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Neuordnung auf dem Areal von Haar I: Fünf Modulbauten und ein zentrales Gebäude für die Aufnahme liegen zwischen den alten Jugendstilgebäuden. Die Kosten in Höhe von rund 70 Millionen Euro für den gesamten Neubau teilen sich das bayerische Gesundheitsministerium, der Bezirk und die Kliniken des Bezirks Oberbayern (kbo).

Großbaustelle

Neuordnung der Psychiatrie in Haar für 70 Millionen Euro

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Haar - Das Isar-Amper-Klinikum in Haar ist eines der größten psychiatrischen Kliniken in Deutschland. Vieles hat sich im Umgang mit Patienten verändert und vieles wird in Haar getan, um das Stigma der geschlossenen Psychiatrie loszuwerden. Dieser Richtungswechsel lässt sich an den Neubauten ablesen, die im Areal von Haar I entstehen.

Die Modernisierung der Psychiatrie ist ein Mammutprojekt, dessen erster Teil bewältigt ist. Am zweiten Bauabschnitt wird gearbeitet. Bis Ende 2017 soll er abgeschlossen sein. Drei der sechs Neubauten sind fertig und bezogen, 35 Millionen Euro wurden investiert für einen zentralen Eingangsbereich und zwei Häuser mit neurologischen und psychiatrischen Stationen. Zur Zeit läuft der Bau der Module B, C und D für die Geriatrie, die Gerontopsychiatrie und die Psychosomatik. „Wir liegen gut in der Zeit“, Andreas Walter, der Leiter der Bauabteilung im Isar-Amper-Klinikum ist zufrieden. „Die drei weiteren Modulgebäude werden stufenweise bis Ende 2017 fertig sein.“

Mehr Offenheit

Die Psychiatriereform lässt sich auch baulich an den modernen Gebäuden erkennen: Raumhohe Fenster lassen viel Licht herein, starke Farben schaffen ein freundliches Ambiente. Das vermittelt einem Neuankömmling, der besorgt und mit bangen Gefühlen nach Haar kommt, einen positiven ersten Eindruck.

Mehr Kommunikation

„Jede Station hat eine offene Empfangstheke“, sagt Jörg Hemmersbach, Geschäftsführer des kbo-Isar-Amper-Klinikums. Die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter seien besser und auch die Behandlungsmöglichkeiten für die Patienten. Er betont: „Eine offene, bessere Psychiatrie setzt heute auf Beziehungsarbeit. Die modernen Räume laden zum Kommunizieren ein, auf Augenhöhe.“ Nur so entwickele der Patient das nötige Vertrauen, um Therapievorschläge anzunehmen. „Die freundliche, offene Atmosphäre unterstützt die therapeutische Arbeit – und das gelingt“, sagt Hemmersbach: „Das erleben wir in Stationen, die schon bezogen sind.“

"Das Hochhaus" ist Geschichte

 Professor Martin Marziniak (44) ist Chefarzt in Haus A. Hier sind die Neurologie und eine neurologische Intensivstation mit insgesamt 78 Betten untergebracht. Er berichtet von vielen positiven Rückmeldungen. „Die Patienten sind überrascht, wie toll das Ambiente hier ist.“ Ganz anders als damals im sechsstöckigen Haus 12, das fast 40 Jahre lang „das Hochhaus“ war, in den 70er als modern galt und am Ende für eine überkommene Psychiatrie stand. „Es war verwohnt und runtergekommen“, sagt Marziniak. Und trotzdem: „Spannend war, dass einige Mitarbeiter da sehr dran gehangen haben.“ Wie bei allem, gebe es eben auch bei den Neubauten ein Für und Wider, meint er: Einige Arzt-Zimmer seien weggefallen, einige Räume wurden kleiner, auch der Gemeinschaftsraum für das Pflegepersonal.

Keine Schranken mehr

Dafür gibt es jetzt mehr Zugänge nach draußen: Das Münchner Architekten-Büro Beeg und Lemke hat für je zwei Stationen einen Innenhof eingeplant. Hier genießen Patienten das schöne Wetter unter Sonnenschirmen auf Gartenstühlen. „Das wäre früher im sechsstöckigen Haus 12 nicht möglich gewesen, dass Patienten, die beatmet werden müssen, in einer Pause ins Freie gebracht werden“, sagt Jörg Hemmersbach. 

Auf dem Klinikgelände gibt es heute keine geschlossenen Schranken mehr und keinen Pförtner, der darüber wacht, dass keiner wegläuft. Die Straßen sind inzwischen öffentlich, Ausweiskontrollen gibt es längst nicht mehr. „Hier gilt die Straßenverkehrsordnung“, sagt Professor Martin Marziniak lachend. 

Neubaugebiet "Jugendstilpark" für 2000 Menschen

Geschäftsführer Jörg Hemmersbach verschweigt aber auch nicht, dass die Neuordnung mit einer Verkleinerung einhergeht. Gut die Hälfte seiner Flächen hat das Klinikum aufgegeben: „Im Prinzip halbieren wir unser Krankenhausgelände.“ Der Bezirk hat das Areal „Haar II“ verkauft. Auf Infotafeln wirbt eine Immobilienfirma für den „Jugendstilpark“ in Haar II. Hier soll ein Wohngebiet für 2000 Menschen entstehen. Die schönen denkmalgeschützten Villen, in denen jetzt noch Stationen untergebracht sind, müssen geräumt werden. Dafür entstehen auf der Großbaustelle in Haar I die zweistöckigen Neubauten versetzt neben den alten Jugendstilbauten.

Ein Vorteil der Konzentration: „Die Wege zwischen den einzelnen Kliniken sind kürzer geworden“, sagt Marziniak, „dadurch ergeben sich Synergien.“ Viel wichtiger aber ist ihm, dass das Gelände offener geworden sei, das trage dazu bei, dass die Psychiatrie ihre Stigmatisierung verliere. „Das ist für die Patienten wichtig und auch für unsere Gesellschaft insgesamt.“

Die Neubauten

 Kleines Pavillongebäude mit Haupteingang und Notaufnahme; Haus A: Neurologie und neurologische Intensivstation (78 Betten); Haus B: Zentrum für Altersmedizin mit Therapiebecken und Physiotherapie; Haus C: Gerontopsychiatrie (88 Betten); Haus D: Psychosomatik mit „Hotelcharakter“ (96 Betten, Speisesaal, zusätzlichen Aufenthaltsbereichen, Patientenbibliothek); Haus E: Allgemeinpsychiatrie (88 Betten).




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