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Pauken im Ausnahmezustand: So lief der erste Schultag nach der Corona-Zwangspause

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Von: Sabina Brosch, Laura Forster

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Unterricht mit Mindestabstand. Lehrerin Petra Steiger bereitet ihren Deutschkurs am Gymnasium Ottobrunn, seit gestern wieder im Präsenzunterricht, auf die kommende Abiturprüfung vor. © Laura Forster

Die ersten Schulen haben gestern für die Abschlussklassen wieder geöffnet. Wir haben uns an Gymnasien im Landkreis München umgehört, wie der Schulalltag im Ausnahmezustand funktioniert.

Haar/Ottobrunn – Nach mehreren Wochen Zwangspause sind die ersten Schüler zurück in den Schulen. Die Abschlussklassen haben gestern den Unterricht wieder aufgenommen – unter besonderen Rahmenbedingungen. Wie funktioniert das Lernen im Ausnahmezustand? Ein Ortstermin am Ernst-Mach-Gymnasium in Haar und am Gymnasium Ottobrunn.

Haar

Zur Begrüßung gibt’s von Schulleiterin Gabriele Langner erst einmal was Süßes. In jedem Klassenzimmer wirft sie aus gebührender Entfernung jedem Schüler Schokolade zu, „das hat das erste Eis gebrochen“, sagt Langner. Die Abiturklasse mit 98 Schülern des Ernst-Mach-Gymnasiums ist zurück, motiviert und mit Maske.

Am ersten Schultag geht es mit drei Doppelstunden mit 15 Minuten Pause dazwischen los. Die stärksten Kurse, Deutsch und Englisch werden räumlich geteilt, die Schüler sitzen mindestens 1,5 Meter auseinander und der Unterricht wird in die Klassenzimmer ohne Lehrer gestreamt. Davon profitieren auch die Schüler, die „aufgrund von Vorerkrankungen als Risikogruppe eingestuft werden und nicht in die Schule kommen können. Aber das sind zum Glück nur wenige“, so Langner. Sie ist sicher: „Es fällt keiner hinten runter.“ Prinzipiell gilt: Wer seinen Stuhl verlässt, muss Maske tragen, „das ist einfach verständlich und alle alten sich dran“.

Die ersten Minuten drehen sich auch nicht so sehr um den Schulstoff, „wir wollten erst einmal Sicherheit vermitteln“. Viele Schüler-Fragen drehen sich darum, ob die Prüfungen überhaupt stattfinden und wenn ja wann oder wie die Noten berechnet werden. Neben der reinen Lerninhalte seien die Lehrer gefordert, jedem eine gangbare Brücke zu bauen, um das Abi zu erreichen. „Die meisten Vornoten sind ja bereits da“, betont Langner.

Wie sie ihren Absolventen das Zeugnis überreichen wird, das ist ungewiss. Langner hofft, einen entsprechenden Rahmen in der Schule schaffen zu können, „mit genügend Abstand“ und eventuellem Livestreaming. Aber es bleibe ja noch bis Juli Zeit. „Ich würde nur ungern jeden Einzelnen in die Schule bitten, um sein Zeugnis abzuholen oder es gar per Post übersenden.“

Langners Wunsch und Bestreben, die „Schule am Laufen zu halten“ ist geglückt, auch wenn der Weg fordernd und zeitaufwändig war. Es ist alles anders und es wird auch noch eine lange Wegstrecke sein. „Aber endlich ist nun die surreale Zeit, in eine leere Schule zu kommen, vorbei.“

Ottobrunn

Mit mehreren Bündeln an Mundschutzmasken ausgestattet wartet Beate Promberger vor den zwei großen Eingangstüren des Gymnasiums Ottobrunn auf die Abiturienten, die zum ersten Mal nach der Corona-Krise wieder das Schulgebäude betreten. „Man merkt, dass ein paar Schüler passiven Widerstand leisten“, sagt die stellvertretende Direktorin, während sie eine Maske aus der Verpackung zieht und einem mundschutzlosen Schüler reicht. Denn in Ottobrunn gilt: Wer sich weigert eine Maske zu tragen, darf nicht am Präsenzunterricht teilnehmen. Auf dem Gelände herrscht die Mundschutzpflicht, mit Ausnahme der Klassenzimmer.

„Sofort als klar war, dass Abiturienten wieder kommen dürfen, haben wir mit der Planung angefangen“, sagt Promberger. Die rund 150 Schüler sind in zwei Gruppen aufgeteilt. „Der erste Schwung kommt um 8.35 Uhr, der zweite um 8.55 Uhr“, erklärt die stellvertretende Schulleiterin. Als weitere Vorsichtsmaßnahme hat sich das Gymnasium dafür entschieden, am ersten Schultag nach knapp sieben Wochen Homeschooling, nur die sieben Deutschkurse stattfinden zu lassen. Vier intensive Stunden, in denen Gedichte interpretiert, Sachtexte analysiert und Essays verfasst werden. Die Pausen finden im Klassenzimmer statt. „Schwierig wird es, sobald die unterschiedlichen Abifächer unterrichtet werden“, erklärt Promberger. Denn dann kommen Schüler aus verschiedenen Kursen zusammen.

Auf den Mindestabstand achten die Lehrer nicht nur auf den Gängen, auch in den Klassenzimmern stehen die Tische weit auseinader. Zudem dürfen immer nur 15 Schüler in einem Raum sein. Schulleiter Achim Lebert muss deshalb seine 23-köpfige Deutschklasse parallel in zwei Klassenzimmern unterrichten. Während Lebert der einen Hälfte die Arbeitsaufträge erklärt, schreibt der andere Teil im zwanzig Meter entfernten Schulraum schon die Lösungen auf. „Natürlich ist das eine neue Situation mit Rahmenbedingungen, die wir vorher nicht hatten“, sagt Promberger. Trotzdem schaut sie positiv in die Zukunft. „Es wird sich ein Weg finden, dass die Abiturienten faire Bedingungen haben.“

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