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Josef Vielhuber ist seit 2004 Kreisbrandrat im Landkreis München. 

Interview mit Kreisbrandrat Josef Vielhuber

„Die Achtung vor den Helfern sinkt“

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Landkreis – Bei Einsätzen passiert es immer häufiger, dass Polizei, Sanitäter und Brandhelfer behindert, beleidigt und bedroht werden. Mittlerweile kommt es sogar vermehrt zu Handgreiflichkeiten. Jetzt reagiert der Gesetzgeber mit einer Verschärfung der entsprechenden Strafvorschriften. Grund genug, bei Kreisbrandrat Josef Vielhuber (58) nachzufragen, was er von dem Schritt hält, ob es auch im Landkreis München vermehrt Übergriffe auf Brandhelfer gibt und wo den Ehrenamtlichen sonst noch der Schuh drückt.

Das Bundeskabinett hat vor wenigen Tagen beschlossen, Angriffe auf Einsatzkräfte wie Polizei, Feuerwehr und den Rettungsdienst in Zukunft härter zu bestrafen. Sind Sie damit zufrieden?

Das ist eine vernünftige Reaktion auf die Tatsache, dass die Gewalt gegen Polizei und Rettungskräfte zunimmt und diese es immer schwerer haben, Hilfe zu leisten.

Sind auch die Feuerwehren im Landkreis von dieser Entwicklung betroffen?

Das beschränkt sich hier bei uns bisher nur auf Einzelfälle, die aber durchaus zu denken geben sollten. Beispielsweise ignorieren oder durchbrechen die Leute Absperrungen der Feuerwehr. Und es gab auch hier im Landkreis den Fall, dass ein Feuerwehrmann zur Seite springen musste, weil ein Autofahrer einfach durch einen abgesperrten Bereich gefahren ist. Es ist leider tatsächlich festzustellen, dass die Achtung der Bevölkerung vor den Hilfeleistenden und ihrer Arbeit sinkt. Je städtischer die Bevölkerung ist, desto stärker ist dieser Trend zu beobachten.

Woher mag das kommen?

Viele Menschen sind gestresst und in Eile. Und wenn sie dann durch einen Einsatz behindert werden, schlägt die Ungeduld oft schnell in Aggression um. Hinzukommt der zunehmende Werteverfall in der Gesellschaft.

Ist es im Landkreis auch schon zu Handgreiflichkeiten gegenüber Einsatzkräften der Feuerwehr gekommen?

Davon habe ich Gott sei Dank noch nichts gehört. Aber es ist für mich schon erschreckend zu lesen, dass anderswo jüngst Kameraden beim Einsatz in der Silvesternacht mit Feuerwerkskörpern beschossen worden sind. Früher hat die Bevölkerung einfach mehr Respekt gehabt – vor der Polizei und vor Leuten, die sich für andere einsetzen.

Es kommt immer wieder vor, dass sich Kommandanten darüber beklagen, dass Arbeitgeber die Mitarbeiter nicht für Einsätze freistellen.

Das kommt manchmal vor, aber es handelt sich dabei um Einzelfälle, die man nicht pauschalisieren sollte. Erfreulicherweise gibt es momentan sehr viele Firmen, die unsere Arbeit unterstützen und von denen wir profitieren – sei es, dass sie uns finanziell unter die Arme greifen oder im Ernstfall sehr flexibel reagieren, wenn ein Mitarbeiter bei der Feuerwehr ist und in seiner Arbeitszeit zum Einsatz muss. Der Kreisfeuerwehrverband zeichnet hier auch immer wieder Betriebe aus, die sich in dieser Beziehung besonders hervortun.

Kreisbrandmeister Markus Hardi hat sich vor Kurzem darüber beklagt, dass aufgrund der Kostenexplosion auf dem Arbeitsmarkt vermehrt gut ausgebildete Kräfte die Region verlassen.

Das ist in der Tat ein Thema, das die Feuerwehr bewegt. Wenn Feuerwehrleute aus diesem Grund ihre angestammte Feuerwehr verlassen beziehungsweise in einen anderen Ort ziehen müssen, ist das aber auch ein Problem, das die Gemeinden beschäftigen sollte. Denn letztendlich gehört der Brandschutz zu den Pflichtaufgaben der Kommunen. Die Feuerwehr ist da nur Mittel zum Zweck. Deshalb kann ich nur an die Verantwortlichen appellieren, schnell für günstigen Wohnraum zu sorgen.

Haben die Feuerwehren im Landkreis auch Nachwuchssorgen?

Nein, das haben wir nicht. Die Zahl an Jugendfeuerwehrleuten ist bei den Wehren im Landkreis München seit Jahren konstant. Natürlich sehen wir es immer gerne, wenn sich noch mehr Junge für dieses Ehrenamt begeistern können. Doch es wird immer schwieriger, Jugendliche zu gewinnen und vor allem langfristig an die Feuerwehr zu binden. Die Jugendarbeit ist für den Fortbestand der Freiwilligen Feuerwehren von entscheidender Bedeutung. Deshalb darf hier auch nicht nachgelassen werden.

Gleichzeitig wächst vielerorts der Unmut über die steigende Zahl an Fehlalarmen, wie zu hören ist. Gerade in Asylbewerberunterkünften schrillen oft die Brandmelder. Das muss doch an den Nerven der Ehrenamtlichen zehren.

Dies ist in der Tat sehr ärgerlich, da die Feuerwehrleute unnötig aus dem Schlaf gerissen werden beziehungsweise ihren Arbeitsplatz oder ihre Familie verlassen müssen. Gott sei Dank haben die Fehlalarme zumeist nur einen geringen Anteil in der Einsatzstatistik. Wir nehmen sie jedoch sehr ernst, da sie das ehrenamtliche Engagement belasten. Bei jedem Fehlalarm werden die Ursachen ermittelt, damit gegebenenfalls weitere Fehlalarme verhindert werden können. Optimierungen an der Technik oder Aufklärung kommen dann in Betracht, je nachdem, ob die Ursache für den Fehlalarm ein Brandmelder oder eine Person war.

Das Gespräch führte

Stefan Weinzierl.

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