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Die Ortsmitte rund um Leibstraße will die Gemeinde durch das Einzelhandelskonzept schützen. 

Online-Handel und Shoppingmalls

Haars Geschäftsleute: „Wir haben große Angst“

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Die Händler in Haar fürchten um ihre Existenz und Zukunft. Daran ändert auch das Einzelhandelskonzept der Gemeinde nichts. Das stößt auf Kritik.

Haar – Einige Geschäftsleute aus Haar kritisieren das Einzelhandelskonzept, das die Gemeinde erstellen ließ. Es sei unzulänglich. Sie verlangen Nachbesserungen. Denn die Politik habe es versäumt, den Einzelhandel einzubeziehen, klagt Andreas Bukowski. „Das ist ein absolutes Muss.“ Auf Einladung der CSU diskutierten Gewerbetreibende das Einzelhandelskonzept beim ersten Unternehmertreff in Haar. Als stellvertretender CSU-Ortsvorsitzender und Unternehmer in Personalunion organisierte Bukowski (39) die Veranstaltung als eine Art Forum, „um mit der Gemeinde ins Gespräch zu kommen“.

Schutz für Einzelhandel

Die gut funktionierende Ortsmitte zwischen Bahnhof- und Leibstraße soll vor Einzelhandels-schädlichen Entwicklungen wie einer geplanten Shopping-Mall südlich der B 304 geschützt werden. Dahingehend ist sich der Gemeinderat einig. Der Projektentwickler CIMA aus München erstellte darauf ausgerichtet das Einzelhandelskonzept für die Gemeinde.

Dieses greift manchen Unternehmern aber nicht weit genug. Wichtige Punkte wie die Konkurrenz durch den Online-Handel würden nicht behandelt, rügte Bukowski. „Wir haben wirklich große Angst.“ Beträchtliche Einbußen drohten, die je nach Branche unterschiedlich ausfallen. Bukowski sagt: „Bei Naturkosmetik hält sich’s im Rahmen. Bei Schuhen sind die Abflüsse gewaltig.“

Vor allem die Wirkung der von der CIMA aufgestellten Sortimentsliste stößt bei manchem Einzelhändler auf Kritik. Als Steuerungsinstrument gedacht, regelt die Liste, was für Sortimente in welcher Ecke der Gemeinde gehandelt werden dürfen. Die Liste gilt für Läden, die neu in Haar eröffnet werden sollen. Bestehende Geschäfte genießen Bestandsschutz.

„Falsches Signal“

CSU und Unternehmer halten die Sortimentsliste aber für das falsche Signal. Statt Ladeninhaber vor Konkurrenz zu schützen, würden Händler reglementiert. Im Jagdfeld etwa sollen sich keine Schreibwarenhändler mehr ansiedeln dürfen, obwohl Schulen nicht weit sind. „Völlig widersinnig“, findet Bukowski. Gärtnerei-Inhaber Oliver Buthmann fürchtet um Kunden, die eine freundliche Beratung der raschen Abwicklung im Internet vorziehen: „Wie werden die wohl reagieren, wenn ich nicht mal einen Blumenladen in Eglfing aufmachen darf?“

Das geschätzt 50 000 Euro teure Einzelhandelskonzept verschwendet nach Ansicht der CSU Ressourcen. Das Geld hätte man in die Ortsmitte investieren sollen, in Parkraum, Verkehrsberuhigung und bessere Zufahrten. „Das würde uns mehr helfen, als die Beschränkungen durch die Liste.“ Bukowski könnte sich zudem eine Beratungsstelle zum Ausbau von Digitalisierungs-Kompetenzen vorstellen. So sei es einer Frau in Miesbach gelungen, durch ständige Präsenz in den sozialen Medien mit ihrem Café zur Marke zu werden. In Haar könnten Stefan Dümig und dessen Bäckerei als Positivbeispiel dienen.

CSU-Chef Dietrich Keymer, der sich zuletzt im Bauausschuss mit dem Einzelhandelskonzept arrangiert hatte, ermunterte die Haarer Unternehmer dennoch, das Thema immer wieder anzusprechenund Nachbesserungen einzufordern. „Ich sag’ nur: Steter Tropfen höhlt den Stein.“

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