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Haar wird sich weiter verschulden.

„Wir werden kleinere Brötchen backen“

Steuereinnahmen brechen weg: Haar muss sparsamer planen - So steht‘s um die Finanzen

  • Sabina Brosch
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Die Gemeinde Haar hat große Investitionen vor der Brust. Doch die Steuereinnahmen brechen ein. Das heißt: den Gürtel enger schnallen.

Haar – Gewaltige Investitionen stehen der Gemeinde Haar ins Haus. Der Haushalt für 2020 wird zwar von allen Fraktionen getragen, dennoch fiel die Beurteilung desselben durchaus unterschiedlich aus.

Unter anderem Die Grundschulerweiterung im Jagdfeldring, die Sanierung des Maria-Stadler-Hauses sowie mehrere Wohnungsbauvorhaben stellen die Gemeinde im kommenden Jahr vor große Aufgaben. Da die Gewerbesteuereinnahmen durch den Wegzug des großen Zahlers MSD wegfallen, mahnte Kämmerer Günter Rudolf im Gemeinderat zum kräftigen Gegensteuern. Dabei müssten auch freiwillige Leistungen auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft werden. „Wir werden kleinere Brötchen backen“, betonte Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD), „aber nicht die Hände in den Schoß legen, sondern vorausschauend planen und Weichen stellen.“

Verschuldung steigt auf über 17 Millionen Euro

Mit Schul-, Kita- und Wohnungsbau habe man Werte für die Bürger geschaffen, wofür man in den vergangenen Jahren gespart habe. Der Wohnungsbau, der mit 15,2 Millionen Euro maßgeblich für die auf 17,2 Millionen Euro ansteigende Verschuldung verantwortlich sei, sei eine rentierliche Investition, dies sich „durch Mieteinnahmen refinanziert“, sagte Müller.

Insofern plädierte Ton van Lier (parteilos) im kommenden Jahr für eine Atempause, „wo initiierte Projekte zu Ende geführt und darauf geachtet werden muss, sich auf notwendige Aufgaben zu konzentrieren und nicht alle Wünsche zu erfüllen.“ Für SPD-Fraktionschef Alexander Zill ist der Haushalt ein spannender, der auch große Ausgaben und Risiken meistern müsse für die Ansprüche einer wachsenden Gemeinde. Die wichtigste Aufgabe sieht er in der Schaffung günstigen Wohnraums, jedoch nicht zu Gunsten einer unkontrollierten Nachverdichtung. Ein Spardiktat alleine helfe nicht weiter, Schwankungen habe es immer gegeben, die Ausgaben mit der Haushaltslage in Einklang zu bringen, sei stets ohne große Einschnitte gelungen. Zill: „Wir haben schwierige Zeiten, aber mit Disziplin werden wir auch das schaffen.“

CSU: Der „letzte Wohlfühlhaushalt für die überschaubare Zukunft“

Düsterer sieht es Dietrich Keymer (CSU). Er sprach von einem „letzten Wohlfühlhaushalt für die überschaubare Zukunft“. Es würden zwar in Haar nicht die Lichter ausgehen oder Bäder geschlossen, aber „wir können zwar viel planen, aber realisieren werden wir nur wenig.“Die vernachlässigte Wirtschaftsförderung sieht er als Hauptverursacher, das könne nun auch nicht kurzfristig aufgeholt werden und „daher müssen wir sparen“. Keymer nannte dabei auch konkrete Einsparungen bei der Öffentlichkeitsarbeit oder Volkshochschule.

Mike Seckinger (Grüne) sieht gerade im Wohnungsbau die Chance das Haarer Vermögen aus- und aufzubauen, da man hieraus Einnahmen generiere. Darüber hinaus wertet er den Haushalt als ein Zeichen, dass Haar Verantwortung übernehme in einer Boomregion und nicht davonlaufet. „Es geht darum, Haar zu einer Gemeinde zu machen, in der man sich auch künftig wohlfühlt.“ Und das bedeute, in soziale und kulturelle Infrastruktur zu investieren und nachhaltig zu gestalten.

Lesen Sie auch: Haar lässt sein Theater nicht hängen und erhöht Zuschuss

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