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Große Pläne zur Ortsentwicklung: Das Modell zeigt die geplante Bebauung mit Wohnungen und einem Rewe-Markt in Gronsdorf.  

Nicht alle Bürger begeistert

Haars Wachstumspläne ecken an

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Jugendstilpark, Münchner Straße, Gronsdorf: Haar ist auf heftigem Wachstumskurs. Nicht jedem gefällt‘s.

Haar – „Ganz schwindlig“ wird es Reinhard Kunert, wenn er auf die Pläne für die Haarer Ortsentwicklung blickt. Bis zu 2500 neue Einwohner im Jugenstilpark, ein Strukturkonzept für die südliche Münchner Straße samt zweier 41 Meter hoher Wohntürme und großem Einkaufszentrum: Was Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) bei der Bürgerversammlung im Schnelldurchgang vorgestellt hatte, war Kunert offensichtlich nicht ganz geheuer. Wobei er die Entwicklung der ganzen Region München atemberaubend findet – und empfiehlt, auf die Bremse zu treten. Das Straßennetz sei jetzt schon überlastet. Der ganze Expansionskurs müsse auf den Prüfstand, appellierte er auch an Ernst Weidenbusch, Vize-Landrat und Landtagsabgeordneter aus Haar, der für den Landkreis bei der Bürgerversammlung gesprochen hatte.

Er spreche ein großes Thema an, erwiderte Bürgermeisterin Müller. „Aber eine Gemeinde kann man in diesem Sog nicht aus der Entwicklung herausnehmen.“ Klar sei: „Die Infrastruktur muss in dem Maßstab wachsen wie der Zuzug.“

Dazu passte die Wortmeldung von Gabriele Dotzel. Die hat 500 Unterschriften gesammelt gegen den Bau einer weiteren Grundschule neben der Jagdfeldschule und dem Gymnasium. Der Gemeinderat möge noch einmal über den Standort nachdenken. Statt im Jagdfeld für 24,3 Millionen Euro eine weitere Grundschule für 400 Kinder zu bauen, solle Haar lieber einen Standort nördlich der S-Bahn wählen. Sie bezweifle auch stark, dass es am bisherigen Standort möglich sei, nach dem Bau einer neuen Schule noch wie bisher einen Pausenhof mit 7,8 Quadratmeter Freifläche pro Kind zu gewährleisten.

Genau das hatte Müller vorher vorgerechnet. „Gefühlt sagt man: Wo bleibt denn da die Freifläche für die Kinder?“ Doch die würden keinerlei Einbußen haben, versicherte sie mit dem Hinweis: „Diese Zahlen bitte ich dringend im Kopf zu behalten.“ Sie wusste ja, dass Dotzel ihre Kritik vorbringen würde. Auch Dotzels Argument, dass im Norden der Gemeinde eine Schule nötig sei, widersprach Müller. Noch kämen die Kinder aus dem Zentrum, im Jagdfeld gebe es einen Generationswechsel. „Es gibt Gegner dieses Standorts, das stimmt, aber die Mehrheit des Gemeinderats hat das mitgetragen“, sagte sie. Nach gründlicher Abwägung und langer öffentlicher Diskussion. Wenn der Gemeinderat einmal beschließen sollte, im Norden weitere Wohngebiete zu genehmigen, dann sei dort sicher eine weitere, eine vierte Grundschule nötig. Dotzel bot sie an: „Nehmen Sie Ihre Mitstreiter mit und kommen Sie zu mir ins Rathaus.“ Dann werde sie die Planung gerne noch einmal im Detail erläutern, samt Freiflächenberechnung, und auch die Schüler-Prognosezahlen könne man abgleichen.  

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