), Hanna Acker (Jugendsozialarbeiterin) und Haars Bürgermeister Andreas Bukowski. © Gemeinde

Auch Kinder stehen heute unter Druck. Notenstress und Konkurrenzdruck. Eine Haarer Grundschule hilft den Schülern, damit umzugehen.

Haar – Was ist eigentlich eine „gute gesunde Schule“? Die Haarer Grundschule St. Konrad ist eine – jetzt auch hochoffiziell. Diese Auszeichnung bekam die Schulfamilie vom gleichnamigen Landesprogramm des Kultusministeriums verliehen.

Einen Apfel statt Schokokekse in der Pausenbox, Wasser statt Limonade in der Trinkflasche. Oder Bewegung zwischen den Unterrichtsstunden und genug Sportstunden im Angebot. Das sind mit Sicherheit die ersten Assoziationen, die man mit einer guten gesunden Schule hat. Doch das Landesprogramm sieht noch viel mehr Potenzial an Gutem und Gesundem, das Schule für die Kinder und Jugendlichen in Bayern haben kann. Da geht es um Suchtprävention und Selbstbewusstsein, um Stressabbau und Zusammenhalt, natürlich auch um Bewegung und Ernährung. Die Konradschule hat solche kreativ-spielerische und kindgerechte Angebote. Und sich deshalb beim Programm beworben.

„Die Kinder vergleichen sich und ihre Noten.“

Sportereignisse und Ernährungsaktionen, die kennen die Kinder an der Grundschule seit Jahren. Doch man kümmert sich an der Konradstraße, so heißt es in einer Pressemitteilung der Gemeinde, auch um die psychische und seelische Gesundheit der Kleinen – und zwei dieser Projekte wurden nun in dieser Auszeichnung hochgelobt. „Wir haben uns mit zwei Programmen beworben, weil die von unseren Kindern wirklich sehr gut angenommen werden“, erklärt die Jugendsozialarbeiterin Hanna Acker.

Unter dem Motto „Bleib locker“ bietet die Haarer Grundschule seit 2019 den Viertklässlern ein Stresspräventionsprogramm an. Die Resonanz sei riesig – denn der Druck auf die Klassen, die demnächst in die weiterführenden Schulen wechseln, sei enorm. Und das liege nicht ausschließlich an der Erwartungshaltung der Eltern, sondern es gibt Druck und Konkurrenz auch untereinander. „Die Kinder vergleichen sich und ihre Noten. Es ist am Ende längst nicht das Wichtigste, ob sie anschließend auf die Schule gehen, die zu ihnen passt, sondern es muss möglichst die sein, bei der man den höchsten Abschluss erreichen kann“, erklärt Acker. Es brauche schon viel Selbstbewusstsein und Rückhalt, um sich unter diesem gesellschaftlichen Druck trotzdem individuell entscheiden zu können.

Hunderte Schüler nehmen an den Kursen teil

Der „Bleib Locker“-Kurs stärke den Kindern den Rücken, mache ihnen klar, woher ihr Stress rührt und wie sie damit umgehen können. Oft sei es schon ein erster großer Schritt, wenn die Schüler merken, dass sie mit ihren Gefühlen ganz und gar nicht alleine dastehen. Bereits in der ersten Runde nahmen laut Pressemitteilung 100 Schüler das Angebot an – mit echtem Erfolg, wie die Lehrkräfte eindrücklich beobachten konnten: Die Kinder konnten demnach am Ende des Projekts auf Bewältigungsstrategien und Handlungsmuster zurückgreifen und mit akutem Stress, etwa Prüfungssituationen, viel besser umgehen.

Ebenfalls um die psychische Gesundheit geht es im zweiten Projekt: „Resi – Resilienter werden mit Resi“ richtet sich an die ersten beiden Jahrgangsstufen, denn in der Grundschule sei man sich bewusst, welch großen Raum Schule schon im Leben der Allerkleinsten einnimmt. Mit Ganztagsklassen oder Nachmittagsbetreuungen verbringen sie viel Zeit außerhalb des Elternhauses. Das bedeutet: Auch größere Stücke der Erziehung, die Vermittlung von Werten und Stärkung der Kinder werden Schule und Betreuung übertragen. In der Konradschule nimmt man das ernst: Der Stundenplan räumt Zeit ein, um die Kinder zu stärken, sie im Umgang mit Konflikten und Krisen zu sensibilisieren und ihnen Selbstbewusstsein zu vermitteln.

Gut 230 Kinder nehmen Jahr für Jahr an „Resi“ teil. „Das Projekt wird stetig überarbeitet und ausgeweitet und ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken“, sagt Schulleiterin Andrea Zran. „Die Rückmeldungen sind durchweg positiv und auch von der Elternschaft erreicht uns ausschließlich positives Feedback.“ Man gehe mit der Zeit, denn die Herausforderungen würden tatsächlich schon für die Kleinen immer größer: Die unmittelbare und schnelle Kommunikation über Klassenchats etwa berge enormes Konfliktpotenzial, der Umgangston werde nicht selten durch die manchmal großzügig konsumierten Medien rauer – und die Pandemie hat Stress und Ängste zudem geschürt.

mm

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