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Nach grausigem Leichenfund in Haar: Gemeindebewohner sorgen sich - doch ein Arzt kann beruhigen

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Von: Max Wochinger

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In diesem Wohnhaus wurde die Leiche gefunden.
In diesem Wohnhaus wurde die Leiche gefunden. © Götzfried

Am Freitag wurde ein Sexualtäter und ehemaliger kbo-Patient verhaftet, der im Verdacht steht, seine Lebensgefährtin umgebracht zu haben. Ein Einzelfall, sagt ein Arzt.

Haar – Nach dem Leichenfund in Haar ist die Gemeinde erschüttert. Am Donnerstagabend (27. Januar) fand die Polizei den toten Körper einer 62-jährigen Münchnerin in einem Wohnhaus auf dem Gelände des kbo-Isar-Amper-Klinikums. Ein 75-Jähriger soll die Frau getötet haben. Der verdächtige Sexualstraftäter war früher in einer therapeutischen Einrichtung am kbo untergebracht. Bürgerinnen und Bürger sorgen sich nun um die Sicherheit in der Gemeinde.

„Niemand muss bei uns Angst haben“, sagt Peter Brieger, ärztlicher Direktor am kbo-Isar-Amper-Klinikum. Brieger versteht die Erschütterung nach dem Leichenfund. Er sei ein Einzelfall, versichert er. Trotzdem: „Jeder Mensch, der eine Straftat begangen hat, hat ein höheres Risiko, wieder eine Tat zu begehen.“ Eine Gewalttat könne immer passieren.

Leichenfund in Haar: Verdächtiger wohnte in betreuter WG

Wie im Fall des 75-jährigen Verdächtigen. Er soll seine Lebensgefährtin getötet haben. Die verweste Leiche lag im Keller einer Übergangs-Wohngemeinschaft auf dem Klinik-Gelände, einer betreuten WG für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Sie hat mit der Klinik nichts zu tun, sagt Brieger. Das Wohnhaus gehört zum Sozialpsychiatrischen Zentrum (SPZ). Es bietet Betreuungsleistungen für psychisch Erkrankte an. SPZ und Klinik sind unter dem Dach der Kliniken des Bezirks Oberbayern (kbo) vereint.

Der Tatverdächtige wohnte bis zu seiner Festnahme in der Wohngemeinschaft. Der polizeibekannte Sexualtäter war früher in einer therapeutischen Einrichtung am kbo untergebracht, zum Zeitpunkt des Leichenfunds aber in keiner Behandlung, sagte das Polizeipräsidium am Montag. Unklar ist, ob der Tatverdächtige in der forensischen Psychiatrie in Haar untergebracht war. Das Polizeipräsidium und Peter Brieger vom kbo geben keine weiteren Auskünfte zu dem Fall.

Nach Leichenfund in Haar: Strafvollzugs-Klinik war bereits zuvor immer wieder in den Schlagzeilen

Die Strafvollzugs-Klinik steht immer wieder in den Schlagzeilen. Erst im November hatte ein 35-Jähriger einen Mitbewohner in einer geschlossenen Abteilung erschlagen. Die größte Patientengruppe am kbo sind Menschen mit Schizophrenie, erklärt Markus Opgen-Rhein, Maßregelvollzugsleiter und Chefarzt der Klinik für forensische Psychiatrie und Psychotherapie. In den beiden forensischen Kliniken sind Mörder, Vergewaltiger und Schläger untergebracht. „Unser Ziel ist, die Gefährlichkeit wegzubehandeln“, sagt er.

Die Täter „sind nur mit Gerichtsbeschluss reingekommen, und kommen nur mit einem Gerichtsbeschluss wieder raus“, sagt Opgen-Rhein. Wenn keine erheblichen Straftaten mehr zu erwarten sind, würden generell die Sicherheitsmaßnahmen schrittweise gelockert. Zunächst dürfen Patienten aus der Forensik mit einer Begleitperson auf das kbo-Gelände, sagt Opgen-Rhein.

In der Regel gibt es dann einen Freigang alleine, einen Ausgang in die Stadt, später eine Übernachtung außerhalb des kbo-Geländes. Danach können Patienten außerhalb der Klinik Probewohnen, schließlich werden sie entlassen.

Nach Leichenfund in Haar: Jeder Lockerungsschritt für Patienten werde „genau geprüft“

Jeder Lockerungsschritt werde mit einem interdisziplinären Expertenteam „genau geprüft“, so Markus Opgen-Rhein. „Ab einer bestimmten Lockerungsstufe müssen wir Staatsanwaltschaft und Polizei in den Prozess miteinbinden.“ Externe Gutachter würden zudem die Lockerungen prüfen. Trotz „effektiver Nachbetreuung“ bleibe ein Restrisiko. „Das Risiko ist aber gering“, sagt der ärztliche Direktor Brieger.

Nachfrage bei Polizei und Bürgermeister: Es gibt am kbo keine Sicherheitsgefährdung, heißt es. „Wir sind hier sehr, sehr sicher“, sagt Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU).

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