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Gelungenes Ensemble: Die Zentral der Nachbarschaftshilfe im Setzerhof, im Anbau der „Haarer Tisch“. Links das Haus Gronsdorfer Straße 1 für den Kinderpark.

Kinderpark

Das Monstrum: Gemeinderat Haar streitet um Brandschutztreppe

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Eine Fluchttreppe steht der Umsiedlung des Kinderparks der Nachbarschaftshilfe Haar in das schöne Wohnhaus an der Gronsdorfer Straße 1 noch im Weg. Allerdings geht es bei der Debatte im Gemeinderat nicht um Brandschutz, sondern um Ästhetik:

Haar – Der SPD ist die Treppe zu hässlich, andere Fraktionen würden sie tolerieren. So hat sich der Gemeinderat selbst blockiert, und Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) muss noch einmal das Gespräch mit der Nachbarschaftshilfe suchen. Was ihr und der SPD-Fraktion sehr wichtig ist und in der Debatte immer wieder beschworen wurde, bringt Gabriele Müller so auf den Punkt: „Es ist hier immer Konsens gewesen, für Kinder die beste Lösung zu finden.“

Die entscheidende Frage ist: Soll das Dachgeschoss nur als Besprechungsraum ausgebaut werden, also nur von Erwachsenen genutzt werden. Oder soll ins Dachgeschoss ein weiterer Bewegungsraum für Kinder, zusätzlich zum Garten und dem Bewegungsraum im Keller, wie Ton van Lier anregte, der nicht nur für die FWG im Gemeinderat sitzt, sondern auch Vorsitzender der Nachbarschaftshilfe ist. Nur: Wenn dort Kinder spielen sollen, muss eine Außenfluchttreppe bis ins Dachgeschoss geführt werden. Ein „abenteuerliches Metallgestell“, wie SPD-Fraktionschef Alexander Zill im Gemeinderat sagte, eine „verunstaltende Lösung“.

Sorge ums Ortsbild

Was immerhin noch milder ist als im Bauausschuss im Januar, da hatte er die Konstruktion noch als „mordsmäßig hässlich“ kritisiert. Aber auch so: An dieser sensiblen Stelle in der Ortsmitte mit ihrer hohen architektonischen Qualität halte die SPD so eine Lösung nicht für vertretbar. Zumal die Gemeinde das Haus geerbt habe und die vormalige Besitzerin den Charakter ihres Hauses erhalten wissen wollte. So eine Treppenkonstruktion hätte ihr nicht gefallen. Horst Wiedemann drückte es prägnant aus: „Seit 1980 haben wir erbittert darum gekämpft, dass die Ortsmitte gut aussieht. Das würden wir uns durch so ein Monstrum zerstören.“

Was Ton van Lier zu einem kleinen Exkurs über architektonische Qualität veranlasste, die eine Kombination sei aus Optik und Funktionalität. Ob man die Treppe, die auch nicht in der Sichtachse des Ortszentrums liege, als hässlich empfinde, sei letztlich eine subjektive Meinung. Und die SPD wolle doch wohl nicht die Optik höher bewerten als ausreichende Bewegungsmöglichkeiten für Kinder. Was vernehmliches Murren bei der SPD auslöste. In diese Ecke wollen sich Bürgermeisterin und Fraktion nicht drängen lassen.

Bewegungsraum unterm Dach erfordert Fluchttreppe 

Auch nicht von Andreas Rieder (CSU). Ein Bewegungsraum unterm Dach biete Licht und Luft; und er als Landwirt würde Vieh nicht ins hinterste Eck des Stall stellen. „Und hier reden wir von Kindern.“

Worauf Traudl Vater (SPD) sich entschieden gegen alle Unterstellungen verwahrte, die Architektur würde den Kindern vorgezogen, wenn man gegen den Dachausbau als Bewegungsraum ist. Auch Alexander Zill versuchte, die Gemüter zu beruhigen und warnte davor, sich zu sehr von Emotionen treiben zu lassen. „Wir wollen die Kinderbetreuung in Haar auf hohem Niveau bewahren“, versicherte er.

Bei der getrennten Abstimmung über beide Varianten kam es zu einer überraschenden Blockade: Sowohl der Dachausbau als reines Besprechungszimmer als auch als Bewegungsraum wurden mit 12:13 Stimmen abgelehnt. Werner Pfanzelt (CSU) hatte gar gegen beide Varianten gestimmt. Neue Gespräche sind nötig.

Im Herzen der Gemeinde

Ob jetzt mit Bewegungsraum im Dachgeschoss plus mehr oder weniger ansehnlicher Fluchttreppe außen an der Fassade oder eben ohne: Haar wird den Kinderpark der Nachbarschaftshilfe (NBH) ins Herzen der Gemeinde holen. Die beiden Gruppen von Mädchen und Buben im Alter ab zwei Jahren ziehen aus der gemieteten Doppelhaushälfte im Frühlingsweg in das Anwesen Gronsdorfer Straße 1, das der Gemeinde gehört. Das Einfamilienhaus muss dafür noch umgebaut werden. Im September, so der ursprüngliche Plan, soll der Kinderpark im neuen Domizil sein.

Und das liegt direkt neben weiteren Einrichtungen der Nachbarschafthilfe: der Geschäftsstelle im neuen Setzerhof und einer Großtagespflege, in der Tagesmütter Kinder betreuen. Das Familienzentrum ist auch gleich um die Ecke. So konzentrieren sich dann im alten Ortskern fast alle wichtigen Einrichtungen der Nachbarschaftshilfe.

Was Margarete Förster (55), die Geschäftsführerin der Nachbarschaftshilfe, von Anfang an sehr begrüßt hat. Noch vor der Zuspitzung der Treppendebatte hatte sie dem Münchner Merkur gesagt: „Das ganze Team freut sich: Für die Kinder ein eigenes freistehendes Haus mit Garten zu haben, ist schon toll.“

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