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Verärgerte Anwohner: (v.l.) Jörg Busch, Renate Muhr, Rainer Englbrecht, Waltraud Stoder, Wolfgang Barbe und Werner Krines, die an der Dianastraße wohnen, sehen keinen Bedarf für einen neuen Spielplatz in ihrer Nachbarschaft.  

Anlieger in Haar sehen keinen Bedarf

Neuer Spielplatz: Anwohner laufen Sturm

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Den neuen Spielplatz an der Dianastraße braucht‘s nicht, sagen Anwohner. Sie fürchten Randalierer und Säufer in ihrer Nachbarschaft.

Haar – Die Gemeinde Haar baut an der Dianastraße auf knapp 3000 Quadratmetern für 300 000 Euro einen Inklusions-Spielplatz, den Kinder und Erwachsene nutzen sollen. Bevor sie die Öffentlichkeit darüber informierte, lud Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) die Anwohner zu einem Gespräch ins Rathaus ein. Ihr Fazit: „Leider war fast kein Gespräch möglich, die Anwohner kamen mit vorgefasster Meinung“, sagt Müller.

Die Anwohner sehen das ganz anders. „Wir sollten mit ins Boot geholt werden. Aber das befand sich schon mitten auf dem See. Sämtliche Spielgeräte waren bestellt, die Pläne fertig, wir sollten das in einer Alibi-Veranstaltung abnicken“, ärgert sich Anwohner Jörg Busch. Er vertritt 50 bis 70 Anlieger, die den Abenteuer-Spielplatz ablehnen. Sie sind enttäuscht von allen Parteien im Gemeinderat.

Sechs Anwohner, die alle seit mehreren Jahrzehnten an der Dianastraße wohnen, sind zum Ortstermin gekommen, um ihrem Ärger Luft zu machen. Sie betonen, dass sie alle Kinder und Enkel haben und Kinderspielplätze keineswegs grundsätzlich ablehnten. „Doch Frau Müller hat uns vor vollendete Tatsachen gestellt. Sie hat uns andere Fakten genannt, als ein paar Wochen später in der Zeitung standen“, schimpft Werner Krines. Rainer Englbrecht konkretisiert: „Uns sagte sie, der neue Spielplatz kostet 240 000 Euro, nun sind es 300 000 Euro. Erst hieß es, der geplante Turm werde 4,50 Meter hoch, nun sind es 6,50 Meter. Von dort kann jeder auf unsere Balkone und in die Zimmer schauen.“

Müller entgegnet, dass es ihr um eine Information für die Bürger aus erster Hand beim Gespräch im Rathaus gegangen sei. „Sie kamen mit vorgefasster Meinung, waren sehr laut. Der Spielgerätehersteller hätte gerne seine Pläne vorgestellt, das war leider nicht möglich.“ Die Spielgeräte kosten ihr zufolge 240 000 und die Erdarbeiten 60 000 Euro, es gebe also keine Kostensteigerung. „Die oberste Plattform des Turmes, auf die Kinder klettern können, ist 4,50 Meter hoch. Von dort kann keiner auf Balkone schauen. Was höher ist, das ist das Dach.“

Doch die Anwohner der Dianastraße stellen den Neubau des Spielplatzes generell in Frage. „Als wir hierher zogen, da wurde am alten Spielplatz der Sand regelmäßig ausgetauscht, waren die Spielgeräte gewartet. Seit Jahrzehnten verlottert alles – das könnte man mit wenig Geld wieder schön herrichten“, sagt Renate Muhr. Gemeinsam haben sie sich die Mühe gemacht und die Spielplätze im Umfeld gezählt. „Es sind 18 Spielplätze, die meisten stehen immer leer. Warum soll jetzt für so viel Geld ein neuer gebaut werden?“, fragt Wolfgang Barbe. Waltraud Stoder weiß, dass Haar wachsen wird in den kommenden Jahren, „doch nicht im Jagdfeld. Wir brauchen hier keinen neuen Spielplatz.“

Bürgermeisterin Müller stimmt zu, dass das Jagdfeld sich nicht ausdehne. „Aber es findet ein Generationswechsel statt, da brauchen wir neue Spielgeräte. Zudem sind von den vielen Spielplätzen die meisten nicht öffentlich, meist mit alten, unattraktiven und zu kleinen Rutschen und Klettergeräten ausgestattet.“

Der dritte Kritikpunkt der Anwohner sind die Spielgeräte für Erwachsene sowie Behinderte. „Mit denen locken wir Horden an Jugendlichen und Erwachsenen an, die dann da bleiben, grillen, feiern und Krach machen“, befürchtet Muhr. „Für Behinderte gibt es keinen Bedarf für so einen Spielplatz. Die geplanten Geräte können die doch gar nicht nutzen“, meint Jörg Busch. Die Anlieger fordern, dass die Gemeinde auf Erwachsenen-Geräte verzichtet, dass es einen Zaun um den Spielplatz sowie klare Öffnungs- oder Nutzungszeiten gibt.

Müller wundert sich: „Es ist nichts anderes gedacht, als dass Eltern und Großeltern, die mit ihren Kindern auf den Spielplatz gehen, auch selbst ein bisschen was für ihre Gesundheit tun können.“ In Haar gebe es generell keine Öffnungszeiten von Spielplätzen. „Wir können über Schilder Nutzungszeiten regeln; das ist aber bisher auf keinem Haarer Spielplatz nötig.“ Die Anregung eines Zauns, um ein Hunde- und Katzenklo zu vermeiden, werde sie aufnehmen, verspricht Müller. Der Bereich für Kleinkinder soll einen Zaun bekommen. Was sie als Mutter eines behinderten Kindes richtig ärgere, sei die Aussage über den nicht vorhandenen Inklusions-Bedarf. „Ich weiß von vielen betroffenen Eltern, dass eine Spiel- und Begegnungsmöglichkeit vermisst wird. Ich würde mir mehr Verständnis für Familien mit besonderen Kindern wünschen, die an jeder Ecke des Alltags auf Hindernisse und Widerstand stoßen.“

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