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Duo mit Ambitionen: Ulrich Leiner (l.) will erster grüner Bürgermeister in Haar werden, Christoph Nadler der erste grüne Landrat. Beide versicherten sich gegenseitige Unterstützung.

Kommunalwahl 2020

„Die Chancen sind so gut wie nie“: Grüne stellen erstmals Bürgermeister-Kandidaten

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Die Grünen wittern in Haar ihre Chance und stellen erstmals einen Bürgermeister-Kandidaten. Das Partei-Urgestein gibt einen Ausblick auf seine Ziele und schießt gegen CSU und SPD.

Haar – Lange haben sich die Grünen geziert, nach den Erfolgen bei Europa- und Landtagswahl konnten sie sich in Haar aber nicht länger zurückhalten. Für die Kommunalwahl 2020 stellen sie erstmals einen Bürgermeisterkandidaten: den Ortsvorsitzenden Ulrich Leiner (60).

Mit Leiner stellt sich ein Grünen-Urgestein zur Wahl: „Ich war 1979 bei der Gründung der Partei dabei und fetzte mich damals auf dem Podium mit Petra Kelly und Jutta Ditfurth. Seither bin ich natürlich ruhiger geworden, aber keineswegs politisch weniger motiviert in meiner neuen Heimat Haar“, sagte der promovierte Mathematiker bei der Nominierungsversammlung vor 20 Mitgliedern, die ihn einstimmig zum Kandidaten machten.

Kommunalwahl 2020 in Haar: Grünen-Kandidat stichelt gegen CSU und SPD

Das Motto „Global denken, lokal handeln“, das die Grünen 1980 aus der Taufe gehoben und sich seither auf die Fahnen geschrieben haben, hat Leiner verinnerlicht. „Man sieht daran, dass ganz vieles von heute schon vor Jahrzehnten aktuell war und auch, wie weit wir unserer Zeit oft voraus waren mit den Forderungen“, sagte der 60-Jährige. Weil die Grünen auch in politisch schweren Zeiten immer dabei blieben, bei ihren Themen Umwelt- und Klimaschutz, seien sie heute bei den Menschen glaubwürdig und beliebt. „Ganz im Gegensatz zu CSU und SPD, die sich ja geradezu überschlagen mit Anträgen, die aus unserer Feder zu kommen scheinen“, wunderte sich Leiner.

Er selbst arbeitete 17 Jahre bei Siemens in der Handy- und Mensch-/Maschine-Entwicklung und ist seit zwölf Jahren in leitender Funktion am Fraunhofer Institut angestellt. „Ich kenne den Öffentlichen Dienst und die Industrie, leite seit Jahren große Teams und saß einige Jahre im Gemeinderat Haar – ich denke, ich bin der Richtige als grüner Bürgermeister“, sagte Leiner.

Kommunalwahl 2020 in Haar: Grünen-Kandidat setzt auf Verkehrsthemen

Für eine mögliche Amtszeit skizzierte er nur einige Stichpunkte. Im Detail wolle er sein Wahlprogramm im Oktober vorstellen. Eine neue Art von Mobilität steht für Leiner ganz oben auf der To-Do-Liste für Haar, Radfahrer bekommen Vorrang vor Autos. „Bevor wir die nächste Schnellstraße oder Umgehung bauen, brauchen wir endlich vernünftige Rad- und Fußwege, durchgehend von Baldham über Haar nach Riem.“ Er begrüßte die Pläne des Mobilitätskonzeptes der Gemeinde wie auch der CSU, die Leibstraße zur Einbahnstraße zu machen. „Aber dazu wollen wir auch die Bahnhofstraße als Einbahnstraße, für Radler bleiben aber natürlich beide Richtungen offen.“

Im Überblick:Kommunalwahl 2020 – Das sind die Parteien und Kandidaten im Landkreis München

Zudem müsse es eine neue Radler- und Fußgängerbrücke über die B 304 geben: „Die Autobahn wird für Millionen Euro verbreitert, da wird es wohl auch Geld für so ein Nadelöhr geben.“ Ganz wichtig sei das Thema Gewerbeansiedlung, da gerade zwei große Steuerzahler gegangen seien, ebenso das Thema Bauen: „Das muss ökologisch und umweltverträglich sein, zuerst nachverdichten anstelle von neuen Baugebieten und bezahlbareren Wohnraum schaffen“, sagte Leiner.

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In Richtung SPD und Bürgermeisterin Müller äußerte er sich kritisch. Man habe viele Jahre sehr gut und konstruktiv zusammengearbeitet, „doch plötzlich verkündet Frau Müller, Haar sei rot und alles Gute sei von der SPD gekommen – das stimmt nicht, ist nicht die feine Art und enttäuschend“. Im nächsten Gemeinderat, der von 24 auf 30 Mitglieder wachsen wird, plant Leiner mit sieben grünen Gemeinderäten mindestens – und einem grünen Bürgermeister. „Wir haben die Power, die Erfahrung und den Rückhalt in der Bevölkerung“, sagte Leiner. „Ich will Bürgermeister werden und denke, die Chancen sind so gut wie nie. Wir waren bislang das Zünglein an der Waage – dann wollen wir ein Teil der Waage sein.“

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