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Die Namen der Opfer zeigt die Lichtinstallation von Georg Soanca-Pollak. 

Gedenkveranstaltung

Das Licht in Haar steht für die Seele der Ermordeten

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Die Aufarbeitung der Euthanasie geht weiter an der Klinik in Haar. Eindrucksvoll und berührend.

Haar –Mit der Lichtinstallation von Georg Soanca-Pollak am Mahnmal für die in der Anstalt Haar-Eglfing in der NS-Zeit Ermordeten setzt das kbo-Isar-Amper-Klinikum ein weiteres Erinnerungszeichen. Grundlage von Soanca-Pollaks Projektion war das Gedenkbuch der Münchner Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie-Morde, die Namen der Ermordeten werden auf den Gedenkstein projiziert.

„Das Licht steht für die Seele der Menschen“, erläuterte der Künstler bei der Gedenkfeier. Er wollte die Opfer wieder sichtbar machen, „Wenn wir durch die Projektion der Namen schreiten, treten wir mit ihnen in Kontakt.“ Seit 1995 setzt sich der Rumäne Soanca-Pollak mit den Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes auseinander, seine bekannteste Arbeit ist der „Gang der Erinnerungen“ für die Israelitische Kultusgemeinde Münchens.

Aufarbeitung der Gräueltaten

Einer dieser Namen ist Alois Dallmayr, der als 28-Jähriger das erste Mal im Jahr 1911 aufgrund „nervöser Zustände“ in Haar aufgenommen wurde, vier Jahre später ein weiteres Mal mit der Diagnose „Dementia Praecox“, also als Person, „die keinen Nutzen und Sinn für die Volksgemeinschaft“ habe. Im August 1940 fand er mit 149 Patienten den Tod in der Gaskammer Hartheim, einer von 2786 Eglfinger Patienten.

Den grausamen Auftakt zur Deportation der als „unwertes Leben“ abgestempelt und damit zum Tode Verurteilten bildete der erste Transport von 25 Männern am 18. Januar 1940. Das Datum ist der Beginn der „T4-Aktion“ oder „Euthanasie-Aktion“ und damit das Todesurteil für über 350 000 psychisch erkrankte, geistig oder körperlich erkrankte Menschen. „Eglfing wurde zum Ort des Verbrechens an Unschuldigen und Pflegebedürftigen, die dem hippokratischen Eid verpflichteten Ärzte damit zu Tätern“, betonte Mirjam Zadoff, Direktorin des Münchner NS-Dokumentationszentrums. „In Eglfing starben zwischen 1939 und 1945 mehr Menschen als im gleichen Zeitraum im Gefängnis Stadelheim, das ist bis heute kaum jemandem bewusst.“

Zusammenarbeit mit dem NS-Dokumentationszentrum

Dies zu ändern, hat sich der Ärztliche Leiter Professor Peter Brieger auf die Fahnen geschrieben. Seit seinem Amtsantritt vor knapp zwei Jahren treibt ihn die Aufarbeitung der Gräueltaten während des NS-Regimes in den Mauern der ehemaligen Heilanstalt Eglfing um. Er öffnet die Klinik, forciert die Zusammenarbeit mit dem NS-Dokumentationszentrum sowie Forschungs- und Lehreinrichtungen, wie dem Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der TU München. Brieger stellt sich bewusst der Verantwortung in der Nachfolge des in der NS-Zeit leitenden Direktors Hermann Pfannmüller und der Mitarbeiter, die Deportationen, Ermordung, quälende Experimente unterstützt und die Hungerhäuser haben existieren lassen. 

Unterstützung durch den Bezirk Oberbayern

Dabei weiß er sich der vollen Unterstützung des Bezirks, Träger der kbo-Kliniken, sicher. Gestärkt durch dessen Präsidenten Josef Mederer gründete Brieger 2017 den Arbeitskreis „NS-Erinnerungskultur“, stellte 2018 gemeinsam mit dem NS-Dokuzentrum das Münchner Gedenkbuch vor. „Ein weiteres mit den Namen oberbayerischer Opfer wird folgen“, kündigte Mederer an.

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