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Das Mittagessen in der Kita Haar stammt aus der eigenen Küche.

Ernährungstrends in der Kinderbetreuung: Ein Besuch in der KiTa-Küche

KiTa Haar: Veggie und Co. sind kein Thema

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Haar - Bio, fleischlos, vegan: Ernährungstrends, die es in der KiTa Haar nicht gibt. Doch Schwein muss ein muslimisches Kind nicht essen. Ein Blick bis zum Tellerrand.

 „Lecker, lecker, Hosenschmecker.“ Leon, 4, schmeckt’s. Und Susanne Wendt und Angelika Hörl freut’s. Alles richtig gemacht, die Kinder sind zufrieden. Doch eigentlich schmeckt’s ihnen jeden Tag. 

Denn was in der gemeindlichen Kindertagesstätte in Haar auf den Tisch kommt, ist mit Liebe gemacht. „Man muss mit Herzblut kochen, sonst geht’s nicht“, sagt Wendt, 63. Die Hauswirtschafterin schaufelt Haferbrei mit einem Holzlöffel aus einer riesigen silberfarbenen Schüssel auf ein Blech. Dann kommt es in den Ofen. Die andere Art Croutons für die Gemüsesuppe, die heute auf dem Speiseplan steht. „Kindergetreide“, sagt Wendt und lächelt. Hafer und Hirse, Hauptzutat des Nachtischs, mögen Kinder. Beides liefert viel Energie, ist leicht zu verdauen – und schmeckt. 

Die gerösteten Hafer-Croutons kommen gut an bei den 52 kleinen Essern. Maxi, 4, schaufelt sich einen Löffel nach dem nächsten in die Suppe. Derweil pickt Julia konzentriert die Hafer-Brösel mit den Händen aus der Suppe und steckt sie sich in den Mund. „Sie ist ein Körnchen-Fan“, sagt KiTa-Chefin Michaela Oertel. „Mehr Körnchen“, sagt Julia prompt. 

Heute auf dem Speiseplan: Gemüsesuppe mit Croutons.

„Die Qualität ist viel wichtiger als Trends wie Veggie“, meint Hauswirtschafterin Susanne Wendt. Sie steht seit 15 Jahren in der Küche der KiTa. Vegane Gerichte und andere Trends kommen nicht in ihre Töpfe und Pfannen. „Das können wir einfach nicht leisten.“ Schließlich wollen täglich 50 bis 70 Kinder zwischen null und sechs Jahren sowie 15 bis 17 Erzieher mittags essen. Auch Frühstück und Brotzeit gibt’s in der Ganztags-Betreuung. Hinzu kommen spülen, abtrocknen, Küche aufräumen und die Kita putzen. Hauswirtschaften ist kein Halbtagsjob. 

Doch 08/15-Gerichte stehen darum noch lange nicht auf dem Tisch. Regional, saisonal, ausgewogen lautet die Devise. Denn „die Ernährung ist das Entscheidende“. Wendt ist Köchin und Ernährungsexpertin aus Leidenschaft. Sie kann Zutaten nicht nur zubereiten, sondern weiß auch, wie sich Roggen, Weizen und Co. auf den Körper auswirken. Das Getreide stammt ebenso aus dem Umkreis wie das Fleisch vom Metzger, die Milchprodukte und das Gemüse vom Hofladen. 

Alles selbstgemacht von Hauswirtschafterin Susanne Wendt.

Es geht ihr darum, „das Bewusstsein für die Vielfalt und den Geschmackssinn der Kinder auf natürliche Weise zu schärfen“, sagt Wendt. Rund 25 Kilo Kartoffeln und etwa zehn Kilo Karotten werden wöchentlich in der KiTa verputzt. Heute sind es 30 Liter Suppe. Dazu Karotten, Fenchel, Brokkoli. „Vieles kennen die Kinder gar nicht“, erzählt Wendt. Das ändert sich in der Einrichtung. Fleisch gibt’s dort nur einmal in der Woche, vor allem Rinderhack. „Das lässt sich leicht verarbeiten und mögen die meisten“, sagt Wendt. Doch auch Schweineschnitzel steht mal auf dem Speiseplan. 

Allerdings nicht für alle. Für die muslimischen Kinder wird Schwein gegen Pute getauscht, das indische Kind bekommt kein Fleischpflanzerl aus Rind. Schließlich ist die Kuh in seinem Heimatland heilig. „Auf solche Regeln achten wir“, betont KiTa-Leiterin Oertel. „Aber unsere Kinder und Eltern sind sehr pflegeleicht.“ Niemand verlangt ausschließlich tierlose Kost. Diese Extravaganzen kennt Küchenchefin Wendt auch, aber eher aus der Stadt. 

In Haar kocht es sich entspannt. Und ebenso international wie das Publikum der Einrichtung ist. Mittwoch chinesische Gemüsepfanne, Donnerstag griechische Moussaka und am Freitag türkischer Gemüsestrudel stehen auf dem Wochen-plan, der im Flur hängt. Ein Streifzug durch die Kulturen. Ein Streifzug durch die Welt der Lebensmittel. 

Fenchel, Zwiebeln und Co. Die Kinder lernen das Gemüse kennen.

„Wer hat das gekocht?“, fragt Michaela Oertel in ihrer Gruppe, während alle noch fleißig die Suppe löffeln. „Susanne“, schallt es einstimmig zurück. Sie erkennen den Koch am Geschmack. Nahezu immer. „Wenn ich nicht gut drauf bin, kann ich nicht erwarten, das mein Essen super gelingt“, sagt Wendt. Für sie eine logische Konsequenz. Denn „Essen heißt Vertrauen haben“. Die Kinder vertrauen dem Küchenteam. Sie können einen Blick in die Töpfe werfen, gehen bei Susanne in die Kochschule und wissen: Es schmeckt. „Lecker, lecker, Hosenschmecker.“ Ganz einfach.


Janine Tokarski

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