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Hohe Auszeichnung: Christa Gebel (l.) erhält das Bundesverdienstkreuz. Haars Bürgermeist erin Gabriele Müller überreicht es ihr mit einem Blumenstrauß. 

Das Herz der Ungarnhilfe

Seit Jahrzehnten engagiert sich Christa Gebel für die Haarer Ungarnhilfe. Sie hat sie selbst aufgebaut. Heute ist Christa Gebel 92 Jahre alt - und hat jetzt das Bundesverdienstkreuz bekommen.

Haar – 4500 Tonnen Sachgüter im Wert von knapp zwölf Millionen Euro brachte die Ungarnhilfe Haar seit ihrer Gründung 1990 in über 200 Fahrten in die ärmsten Regionen in Nordostungarn oder südlich der Hauptstadt Budapest. Immer dabei: Initiatorin Christa Gebel. Für ihr Engagement hat sie jetzt das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Christa Gebel ist 92 Jahre alt – und aus der Ungarnhilfe nicht wegzudenken. „Sie pflegt weiterhin Kontakte oder fragt Spender, ob sie etwas erübrigen können“, sagt Herrmann Mayer. Vor gut drei Jahren gab sie die Leitung der Ungarnhilfe ab an ihren langjährigen Stellvertreter Mayer (62).

Gebel weiß, warum die Menschen in Ungarn die Hilfe benötigen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die diplomierte Sozialarbeiterin im Flüchtlingslager Allach II stationiert und sah die Not der Menschen. Diese Not beobachtete sie bei einem späteren Besuch in Ungarn erneut: Mit Stephan Graf von Bethlen, Abgeordneter des ersten frei gewählten Parlaments in Ungarn, war sie 1990 in den ehemaligen Ostblock-Staat gereist und war schockiert. Sie wollte helfen.

Dabei ging sie voran, wie sie es immer getan hatte. Christa Gebel war eine der ersten Frauen im bayerischen Gewerkschaftsbund und später eine der ersten Frauen in einer Führungsposition. Dabei setzte sie sich für bessere Arbeitsbedingungen und Löhne der Frauen ein, entwickelte ein Konzept für den Mutterschutz und gab Kosmetik- und Rhetorikkurse, „um Frauen mehr Selbstbewusstsein zu vermitteln“. Auch politisch war Gebel aktiv, eine Vorreiterin eben.

Fünf Damen begannen das Projekt Ungarnhilfe, doch die schwerste Aufgabe stand bevor. „Ungarn war damals noch kein Teil der EU“, erinnert sich Gebel. Hilfe fand sie bei den Maltesern und Wolfgang Wagner, damals Stadtgeschäftsführer in München. „Er hat mich nicht nur angehört, er hat mir zugehört. Nach einer Stunde waren wir uns einig.“

Es fehlte nur noch eines: männliche Hilfe. 1992 kam Herrmann Mayer sprichwörtlich um die Ecke. „Ich wollte eigentlich nur ein paar Sachen spenden. Dann habe ich den ’Fehler’ gemacht und gefragt, ob ich helfen könne“, sagt er. „Da bin ich aus der Situation nicht mehr raus gekommen“, sagt er und lächelt.

Seitdem hat sich viel verändert. Mittlerweile gibt es mehr als 50 ehrenamtliche Helfer. Kindergärten, Krankenhäuser, Schulen und Altenheime sind mit Betten und weiteren Einrichtungsgegenständen versorgt. Das Einsatzgebiet umfasst 14 Gemeinden mit über 126 000 Menschen. Es gebe eine „Basis des Vertrauens“ zwischen Spendern, Ehrenamtlichen und den Einrichtungen in Ungarn, sagt Graf Bethlen. Doch damit nicht genug. Die Gegend um die Stadt Sàtoraljaújhely, in der die Arbeit der Ungarnhilfe vor 27 Jahren begann, braucht „in fünf, spätestens zehn Jahren“ wohl keine Hilfe mehr.

Für den Erfolg der Ungarnhilfe hat Christa Gebel bereits zahlreiche Auszeichnungen in Deutschland und Ungarn erhalten. In über einem Dutzend der Gemeinden ist sie Ehrenbürgerin.

Nach wie vor ist die Haarer Ungarnhilfe eine gemeinnützige Organisation. Die jährlichen Fahrten nach Ungarn werden über Spenden finanziert, die Ehrenamtlichen leisten die Arbeit unentgeltlich in ihrer Freizeit. „Das Wichtigste an der Ungarnhilfe sind die Helfer“, sagt Christa Gebel: „Ohne sie wäre das alles nicht möglich.“

Sie weiß: „Ein Einzelner kann was machen. Wer nicht bereit ist, das Unmögliche zu versuchen, der kann das Mögliche nicht erreichen.“ Mit diesem Motto setzt die Ungarnhilfe ihre Arbeit fort, zu viele Regionen benötigen in den kommenden Jahren Hilfe. Sebastian Schuch

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