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Der Wunsch nach der Abschaffung des Euro hat Rainer Gross, der Abteilungsdirektor Stiftungen bei der Bayerischen Landesbank, einst zur AfD geführt. 

Landtagskandidaten im Porträt

AfD-Landtagskandidat Rainer Gross: Finanzexperte und „Befürworter der Nation“

Rainer Gross (57) kandidiert für die AfD bei der Landtagswahl im Stimmkreis München-Land Nord und ist zwischen die Fronten einer zerstrittenen Partei geraten.

Landkreis – Der Familienvater, der bei der Bayerischen Landesbank arbeitet und für das Stiftungswesen zuständig ist, soll eine AfD-nahe Stiftung aufbauen. Seit Herbst ist er Vorsitzender der Gustav-Stresemann-Stiftung, benannt nach dem 1929 verstorbenen Reichskanzler und Außenminister der Weimarer Republik.

Die Stiftung steht dem rechtsnationalen Flügel der AfD nahe und ist kürzlich gemeinsam mit der Desiderius-Erasmus-Stiftung in die Schlagzeilen geraten, die den nationalliberalen Flügel repräsentiert. Beide Stiftungen buhlten um die Gunst des AfD-Bundesvorstandes, damit dieser den jeweils eigenen Verein als parteinahe Stiftung auserwählt. Es ging dabei um zweistellige Millionenbeträge für politische Bildung im Sinne der AfD. Inzwischen gibt es eine Einigung, bei der sich das liberalkonservative Lager durchgesetzt hat. Beide Stiftungen werden zusammengeführt unter Leitung der Desiderius-Erasmus-Stiftung. Diese soll jedoch in naher Zukunft nach Gustav Stresemann umbenannt werden.

Gross, in Bonn geboren, lebt mit seiner Frau und zwei Kindern seit 2011 in Gauting, davor hat er in Gräfelfing gewohnt. Seit 2014 ist er in der AfD. Er ist so etwas wie ein Mitglied der ersten Stunde. Er ist Akademiker, arbeitet bei der Landesbank und ist wirtschaftsinteressiert. Die Intention zum Eintritt sei die Abschaffung des Euro als Währung gewesen, sagt Gross. Er habe sich in dieser Sache als Bürger nicht ernstgenommen gefühlt. „Man hat uns nie gefragt, ob wir das wollen“, kritisiert Gross. „Der Euro kann nicht funktionieren. Er muss mit sehr hohen Aufwand dauergerettet werden.“ Die Deutschen koste das die Sparzinsen. „Letztlich zahlen wir alle drauf, weil kein gemeinsames Geschäftsmodell existiert. Es ist ökonomisch begründet, dass das nicht funktionieren kann“, ist Gross überzeugt.

In den 1980er-Jahren war er mal in der FDP. Er hat mit Guido Westerwelle studiert, der damals die Jungen Liberalen anführte. „Der hat innerlich gebrannt und wollte was bewegen. Das beschäftigt mich auch heute.“

In der AfD gilt er als Finanzexperte, wie Ernst Weidenbusch in der CSU. Deshalb habe man ihn im nördlichen Landkreis platziert, sagt Gross. Damit er auf Weidenbuschs Aussagen mit der AfD-Sicht antworten könne. Die Wahlkampftaktik ist klar: „Wir wollen die CSU challengen“, sagt er. Denn Bayern gehöre eben nicht nur der CSU. „Bayern gehört den Bayern.“

Der Vaterlandsgedanke ist Rainer Gross wichtig. Das habe nichts mit rechtem Gedankengut zu tun, das der AfD gerne mal unterstellt werde. „Ich bin kein Nationalist, sondern ein Befürworter der Nation, verbunden mit einem starken Vaterlandsgedanken“, betont Gross. Den Wert, dessen was man daran hat, solle besser in den Vordergrund rücken. „Wir sind ein Kulturvolk der Dichter und Denker. Ich gehe gerne in die Oper, ich höre mir auch mal eine Wagner-Oper an. Warum soll ich das immer in Bezug setzten zu einem Punkt, der mir nicht gefällt?“

Dem Dritten Reich könne er nichts Positives abgewinnen. „Es hat uns Land, Menschen, Kultur gekostet. Es hat uns unmöglich gemacht.“ Die Deutschen hätten sich bisher vorbildlich mit der Vergangenheitsbewältigung befasst. „Man muss aber auch in der Lage sei, einen Schritt weiterzugehen und Ideen für die Zukunft haben“, findet der 57-Jährige.

Im Wahlkampf wolle er sich offensiv mit dem Schwerpunkt „Bayerisches Geld für bayerische Aufgaben“ auseinandersetzen. Er will unter anderem die Stärkung der freien Wirtschaft und die Förderung von Einheimischenmodellen unterstützen. Außerdem fordert er ein Konzept in der Einwanderungspolitik. Er spüre eine latente Unsicherheit und Unzufriedenheit der Bürger. „Die Leute merken, das kann nicht ewig so weitergehen. Dem will ich eine Stimme geben. Wir müssen wieder zurück zum Recht und einer Besinnung auf echtes Gemeinwohl.“

Zu den Porträts

Bis zur Landtagswahl am 14. Oktober stellen wir alle Kandidaten aus dem Stimmkreis München Land Süd und München Land Nord vor. Die Reihenfolge der Veröffentlichung erfolgt zufällig und ist kein Ausdruck einer Priorisierung oder Gewichtung.

rat

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