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Die Rodungsinsel Keferloh will Haar erhalten.

Gemeinde will Gewerbegebiet in Keferloh verhindern

Haar auf Kriegspfad gegen Nachbars Pläne

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Empört, empörter, Haar: Die CSU gab den Anstoß beim Widerstand gegen ein Gewerbegebietin Grasbrunn. Die SPD zeiht nach und spricht von  „Hass“ auf die Planung.

Haar – Knapp fünf Hektar umfasst das Gewerbegebiet, das die Gemeinde Grasbrunn im Ortsteil Keferloh plant; so groß wie sechs Fußballplätze. Grasbrunn will dort Betriebe ansiedeln, denen die Gemeinde bisher mangels Angebot keine Perspektive bieten konnte und ortsnahe Arbeitsplätze schaffen. Aber an einer sensiblen Stelle, in einer Rodungsinsel. So sehen die Nachbarn in Haar das jedenfalls. Und noch dazu direkt vor ihrer Nase, sodass der ganze Verkehr über die B 471 durch Haar führe. Die CSU-Fraktion im Haarer Gemeinderat hatte deshalb beantragt, alle rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen, wie diese Planung verhindert und die Rodungsinsel Keferloh erhalten werden könne.

Ein rotes Tuch  ist das geplante Gewerbegebiet für Haar.

„Ich betrachte diese Planung als einen unfreundlichen Akt“, sagte CSU-Fraktionschef Dietrich Keymer, nachdem die Prüfungsergebnisse jetzt vorliegen. Die Gemeinde Grasbrunn habe genügend andere Grundstücke. Keferloh sei auch ein Naherholungsbiet. Und er fürchte, dass es nicht bei dieser ersten Bebauung bleiben werde. Horst Wiedemann (SPD) erinnerte daran, dass er seit 15 Jahren vor so einer Entwicklung warne. „Wir müssen mit allem was wir haben dafür kämpfen, dass die Rodungsinsel Keferloh erhalten bleibt“, appellierte er an die Gemeinderatskollegen.

Wobei das Waffenarsenal für diesen Kampf bescheiden ist. Eine Normenkontrollklage kann die Gemeinde Haar gegen die Planung anstrengen und muss dann nachweisen, dass die Grasbrunner das „interkommunale Abstimmungsgebot“ verletzt haben. Klingt sehr bürokratisch und nicht besonders wirkungsvoll

So sieht das auch Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD): „Wir können der Gemeinde Grasbrunn Ärger machen. Wir können das Verfahren verzögern. Aber grundsätzlich verhindern, das wird schwierig.“ Müller weitet den Blick, weg vom Einzelfall Keferloh: Die Nachbargemeinde Vaterstetten plane ein Wohngebiet, Putzbrunn ein Gewerbegebiet – auch das habe Auswirkungen auf die Gemeinde Haar, vor allem in Hinsicht Verkehrsbelastung. Umgekehrt überlegt Haar, die Finck-Wiese an der Ecke B 304/B 471 für Gewerbe zu nutzen, auch wenn die erhoffte Ansiedlung des BMW-Forschungszentrums geplatzt ist. Ein Gewerbegebiet dort werde die Nachbargemeinden sicher auch stören.

Müllers Einsicht: „Wir können in der Region München nicht mehr mit einer isolierten Betrachtungsweise an Planungen herangehen.“ Zu eng seien die Gemeinden verflochten, zu dicht zusammengewachsen. „Wir müssen eine Verkehrslösung für den ganzen Münchner Osten finden.“ Zum Beispiel die Verlegung der B 471 an die A 99, die seit Jahrzehnten diskutierte Autobahnparallele. Bisher hat nur Aschheim sein Teilstück gebaut.

Eine gemeinsame Planung der Kommunen fordert auch Mike Seckinger (Grüne); Wobei er in einer Autobahnparallele eher keine Lösung sieht. Dietrich Keymer nahm wieder den Fall Keferloh ins Visier: Bis Haar auf eine überregionale Lösung warte, werde das Gewerbegebiet Keferloh längst gebaut sein. „Das ist auch ein politisches Thema“, betonte der CSU-Fraktionschef. Seine Partei werde dieses Thema auch an die Haarer Bürger herantragen.

Ton van Lier (FWG) will zumindest ein klares Signal an Grasbrunn, aber auch an Vaterstetten senden: „Jungs, so geht es nicht.“ Er setzt auf sanften Druck: „Wir müssen die Hand reichen, aber wir müssen auch die Nachbargemeinden dazu zwingen, die Hand zu reichen.“ Und Alfons Meindl (SPD) stellte mit Blick Richtung Dietrich Keymer klar, dass nicht nur die CSU, sondern auch die SPD empört über die Grasbrunner Pläne für Keferloh sei. Wenn er ein persönliches Statement abgeben solle: „Ich hasse diese Planung!“

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