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Abschied: Günter Goller gibt die Leitung des Museums ab.

Leitungswechsel im Haarer Psychiatrie-Museum

Nach 54 Jahren ist Schluss: Goller hört auf

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Haar – 54 Jahre hat Günter Goller im und fürs Klinikum gearbeitet. Nun hört er auf. Die Nachfolge ist geregelt.

Es muss Bestimmung sein, dass Ilse Merkle neu zum Team des Haarer Psychiatrie-Museums gehört. Sie folgt Günter Goller nach – und wie es aussieht, bringt sie mit, was den Mitgründer des Museums elf Jahre lang angetrieben hat: ein enormes Interesse an der Geschichte des Haarer Klinikums. Ja, der Psychiatrie an sich. Und die Lust, die historische Aufarbeitung voranzubringen, auch und gerade im Ruhestand. 

Denn auch das haben der Alte und die Neue gemeinsam: Eigentlich in Rente, hatten und haben sie sich entschieden, dem Isar-Amper-Klinikum, ihrem Arbeitgeber, nicht Lebewohl zu sagen. Sondern sich stundenweise zu engagieren im Haus an der Vockestraße. 

Dieses Kleinod gibt es seit 2005 auf dem sogenannten Haar 1-Gelände. Gegründet von Günter Goller, Alma Midasch und Ferdinand Ulrich. Alle drei sind heute Senioren – auch wenn man es kaum glauben mag. Goller hört nun auf. 77-jährig hat er beschlossen, dass es gut sein muss nach 54 Jahren Arbeit im und fürs Klinikum. 

Viel Lob und Anerkennung hat er bei seiner Verabschiedung erhalten. Die Festredner würdigten sein übergroßes Engagement, seine Liebe zur Sache und seine Bereitschaft, immer wieder dranzubleiben an den Belangen des Museums. 

21 000 Besucher in elf Jahren, das ist keine schlechte Bilanz für eine Einrichtung, die sich einem Thema widmet, das in unserer Gesellschaft vielleicht nicht mehr ein ganz großes Tabu ist. Dem aber doch so vollkommen die Leichtigkeit abgeht. Sich dabei selbst dem dunkelsten Kapitel der Psychiatrie-Geschichte, der Euthanasie, zu widmen – auch darin sind Ilse Merkle und Günter Goller einig. 

Vielleicht liegt das an ihrem Alter: Der 77-jährige Goller gehört der Generation „Kriegskinder“ an. Die 65 Jahre alte Ilse Merkle kam nur sechs Jahre nach Kriegsende auf die Welt. Im Jahr 1995 hatte die Heilpädagogin im Klinikum ihre Arbeit auf der Station für Menschen mit geistiger Behinderung aufgenommen. Schnell entdeckte sie ihr Interesse an der Geschichte des Hauses, das im Jahr 1905 als Heil- und Pflegeanstalt Eglfing eröffnet worden war. Ilse Merkle organisierte Ausstellungen sowohl in Münchenal als auch im Klinikum. 

Eine der wichtigsten vielleicht im Jahr 2005, 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs: Unter dem Titel „Lass mich doch Dein Leben spüren“ versuchte sie sich, gemeinsam mit Patienten, anzunähern an die Gefühle der Menschen, die zur Zeit des Nationalsozialismus in Haar untergebracht waren. Sie ist Mitorganisatorin der „Labyrinth“-Gottesdienste auf dem Klinik-Areal. Und vieles mehr. 

Und so wird Ilse Merkle aufnehmen, was Günter Goller aus den Händen gibt. Sie, Alma Midasch und Ferdinand Ulrich werden das Museum in die Zukunft führen. Im nächsten Jahr soll es erweitert und konzeptionell neu gestaltet werden.

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