In dritter Generation führt Monika Bischof den Familienbetrieb für Braut- und Kommunionkleidung.
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In dritter Generation führt Monika Bischof den Familienbetrieb für Braut- und Kommunionkleidung. Sie fürchtet, dass ihr Betrieb die Corona-Krise nicht überlebt.

Brautmodengeschäft in Haar

Kampf um Familienbetrieb: „Hätte nie gedacht, dass ich mal hoffnungslos bin“

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Monika Bischof (39) kämpft ums Überleben ihres Brautmoden-Familienbetriebs in Haar. Sie fühlt sich hoffnungs- und machtlos.

Haar – Monika Bischof blickt aus dem Wohnzimmerfenster in den schneebedeckten Garten. Nach ein, zwei Sekunden Stille sagt sie: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal in die Situation komme, dass ich hoffnungslos bin. Eigentlich bin ich ein optimistischer Mensch.“ Die 39-Jährige aus Poing (Kreis Ebersberg) führt seit dem 1. Januar 2021 in dritter Generation einen Familienbetrieb für Braut- und Kommunionkleidung sowie für Zubehör in Haar. Ihr Mann arbeitet ebenfalls im Geschäft, zuhause sind die beiden Kinder (9 und 15 Jahre) im Homeschooling. „Ich habe die Befürchtung, dass unser Betrieb das alles nicht überleben wird“, sagt sie. Und fügt hinzu: Wie viele andere Betriebe wohl auch.

Regelmäßig E-Mails an die bayerische Staatsregierung

Deshalb schreibt Monika Bischof seit Monaten regelmäßig E-Mails an die bayerische Staatsregierung. „Ich will, dass die hören, dass es so nicht weitergeht“, sagt die Poingerin mit fester Stimme. Im Frühjahr 2020 habe sie staatliche Hilfe in Höhe von 9000 Euro bekommen. Seitdem: nichts mehr. Damals sei es noch relativ einfach gewesen, den entsprechenden Antrag zu stellen. „Jetzt aber ist das hochkompliziert, das geht nur noch über den Steuerberater.“

10 000 Euro Fixkosten pro Monat

Das Familiengeschäft „Peter Vollmer Braut- und Kommunionmoden“ hat zwei Angestellte und eine Aushilfe. „Wir alle sind seit April in Kurzarbeit gewesen. Eine Kollegin habe ich wieder in Vollzeit gegeben, sie ist alleine und kommt sonst finanziell nicht über die Runden“, berichtet Monika Bischof. Die Chefin spricht von rund 10 000 Euro Fixkosten pro Monat fürs Geschäft – Miete, Personal, Strom etc. „Was mich so fertig macht, ist die Machtlosigkeit: Dass ein Herr Söder sich einfach hinstellen und sagen kann: ,Du machst jetzt zu’.“ Obwohl viele Einzelhändler, Gastrobetriebe, Selbstständige in den vergangenen Monaten Hygienekonzepte ausgetüftelt und angewandt hätten. Obwohl in vielen Bereichen Kundenbesuche auch nur nach Termin möglich wären (Bischof nennt neben ihrem Geschäft beispielsweise Friseursalons): „Da ist die Kontakt-Nachverfolgung besser als in der U- und S-Bahn“, sagt sie.

Neue Wege eingeschlagen

Aufgrund der Corona-Krise hat sie neue Wege eingeschlagen für Werbung und Kundenkontakt – insbesondere in den sozialen Medien. Das jetzt gültige „Click & Collect“ sei ein kleiner Lichtblick, sagt Monika Bischof. Weil viele Eltern in Vorbereitung, noch mehr in Hoffnung sind auf die Erstkommunion im Frühjahr, sei die Nachfrage nach dem Angebot groß: Im Internet Kleidung aussuchen und bestellen und diese dann im Laden (nach Terminvereinbarung) abholen. Eine Dauerlösung könne dies allerdings nicht sein.

Auf jüngste Berichte, in denen davon die Rede ist, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Lockdown bis Ostern erwägt, hat Bischof am Dienstag an Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger geschrieben: „Ist das euer Ernst? Dann verabschiedet euch von euren Steuerzahlern, denn dann ist keiner mehr übrig! Dann leg’ ich mich schön auf Hartz IV zu Hause aufs Sofa.“

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