So könnte die neue Siedlung auf der heutigen Finckwiese in Haar einmal ausschauen. 70 Prozent des Quartiers ist laut Konzept für Gewerbe reserviert.
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So könnte die neue Siedlung auf der heutigen Finckwiese in Haar einmal ausschauen. 70 Prozent des Quartiers ist laut Konzept für Gewerbe reserviert.

„Eine Stadt der kurzen Wege“

Pläne für Finckwiese: So soll Haars neuer Ortsteil einmal ausschauen

  • Max Wochinger
    VonMax Wochinger
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Nachhaltig, lebenswert, unternehmerfreundlich: Der Eigentümer der Finckwiese plant auf dem Gelände ein modernes Quartier. Seine Pläne hat er nun vorgestellt.

Haar – 20 Hektar groß, Gewerbeflächen mit Hotel und Wohnungen, autonome Shuttle-Busse, autarke Energieversorgung, Quartiersparkhaus mit Carsharing: Auf der Finckwiese südlich der Wasserburger Straße (B 304) soll ein modernes Mega-Quartier entstehen. Der erste Ideenentwurf des Grundstücksbesitzers und Projektentwicklers DIBAG zeigt ein nachhaltiges Stadtquartier am Ortseingang. Die DIBAG stellte ihre Ideen am Dienstag dem Gemeinderat in Haar vor. Das Projekt wird das Gremium das kommende Jahrzehnt beschäftigen.

Nachhaltigkeit steht im Zentrum des Konzepts. Das machten die Entwickler bei der Vorstellung ihrer Ideen den Gemeinderäten immer wieder klar. Es ginge der DIBAG um eine „nachhaltige Quartiersentwicklung“, sagte Projektentwickler Sebastian Kuhlen. Die Wirtschaft in Haar solle durch „vernünftige Arbeitgeber“ langfristig gestärkt werden, klimagerechtes Bauen sowie eine nachhaltige Energieversorgung stehen im Mittelpunkt des „ersten Aufschlags“.

Noch wächst auf der Finckwiese Mais. Das Bild zeigt das Areal aus der Südperspektive.

Der erste Vorschlag sieht vor, die Hälfte der Fläche der Finckwiese „grün“ zu lassen. 70 Prozent des Quartiers ist laut Konzept für Gewerbe reserviert, die restlichen 30 Prozent im südlichen Areal sollen mit viergeschossigen Wohnungen bebaut werden. Die einzelnen Gebäude stehen meist in C- und L-Form zueinander.

„Es soll eine Stadt der kurzen Wege werden. Durchdrungen von Grün“, sagte Architekt Michael Wimmer dem Gemeinderat. Bestehende Bäume und Grünflächen seien in der Planung eingearbeitet, es soll „Aufenthaltsbereiche für Tiere“ geben – in Innenhöfen, auf Dächern, in Nistkästen an Fassaden. DIBAG will Regenwasser auffangen und für die Kühlung und Bewässerung des Quartiers einsetzen. Zwischen Wald und Wohnhäusern soll eine Pufferzone aus Grünflächen und Spielplätzen entstehen.

Aktuelle Dibag-Projekte: „Das sind alles Industriebauten“

Ein großer Punkt im Konzept ist auch Mobilität. Weniger Autos ist hier das Credo, das Fahrrad soll das bevorzugte Transportmittel ins Quartier werden. Verkehrsexperte Bernhard Schäpertöns schlug in der Sondersitzung dazu eine Shuttle-Linie für Stadtquartier vor. Mitunter autonom fahrende Busse sollen den Pendelverkehr zwischen Quartier und den S-Bahnhöfen Haar und Vaterstetten erlauben. Ein „Mobility Hub“ soll Carsharing, E-Ladesäulen, Leihradausgabe und Paketannahme unter einem Dach vereinen.

Die Energie, etwa für E-Ladesäulen, soll von Solaranlagen auf den Dächern und Oberflächen-Geothermie kommen. Die Geothermie-Anlage könnte direkt auf dem Areal entstehen. Das Ziel: CO2-neutral und Energie möglichst aus dem Quartier.

Die Hälfte der Fläche der Finckwiese soll „grün“ bleiben, sagte ein Architekt im Gemeinderat. Auf dem Bild zu sehen ist der „Hauptgrünzug“ aus Ost-westlicher-Richtung

Das Bauvorhaben könnte in mehreren Abschnitten umgesetzt werden. Ein grober Zeitplan zeigt den Beginn des ersten Bauvorhabens schon Ende 2023. Gezielt offen ließ das Unternehmen Art und Anzahl der Firmen, die DIBAG hier ansiedeln will. Es gebe noch keine detaillierten Zahlen, so Kuhlen.

Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) lobt die Ideengrundlage trotzdem gleich zu Beginn als „eine ziemlich Gelungene“. Der Sozialdemokrat Peter Gantzer war ganz anderer Meinung: Er hatte sich im Vorfeld aktuelle Projekte von DIBAG in Stuttgart, Berlin und Köln angesehen. „Das sind alles Industriebauten“, sagte er. Die Finckwiese sei aber das letzte „Filet-Grundstück“ in Haar, deshalb erwarte er „Filet-Bauten“. „Keine 0815-Gebäude“ wie aus dem Konzept der DIBAG.

Vorerst keine Info-Veranstaltung für Bürger

Andere Räte kritisierten, dass es keine Flächenzahlen und Informationen zu möglichen Gewerbe-Bewerbern gebe. Wie sollen so Bürger schon jetzt informiert werden? Rathauschef Bukowski hatte vorgeschlagen, noch im Juli eine Info-Veranstaltung für Bürger einzurichten. Der Vorschlag wurde durch Beschluss abgelehnt.

Mit sechs Gegenstimmen konnte sich der Gemeinderat aber auf einen Workshop über die Gebietsentwicklung einigen. Der Gemeinderat will das Konzept zudem im Bauausschuss behandeln.

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