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Der Moment vor der Urteilsverkündung: Noch dürfen die Kamerateams das Schwurgericht (in der Mitte Vorsitzender Michael Höhne) und die Angeklagte (links, mit Papier vor dem Gesicht) filmen.

Gabriele P. tötete ihren Freund

Kreissägen-Prozess: Ein Urteil - und letzte grausige Details

Gabriele P. (32) trennt ihrem gefesselten Freund mit einer Säge fast komplett den Kopf ab. Dennoch ist sie keine Mörderin. Das Gericht verurteilte sie wegen Totschlags. Wie kann das sein?

Haar - Für die meisten Zuschauer im Sitzungssaal kam vor der Urteilsverkündung nur ein „lebenslänglich“ in Frage. Was die 32-Jährige im Dezember 2008 in ihrem Haus in Haar (Kreis München) in der Zunftstraße angerichtet hatte, glich einem Horrorszenario.

Mit einer Handkreis-Säge, die ihr Freund zuvor für den Ausbau des Dachboden eingesetzt hatte, durchtrennte sie dem 27-Jährigen den Hals. Er starb in Sekundenschnelle. In Erwartung von Sex-Spielen hatte er sich zuvor eine beidseitig zugeklebte Schwimmbrille aufgesetzt und sich von der Angeklagten ans Bett fesseln lassen. Und genau das war für den Vorsitzenden Richter Michael Höhne der ausschlaggebende Punkt, weshalb sich das Mordmerkmal der Heimtücke nicht nachweisen ließ.

Gabriele P. hatte ihn nicht ins Bett gelockt, um ihn zu töten

Denn Gabriele P. hatte ihren Freund nicht extra gefesselt, um ihn zu töten. Sie hatte ihn nicht in eine ausweglose Situation gelockt, um ihm dann den Kopf abzutrennen. Aber als sie ihn nackt auf dem Bett liegen sah, griff sie – ebenfalls unbekleidet – nach der Säge, dessen Kabel noch mit der Steckdose verbunden war und setzte sie zweimal am Hals des 27-Jährigen an.

Gefasst verfolgten im Gerichtssaal die Eltern von Sebastian H. die detaillierten Ausführungen des Richters, nahmen dessen Urteilsbegründungen zur Kenntnis und seine Beinah-Entschuldigungen dafür, dass der Prozess weder ein schlüssiges Motiv zutage brachte, noch die Beantwortung der Frage nach dem „warum“ gelang. „Sie haben das Feuerbad einer Hauptverhandlung durchstanden, ohne Hass oder Rache für die Angeklagte zu empfinden“, sagte Höhne und appellierte an Gabriele P., vielleicht im Nachhinein noch eine plausible Erklärung für ihre Tat zu liefern, die an einen Horrorfilm erinnerte.

Der Verwesungsgeruch fiel im Haus niemand auf - da es nicht sehr hygienisch war

Die tödliche Attacke, die laut Gericht nicht nachweisbar geplant und deshalb auch nicht als Mord gewertet werden konnte, hatte sich zu einem Zeitpunkt ereignet, in dem die beiden Untermieterinnen für einige Tage verreist waren. Zunächst einmal vollzog das Paar einvernehmlichen Geschlechtsverkehr, man benutzte Sex-Spielzeug, danach wollte der 27-Jährige mit Nylonseilen und Lederriemen ans Bett gefesselt werden. 

Spätestens jetzt fasste Gabriele P. den Entschluss, Sebastian H. zu töten. Sie erkannte seine Wehrlosigkeit und griff zur Handkreis-Säge mit einer Schnitttiefe von 5,6 Zentimeter. Mit beiden Händen drückte sie das kreisende Sägeblatt zweimal gegen den Hals, trennte den siebten Hals- vom 1. Brustwirbel ab. Sebastian H. verstarb innerhalb kürzester Zeit. „Die Angeklagte handelte aus Unzufriedenheit über den Verlauf der Beziehung“, fasste der Richter ein mögliches Bündel an Motiven zusammen. Anschließend wusch sich die 32-Jährige Blut- und Gewebespuren ab und deckte die Leiche mit Handtüchern ab.

Sechs Monate später entdeckte der neue Freund die Leiche. Der aufkommende Verwesungsgeruch war niemandem aufgefallen, weil er sich im nicht unbedingt hygienischen Haus mit den Gerüchen von Cannabis und Kleintierhaltung vermischt hatte. Die sterblichen Überreste wurden im Garten verscharrt und dort im September 2015 gefunden.

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