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Ein Polizist vor dem Haus, in dem das spätere Mordopfer mit seiner Freundin lebte. Wahrscheinlich im Dachgeschoss wurde der Student ermordet und dann im Garten verscharrt.

Frau (31) soll Lebensgefährten vor mehreren Jahren getötet haben

Mord: Studentin vergräbt Freund im Garten

Haar - Vor sechs Jahren gab es das letzte Lebenszeichen von einem Münchner Studenten – doch vermisst gemeldet wurde er nie. Gestern haben Polizisten in einem Garten in Haar wahrscheinlich seine Leiche entdeckt. Seine Ex-Freundin soll ihn getötet und verscharrt haben.


+++ Update vom 21. Januar: Die Polizei hat mitgeteilt, dass es sich bei der gefundenen Leiche tatsächlich um den toten Ex-Freund der Studentin handelt. 

Um 6.30 Uhr am Morgen stürmten zehn vermummte, mit Maschinengewehr bewaffnete Einsatzkräfte das Haus auf dem verwilderten Grundstück in der Zunftstraße 17d in Haar (Kreis München). „Man hat weder viel gehört noch gesehen“, sagt Ludwig Schauppmeyer, 33, ein Nachbar. „Das war eine richtige Nacht-und-Nebel-Aktion.“ Die beiden Bewohner, eine 31-jährige Pädagogik-Studentin Gabriele P. und ihr zwei Jahre älterer Lebensgefährte Christian K., ließen sich widerstandslos festnehmen. Ein Mord, der vor sechs Jahren geschah, von dem die Polizei aber lange Zeit nichts wusste, steht vor der Klärung.

Ein „Hinweis“ brachte Polizei auf die Spur

Es ist ein Mordfall, der schaudern macht. Die Frau steht im Verdacht, im Januar 2010 ihren früheren Lebensgefährten Alexander H., damals 29, der Literatur und Japanologie studierte, im Dachgeschoss ihres Hauses ermordet zu haben. Das Mordopfer wohnte mit seiner Freundin, der heute 31-jährigen Hausbesitzerin, zusammen in dem Anwesen. Bei ihrer Vernehmung räumte die 31-Jährige ein, dass es zwischen ihnen einen Streit gegeben habe. Heimtückisch – so die Polizei – soll sie ihren damaligen Freund dann „überfallartig“ getötet haben.

Sie ließ die Leiche angeblich liegen, vielleicht sogar Monate lang. Als dann Christian K. in ihr Leben trat, wurde die Leiche offenbar im Garten vergraben.

Anfang des Jahres war bei der Polizei ein entsprechender „Hinweis“ eingegangen – welcher Art, wollte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins gestern nicht sagen. Doch der Tipp muss so konkret gewesen sein, dass jedes Leugnen zwecklos war. Aufgrund der Ermittlungsergebnisse der Mordkommission erließ die Münchner Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen die 31-Jährige sowie gegen ihren Lebensgefährten. Beide nannten in der Vernehmung unabhängig voneinander den Ort im Garten, an dem sich der Tote befindet.

Daraufhin fingen die Ermittler – darunter auch Spezialisten vom Bundeskriminalamt – sofort damit an, den Graben umzugraben. Und sie wurden schnell fündig. „Wir haben einen verdächtigen Plastiksack gefunden“, sagte ein Polizeisprecher am Nachmittag. Es sei wahrscheinlich, dass darin eine „eingewickelte Leiche“ sei. Der Sack soll allerdings erst heute im Institut für Rechtsmedizin geöffnet und untersucht werden.

Die Hintergründe des Mordes sind dubios. Fest steht, dass die Frau, die das Haus von ihrer Großmutter geerbt hatte, immer wieder Mitbewohner in der WG aufnahm. Davon zeugen auch Suchanzeigen im Internet – „zwei Zimmer in farbenfroher WG“, heißt es da; oder „Zimmer in der etwas anderen 4er-WG“. Im verwilderten Anwesen etablierte sich eine etwas chaotische Studenten-WG, in der die Bewohner öfters wechselten. Zeitweise wurden auch Hühner und Hasen im Hof gehalten. Die Studentin und ihr Freund waren aber „immer sehr zurückhaltend“, sagt der Nachbar Ludwig Schauppmeyer. Der Freund sei ihm aufgefallen durch seinen schwarzen Mantel und sein „Grufti-Aussehen“. Er soll Kampfsport im Garten geübt und politische Verschwörungstheorien auf Facebook verbreitet haben. Und dann gab es laut „tz“ im Juli vergangenen Jahres eine skurile Szene: eine Hochzeit nach buddhistischen Riten, die Gabriele P. und Christian K. im Garten feierten.

Die Eltern suchten nach ihrem Sohn

Die Spur vom mutmaßlichen Mordopfer hatte sich da schon lange verloren. „Das letzte Lebenszeichen von ihm war nach bisherigen Erkenntnissen ein Telefonat etwa im Januar 2010“, bestätigten gestern Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch und der Chef der Münchner Mordkommission, Markus Kraus. Als sie von ihrem Sohn nichts mehr hörten, wandten sich seine Eltern an die Polizei. Sie engagierten sogar einen Privatdetektiv, der in der Zunftstraße nach dem Verbleib von Alexander H. fragte. Ergebnislos. Da es seinerzeit keine Hinweise auf ein Verbrechen oder einen Suizid gab und das Opfer volljährig war, folgten keine weiteren Ermittlungen.

Die Eltern, so die Polizei, seien schließlich davon ausgegangen, dass sich ihr Sohn in Rumänien aufhalte, wo er eine Beziehung mit einer Frau gehabt haben soll. Sie haben nun gestern früh erfahren, dass ihr Sohn wahrscheinlich tot ist.

Die unter Mordverdacht stehende 31-Jährige ist bislang nie polizeilich in Erscheinung getreten. Ihr Lebensgefährte dagegen hat kleinere Delikte auf dem Kerbholz, etwa Erschleichen von Leistungen, Diebstahl, Beleidigung, aber auch Körperverletzung. Sein Beruf wird als „Hausmann“ angegeben. Er soll nicht an der Tötung beteiligt gewesen sein, aber an der Beseitigung der Leiche. Deshalb wird ihm Strafvereitelung vorgeworfen, für die ihm bis zu fünf Jahre Haft drohen.

Dass die Polizei gestern die genaue Adresse der Tatverdächtigen nannte, ist ungewöhnlich. Sie erhofft sich dadurch Hinweise von ehemaligen Mitbewohnern in dem Anwesen.

D. Plange, R. Weise, B. Stuhlweissenburg, F. Pfrommer und J. Heininger

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