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Pfarrer Albert Schamberger (l.) und Ton van Lier genießen die erste Halbe in Gronsdorf. Der Pfarrer hat auch noch ausgeschenkt, per Gerichtsbescheid aus dem Jahre 1840 per Strafe verboten.

Zwischen Gronsdorf und Salmdorf

500 Jahre alter Bierstreit flammt wieder auf

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Ottendichl/Salmdorf – „Wir haben das beste Bier! Egal was die anderen auch behaupten mögen!“, verkündet Ton van Lier von der Bürgervereinigung Ottendichl voller Inbrunst. Mit „die anderen“, meint er den Nachbarort Salmdorf. Knapp 1,5 Kilometer trennen die beiden Dörfer, die zur Gemeinde Haar gehören, am Wochenende haben sich jedoch neue Gräben aufgetan: Der 500 Jahre alte Bierstreit ist wieder entflammt. „Eine Frage der Ehre!“, sagt Ton van Lier.

Vor gut einem Jahr hat er gemeinsam mit den Ottendichlern noch das 1000-jährige Jubiläum der Salmdorfer gefeiert. Deren zum Fest verfasste Chronik brachte jedoch den seit Jahrhunderten schwelenden un im Jahr 1723 eskalierten Konflikt zum Vorschein: Der damals amtierende Pfarrer Malachias Probst schenkte nämlich in Ottendichl den Kirchgängern Bier aus, weil der Salmdorfer Wirt ihnen aus purer Bosheit eine Verpflegung mit Bier und Brot versagt habe. Und wenn, dann gab er ungenießbares, essigsaures Bier an die durstige Gemeinde. 

Beschwerde beim Bischof

Die Salmdorfer billigtem dem Ottendichler Pfarrer das Schankrecht nicht zu, reichten sogar Beschwerde beim Bischof von Freising ein. Erst ein Entscheid des Münchner Amtsgerichts im Jahr 1840 untersagte dem Pfarrer von Ottendichl das Ausschenken des Bieres bei Androhung einer Strafe von 30 Gulden. „Das sind wir gerne bereit zu zahlen. Umgerechnet sind das heute 402 Euro, und jeder Cent ist es uns wert, dass wir uns über diese Entscheidung hinwegsetzten. So ein Urteil ist doch heute nicht mehr zeitgemäß“, gibt sich van Lier siegessicher. Nötigenfalls will er wieder Gerichte über den Konflikt entscheiden lassen, sagt er mit einem Augenzwinkern. 

Königlich bayerisches Amtsgericht

Am Sonntag jedenfalls hat Pfarrer Albert Schamberger im Biergarten von Ottendichl erst einmal Tatsachen geschaffen: Unter Beisein der Ottendichler Bevölkerung zapfte er ein Fass Bier an und schenkte es für zwei Euro die Halbe an die durstigen Kirchgänger aus. „Meinen Messwein werde ich nicht durch das Bier ersetzen“, sagte Pfarrer Schamberger, der sichtlich Spaß an seiner neuen Aufgabe hatte. Die ihm allerdings nicht leicht von der Hand ging. „Über Die Anzahl meiner Schläge hängt der Mantel des Schweigens, aber Hauptsache ist ja, das Bier läuft!“

Salmdorfer Spion sinnt auf Revanche

Sehr zum – gespielten – Missfallen des Salmdorfer „Spions“ Martin Metzger: „Die glauben doch nicht, dass wir uns das gefallen lassen!“ Nächstes Wochenende holen die Salmdorfer zum Gegenschlag aus: Nach dem Sonntagsgottesdienst gibt es im Biergarten der Festhalle die Halbe Bier für 1,90 Euro, und als Lockmittel haben sie auch noch die Haarer Blaskapelle engagiert. „Eine Anzeige behalten wir uns noch vor“, sagt Metzger gespielt grimmig. „Und natürlich ist unser Bier im Klassen besser!“

Martin Metzger (r.) aus Salmdorf sinniert: „Wenn der Ton denkt, dass sein Bier das beste ist, lass ihn nur reden. Nächste Woche werden wir in Salmdorf das Gegenteil beweisen!“

Pfarrer Schamberger ist natürlich auch in Salmdorf mit dabei, schließlich ist er für beide Haarer Gemeindeteile zuständig. Und wer hofft, dass aus den blumigen Wortgefechten zwischen Salmdorf und Ottendichl ein handfester Streit mit einer „zünftigen Biertisch-Rauferei“ wird, der wird sicherlich enttäuscht sein. „Wie wir mit unserem Bierstreit umgehen zeigt auch, dass man Konflikte mittlerweile friedlich lösen kann. Prost Martin!“, rief Tom van Lier aus Ottendichl dem Salmdorfer Martin Metzger zu. „Ich freue mich auf nächste Woche.“

Revanche-Frühschoppen

Der Verein „D’Salmdorfer“ lädt zum Bierstreit-Frühschoppen am Sonntag, 10. Juli, ab 11.30 Uhr in der Salmdorfer Festhalle gegenüber dem T-Bone Steakhouse, Johann-Karg-Straße 3. 

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