„Nicht abkassieren, sondern sensibilisieren“: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) beim Start des bayernweiten Blitzmarathons in Haar.
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„Nicht abkassieren, sondern sensibilisieren“: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) beim Start des bayernweiten Blitzmarathons in Haar.

Zu Besuch in Haar

Innenminister bei Blitzmarathon: „Rasen ist kein Kavaliersdelikt“

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Bayernweit ist am Mittwoch verstärkt geblitzt worden. An der Messestelle in Haar schaute Bayerns Innenminister Joachim Herrmann vorbei. Wir haben ihn begleitet.

Haar – Wieder geht ein Verkehrssünder ins Netz der Polizei: Hauptmeister Heinrich Bauer winkte gestern einen Golf GTI auf den Seitenstreifen am Ortsausgang von Haar. Rund 400 Meter weiter vorne, an der Wasserburger Straße, wurde der Autofahrer geblitzt. Erlaubt sind hier 60 Stundenkilometer, der Fahrer war um zwölf zu schnell. „Ich hatte 62 auf dem Tacho“, sagte der Geblitzte dem Beamten. Polizist Bauer diskutiert nicht lange: „25 Euro sind jetzt fällig. Zahlen Sie Bar oder mit Karte?“

Der Golf-Fahrer war einer von vielen Verkehrssündern, die Polizisten gestern in Haar vor den Augen von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zur Kasse baten. Er machte sich ein Bild vom bayernweiten Blitzmarathon. Für 24 Stunden, von Mittwoch 6 Uhr bis heute Morgen, stellte die Polizei 2100 Messstellen auf. Im Landkreis München waren es 45. Die Initiative war Teil der europaweiten Kampagne „Speedmarathon“. Bayern und andere Bundesländer machen jedes Jahr mit.

Zwölf Stundenkilometer zu schnell: Ein Verkehrssünder muss 25 Euro Bußgeld zahlen, Polizist Heinrich Bauer kassiert.

Über die vielen Verkehrssünder in Haar war Herrmann nicht erfreut: „Aktuell erleben wir hier viele Autofahrer, die achtlos unterwegs sind“, zog er als Zwischenfazit. Trotz Vorwarnung. Rasen sei kein Kavaliersdelikt, sondern die Hauptursache für schwere Verkehrsunfälle.

Knapp ein Drittel der Verkehrstoten auf Bayerns Straßen würden auf zu hohe Geschwindigkeit zurückgehen, so der Innenminister. Laut Ministerium wurden 2020 in Bayern insgesamt 147 Menschen durch Geschwindigkeitsunfälle getötet. Das waren trotz des pandemiebedingt geringeren Verkehrsaufkommens mehr Unfalltote als 2019. In der Stadt und im Landkreis München starben 2020 21 Menschen bei Autounfällen. Vier kamen wegen erhöhter Geschwindigkeit um, teilte das Polizeipräsidium München mit.

„Nicht abkassieren, sondern sensibilisieren“: Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in Haar.

Mit dem Blitzmarathon will das Innenministerium Verkehrsteilnehmer wachrütteln, sagte Herrmann. „Wir wollen nicht abkassieren, sondern sensibilisieren.“ Statt Bußgeldbescheide per Post zu verschicken, sollen Polizisten die ertappten Verkehrssünder sofort nach der Messung anhalten und aufklären, sagte Herrmann.

Das Ministerium hat für die Geschwindigkeitsmessung in Bayern in den vergangenen Jahren großzügig in Ausrüstung investiert, laut Ministerium drei bis vier Millionen Euro. Stolz zeigten Polizisten in Haar die moderne Messtechnik: spezielle Lasermesspistolen, digitale Messgeräte in einem Kleintransporter und ein sogenannter „Enforcement Trailer“, ein grau-weißer Blitz-Anhänger. Rund 140 000 kostet das Gerät. Im Finanzministerium müsse er immer wieder für Mittel kämpfen, sagte der Politiker.

Spitzenreiter im Vorjahr war 76 km/h zu schnell

An der B304 gingen indes weitere Raser ins Netz der Polizei. Sechsspurig, Bushaltestelle, Fußgängerweg: Die Straße hier sei eine gefährliche Stelle, sagte Michael Dibowski vom Polizeipräsidium München. Wegen der Wiese auf der rechten hätten Autofahrer das Gefühl, außerhalb der Stadt zu sein. Das lade zum Rasen ein.

Übrigens: Den polizeilich dokumentierten Geschwindigkeits-Rekord im Landkreis im vergangenen Jahr stellte ein Autofahrer in Höhenbrunn auf: Er war auf der B471 mit 146 Stundenkilometern unterwegs. Erlaubt sind dort 70.

Künftig könnten in München und Umgebung nicht nur Autos, U-Bahnen oder Trams fahren, sondern auch Magnetschwebebahnen. Vergangene Woche wurde eine erste Untersuchung vorgestellt. Weitere Nachrichten aus Haar und dem Landkreis München finden Sie hier.

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