Den Klimanotstand hat die Gemeinde Haar schon ausgerufen. Jetzt will man mithilfe von Leitlinien klimafreundlicher bauen.
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Den Klimanotstand hat die Gemeinde Haar schon ausgerufen. Jetzt will man mithilfe von Leitlinien klimafreundlicher bauen. Symbolfoto

Papier einstimmig im Umweltausschuss befürwortet

Haar will Bau-Leitlinien gegen den Klimanotstand erlassen

  • Günter Hiel
    vonGünter Hiel
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Bei der Planung und Durchführung von Bauvorhaben soll in der Gemeinde Haar der Nachhaltigkeit ein besondere Bedeutung eingeräumt werden. Der Haupt- und Umweltausschuss hat sich jetzt für spezielle Leitlinien ausgesprochen.

Haar – In Haar herrscht Klimanotstand. Und wer künftig in der Gemeinde baut, sollte mindestens 30 Prozent der Grundstücksfläche als unversiegelte Grünfläche bewahren und pflegen; und wenigstens einen großen Laubbaum pflanzen je angefangener 200 Quadratmeter unbebauter Fläche. Das hat der Haupt- und Umweltausschuss als zentrale Punkte der neuen „Haarer Leitlinien zur Nachhaltigkeit im Bereich Bau und Planung“ einstimmig befürwortet. Endgültig darüber entscheiden wird der Gemeinderat in seiner morgigen Sitzung.

Die Gemeinde will sich bei eigenen Projekten an die Vorgaben halten. Privaten Bauherren sollen diese als Vorbild dienen. Das heißt, es besteht für diese keine Pflicht, sich den Vorschriften zu unterwerfen – es sei denn, das wird in einem städtebaulichen Vertrag zwischen Gemeinde und Bauherr festgeschrieben.

„Als Gemeinde wollen wir im ökologischen Bereich weiter führend sein“, sagte Rathauschef Andreas Bukowski (CSU). Alle Fraktionen stehen hinter den Leitlinien. Das reicht von „Wir sind begeistert“ (Mike Seckinger, Grüne), über „eine gute Sache“ (Thomas Reichel, CSU) und „Kompliment, ein stimmiges Papier“ (Peter Siemsen, FDP), bis zur Aussage Peter Schiessls (SPD): „Die Leitlinien sind eine klare Aussage für Investoren, die in Haar bauen wollen.“

Haar hat am 28. Januar 2020 per Mehrheitsbeschluss den Klimanotstand ausgerufen, wobei sich die CSU am Begriff „Notstand“ störte. Die Kommune hat damit unter anderem anerkannt, dass die bisherigen Anstrengungen nicht ausreichen, um eine maximale Erderwärmung um 1,5 Grad Celsius einzuhalten. Haar will einen größeren eigenen Beitrag leisten, und dazu gibt sich die Gemeinde Leitlinien vor, für die Bereiche Klimaschutz sowie Klimaanpassung und Biodiversität.

Bereits bei den Baustoffen sollen Aspekte wie Langlebigkeit und Herkunft berücksichtigt werden. Der Niedrigenergiehaus-Standard soll eingehalten, Dachflächen zur Solarenergie-Erzeugung genutzt werden. Wo das nicht möglich ist, werden Wärmepumpen, Mini-Blockheizkraftwerke oder Solarelemente empfohlen. Motorisierter Individualverkehr soll vermieden bzw. minimiert werden. Zudem gibt es Festsetzungen für Grünflächen und Baumpflanzungen sowie Begrünung von Flachdächern. Insgesamt 21 Unterpunkte, die das Umweltreferat unter Leitung von Andreas Nemetz erarbeitet hat, knapp und prägnant zusammengefasst. „Ein schlankes Paket, mit dem sich arbeiten lässt“, sagte Bukowski.

Bei allen künftigen Bauvorhaben der Gemeinde sollen die Leitlinien Anwendung finden. Wo das nicht gehen soll, muss die Gemeindeverwaltung begründen, warum das so ist. Zugleich sollen die Leitlinien als Vorbild für private Bauvorhaben herangezogen werden.

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