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Kampf gegen Autoverkehr in Haar: Die Bürger sind gefragt

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Hauptschlagader: Auf der B 304 fährt hauptsächlich Durchgangsverkehr durch Haar.
Hauptschlagader: Auf der B 304 fährt hauptsächlich Durchgangsverkehr durch Haar. © Sabina Brosch

Die Gemeinde Haar setzt bei ihrem neuen Mobilitätskonzept auf Tipps aus der Bevölkerung.

Haar – Innerörtlichen Verkehr reduzieren, Schleichverkehr eindämmen, den Rad- und Fußverkehr ausbauen sowie öffentliche Verkehrsmittel attraktiver machen – das sind die Kernpunkte des Haarer Mobilitätskonzepts. Auch die Bürger können sich beteiligen, „das sind die Experten vor ihrer eigenen Haustüre“, betont Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD). Gemeinsam mit dem Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München hat das Rathaus eine umfangreiche Bestandsanalyse erstellt, wo der Verkehr in Haar fließt, wie die Rad- und Fußwege angelegt und genutzt werden, wie der motorisierte Individualverkehr weniger werden könnte.

Wenig Spielraum bei den Hauptverkehrsadern

Wenig Spielraum bleibt bei den beiden Hauptverkehrsadern: der B 304, auf der aktuell täglich im Schnitt 30 000 Autos unterwegs sind, und der B 471 (19 000 Autos). Beide sind zu über 60 Prozent mit Durchgangsverkehr belastet. Auch die Ortsteilverbindungen, etwa nach Gronsdorf oder Salmdorf, würden stark frequentiert.

„Es geht um den innerörtlichen Verkehr, den wir beeinflussen können“, betonte Müller. Es sei davon auszugehen, dass dieser mit der geplanten Siedlungsentwicklung, wie etwa dem Jugendstilpark, aber auch durch Gewerbeansiedlungen zunehmen werde. Ein wichtiges Thema ist, den Durchgangsverkehr in den Wohngebiete zu vermeiden, auch Schleichverkehr nahe den großen Ampeln.

„Erfreulich ist, dass die Haarer viel per Fahrrad unterwegs sind und auch der Anteil der Nutzung am ÖPNV deutlich über dem Durchschnitt liegt“, betonte Birgit Kastrup vom Planungsverband. Dessen Bestandsanalyse im Oktober 2018 ergab zudem, dass „nur rund die Hälfte der Haarer ein Auto besitzt.“ Für den Rest seien die derzeit ausgewiesenen Stellplätze ausreichend, „keiner ist mit 100 Prozent belegt“, so Kastrup. Auch wenn es im Sommer um das Freibad, den Badesee in Gronsdorf sowie am Kirchenplatz und an der Gronsdorfer Straße zeitweise zu Engpässen komme.

Das Konzept sieht vor, tangentiale Verbindungen auszubauen, auf stark frequentierten Buslinien den Takt zu erhöhen, neue Bushaltestellen zu schaffen und auch Minibusse im Ort einzurichten. Außerdem soll es mehr Fahrradparkplätze geben sowie bessere Beschilderung der Radwege. In den Wohngebieten und Nahversorgungsbereichen soll der Fußverkehr Vorrang generell vor dem ruhenden und auch fließenden Verkehr haben. Carsharing und Bikesharing sind ebenfalls berücksichtigt.

Mit dieser Bestandsanalyse im Rücken will Müller nun die Bürger einbinden: „Sie haben ein breites Wissen zum Thema Verkehr, sie wissen, was vor ihrer Haustüre abgeht und was sie verbessert sehen wollen.“ Für Alexander Zill (SPD) ergeben sich aus dem Konzept eine Menge an Anregungen. Er sei „schon gespannt, wie schnell und wirkungsvoll wir einen Umstieg vom Pkw auf Alternativen erreichen“. Thomas Reichel (CSU) dagegen glaubt, dass man nicht gänzlich auf den Bau neuer Straßen verzichten könne. „Das ist dann eine politische Entscheidung, die wir hier im Gemeinderat zu treffen haben“, entgegnete Müller.

Das Konzept

ist auf der Gemeindehomepage nachzulesen, „am 20. März wollen wir mit den Bürgerinnen und Bürgern darüber diskutieren“, sagt Müller. Vom 21. März bis 7. April wird eine interaktiver Ortsplan freigeschaltet, auf dem Bürger Anregungen und Kritikpunkte markieren können. Die Ergebnisse werden dann in einer zweiwöchigen Ausstellung im Rathaus präsentiert.

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