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Von der Finckwiese ins All: Haar will Isar Aerospace den Weg bereiten - Bedenken wegen Steuereinnahmen

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Von: Laura May

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Die Isar Aerospace baut kleine Trägerraketen. Bis 2024 will Isar Aerospace Satelliten des Schweizer Börsenunternehmens Astrocast in den Orbit schicken. Hier ist die 27 Meter lange Spectrum-Rakete zu sehen.
Die Isar Aerospace baut kleine Trägerraketen. Bis 2024 will Isar Aerospace Satelliten des Schweizer Börsenunternehmens Astrocast in den Orbit schicken. Hier ist die 27 Meter lange Spectrum-Rakete zu sehen. © Isar Aerospace

Die Brautschaut hat begonnen: Auch die Gemeinde Haar will die Raketenbauer von Isar Aerospace in die Gemeinde locken. Bedenken gibt es allerdings wegen der Steuereinnahmen.

Haar – Auch wenn in Haar keine Raketen starten werden, könnte Isar Aerospace die Gemeinde in die Zukunft schießen. Mit einem Grundsatzbeschluss sendet der Gemeinderat dem Technologie-Start-Up ein positives Zeichen: 22 von 28 Gemeinderäten stimmten für die Idee, die gewerbliche Entwicklung der Finckwiese für den heiß umworbenen Raketenhersteller zu prüfen.

Die Finckwiese südlich der Wasserburger Straße (B 304) und angrenzend and die Grasbrunner Straße (B 471) ist die letzte Top-Fläche der Gemeinde – die Fraktionen machten sich die Entscheidung deshalb nicht leicht. „Ich sehe neben dem wirtschaftlichen Potenzial auch eine Zukunftsfähigkeit“, sagte Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU). Durch Isar Aerospace könnten langfristig auch weitere Technologieunternehmen nach Haar kommen. Das Start-Up könnte bis zu 40 Trägerraketen pro Jahr herstellen.

„Viele würden sich drum reißen und wir diskutieren ernsthaft drüber“

„Konventionelle Büroflächen gibt’s wie Sand am Meer“, sagte der Bürgermeister. Nachdem große Unternehmen wie Siemens und BMW kein Interesse an der Fläche haben, sei er froh über die Bekundungen der Weltraumforscher. „Viele würden sich drum reißen und wir diskutieren ernsthaft drüber.“ Aktuell hat Isar Aerospace in Ottobrunn rund 250 Mitarbeiter.

Die Gegenstimmen zum Grundsatzbeschluss kamen von SPD und Grünen – auch wenn niemand die Idee grundsätzlich ablehnte. Die zwei großen Kritikpunkte: Gewerbesteuereinnahmen und Höhenentwicklung. Das Start-Up schreibt aktuell nämlich rote Zahlen. Das ist zwar normal, bedeutet aber, dass Haar in den nächsten Jahren weiter ein Loch im Haushalt haben würde. „In 30 Jahren sind vielleicht viele Haarer und Haarerinnen dankbar – in den nächsten zehn Jahren aber nicht“, sagte Mike Seckinger, (Grüne). Auch für Thomas Fäth (SPD) passt das Unternehmen nicht perfekt auf die letzte große Freifläche der Gemeinde. Zu hoch das Risiko bezüglich der Gewerbesteuer, zu hoch die Industriegebäude zum Bau von 28 Meter hohen Trägerraketen.

Beschluss ein positives Signal

Nachdem mit dem Pharmariesen MSD im vergangenen Jahr Haars größter Gewerbesteuerzahler weggezogen ist, ist die Gemeinde angewiesen auf Einnahmen. Isar Aerospace würde dieses Problem wohl erst in vielen Jahren lösen – dafür aber Innovation und attraktive Arbeitsplätze bringen. „Es wird junge, qualifizierte Menschen motivieren, nach Haar zu kommen“, sagte Peter Siemsen (FDP).

Neuer Markt, neue Industrie, Satelliten, große Pläne – das klingt für die meisten Haarer Gemeinderäte verlockend. All das könnte aber auch Theorie bleiben. Der Beschluss schickt vonseiten der Gemeinde bisher nur ein positives Signal in Richtung Isar Aerospace.

Drei andere Gemeinden offenbar im Rennen

„Das heißt ja gar nicht, dass die wirklich zu uns kommen, drei andere Gemeinden bewerben sich auch“, merkte Peter Paul Gantzer (SPD) an. Neben Haar bewerben sich auch Taufkirchen und weitere Kommunen um die Gunst des Start-Ups. Welche das sind? Das verrät Isar Aerospace bisher nicht.

Wo sich das Unternehmen letztlich ansiedelt, hängt von Anbindung, Infrastruktur oder Gewerbesteuersatz ab. Taufkirchen etwa wolle die Gewerbesteuer senken, sagte Gantzer. Der Haarer Beschluss ist also nur ein Signal. Würde sich Isar Aerospace tatsächlich für Haar entscheiden, wäre das eine Zukunftsperspektive, aber keine akute Lösung für das Loch im Haushalt. „Wenn man für dieses Projekt ist, muss klar sein, dass die nächsten zehn bis 15 Jahre keine Gewerbesteureinnahmen da sind“, warnte Ton van Lier (Grüne).

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