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Gabriele P. muss sich wegen Mordes vor Gericht verantworten. Sie soll ihren Freund mit einer Kreissäge getötet haben. 

Kreissägen-Mord

Das verrät das Tagebuch der Angeklagten

Angst, Panik, Angst. Diese Gefühle stehen angeblich immer wieder im Mittelpunkt bei Gabriele P. (32), die Ende 2008 ihren damaligen Freund Sebastian H. (27) getötet und im Garten ihres Hauses in Haar verscharrt haben soll.

Haar - Sowohl in ihren Tagebucheinträgen als auch in ihren polizeilichen Vernehmungen betonte die Pädagogik-Studentin, wie sehr sie sich von ihrem Freund drangsaliert und bedroht gefühlt habe – bis sie zur Handkreissäge griff. Das kam am Freitag im Mordprozess vor dem Landgericht München I zur Sprache.

Zwei Jahre nach der Tat soll ihr neuer Freund (34), der mit ihr und einem weiteren Bekannten die Leiche im Garten vergrub, Gabriele P. zu Tagebucheinträgen geraten haben. Das sollte ihr helfen, die Tat zu verarbeiten. Ihr zentrales Thema: Angst. Sebastian H. habe Sex als Druckmittel gegen sie benutzt, heißt es darin. Er habe sie auch an den Haaren gezogen, gewürgt und nachts mit Tritten traktiert, damit sie nicht schlafen konnte. H. habe ihr auch Angst um andere gemacht: Wenn sie gehe, soll er gesagt haben, würde er auch die Menschen angreifen, bei denen sie sich aufhält. „Es schien mir keine Wahl zu bleiben: Ich oder er“, schrieb die Angeklagte.

Das Maß soll für P. voll gewesen sein, als ihr H. aufgetragen habe, ein Mädchen zu besorgen, das er in den Keller sperren wolle. Beim vorgetäuschten Sexspiel fand H. schließlich den Tod. „Er legte sich einfach hin und befahl mir, es ihm richtig geil zu besorgen“, schreibt die Studentin im Tagebuch. „Ich wusste, wenn nicht, kann ich gleich auf die Schienen laufen.“ Sie habe Panik gefühlt, Ausweglosigkeit und Angst. Er habe sich eine undurchsichtige Taucherbrille aufgesetzt, sie habe ihn gefesselt – so wie er es verlangte. Dann habe sie die Säge genommen – und alles sei vorbei gewesen. „Ich bin frei“, habe sie gedacht.

Die polizeiliche Sachbearbeiterin der Kripo gab noch einmal genauere Einblicke in die Verhöre der Mord-Angeklagten. Diese habe immer wieder Weinkrämpfe bekommen und von großer Angst gesprochen. H. habe es diesmal ernst gemeint, dass er sie umbringen wolle, sagte sie zu den Polizisten. Sie wisse nur noch, dass sie die Kreissäge nahm, die wegen Bauarbeiten im Dachgeschoss lag. „Dann lag er tot da.“ Auf Nachfrage, wie genau das geschehen sei, habe sie nur eine Bewegung mit beiden Händen nach vorne gemacht. Das sollte zeigen, wie sie die Säge gegen seine Brust drückte. Sie habe „kein Bild“ dazu, sagte sie, „keine lineare Zeitvorstellung“. „In meiner Erinnerung ist es eher Kaugummi-artig.“ Der Prozess dauert an.

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