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Zur Einheit zusammengewachsen: Darsteller aus den Jahrgangsstufen Q11 und Q12.

Ernst-Mach-Gymnasium 

Mörderisches Hamsterrad auf der Bühne

Mit Falk Richters „Unter Eis“ ist den  Schüler-Theatergruppen des Ernst-Mach-Gymnasiums Haar ein sehr gutes, böses und trauriges Stück Ideologiekritik gelungen.

Haar– Richter ist ein zeitgenössischer Theaterregisseur und Dramatiker, 1969 in Hamburg geboren. Mit „Unter Eis“ reflektiert er an Hand des Protagonisten Paul Niemand einen Consultant, der so lange outsourct und rationalisiert, bis sich schließlich die Frage nach seiner eigenen Daseinsberechtigung stellt.

Paul Niemand wächst in einer sterilen Kindheit auf und kommt in seinem späteren Berufsleben mit der Mischung aus New Age, einer von Anglizismen und Worthülsen durchwachsenen BWL-Sprache, Machogehabe und schlichtem Darwinismus nicht zurecht. Er wird von längst verdrängen Angstschüben heimgesucht. Niemand lebt in einer Welt, in der er sich stets selbst sucht, die erstarrt ist in Eisschichten und festgefahren in einer Agonie der Kälte.

Die eigene Daseinsberechtigung wegrationalisiert

Die 21 Schüler schlüpfen abwechselnd in die Rolle von Paul Niemand sowie dessen Berater-Kollegen Karl Sonnenschein und Aurelius Glasenapp. Die lose Szenenfolge des Stücks haben die Schüler in gekürzter Form beibehalten. „Die einzelnen Szenen wurden teilweise in Klausuren von den Schülern be- und erarbeitet“, sagt Thomas Ritter, Leiter der Theatergruppen. Auch das Bühnenbild mit den fahrbaren Spiegeln, mit Folien bezogene rollbare Tische, haben die Schüler entworfen.

Auffallend ist die Leidenschaft der Schüler, deren gute Artikulation und Intonation. Auch die Synchronität, mit der sie lange Textpassagen gemeinsam sprechen. „Wir üben das eigentlich nicht“, sagt Ritter, „vielmehr wachsen sie über den Körper zu einer Einheit zusammen.“ Das heißt hunderte Male gemeinsam einen Schritt nach vorne oder hinten zu machen, bis alle es förmlich körperlich spüren, wann der gemeinsame Sprech-Einsatz kommt.

Musik spielt eine tragende Rolle

So bringen sie eindrucksvoll Paul Niemands Hetzen von Termin zu Termin, von Gate zu Gate, Kundengesprächen, Mitarbeitertrainings, Meetings und ein im Desaster endendes sexuelles Abenteuer auf die Schulbühne. Die sozialkritische Botschaft wird mal flüsternd, mal laut schreiend hinausgetragen. Die Musik spielt eine dramaturgisch tragende Rolle, ist nicht nur Untermalung. Durch DJ Patrick Büchler hervorragend passendes musikalisches Gespür in Szene gesetzt, wechselt das Sprechtheater dann in modernes Tanztheater. Mit „Unter Eis“ haben die Schüler der Q11 und Q12 sich ein anspruchsvolles Stück ausgesucht und bewiesen, dass sie sich auf der modernen Theater-Szene nicht zu verstecken brauchen. 

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