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Blumen und ein großes Dankeschön gibt es von Bürgermeisterin Gabriele Müller für (v.l.) Inge Eckstein und Peter Hartmann. Rechts im Bild Pfarrerin Dagmar Häfner-Becker.

Neujahrsempfang in Haar

Populisten bringen die Demokratie in Gefahr

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Haar - Sorge um die Demokratie hat Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller. Einfache Antworten und das Spiel mit Ängsten könnten Populisten zu Wahlsiegen verhelfen.

Haar– Freiheit und Sicherheit – um diese beiden Pole kreiste der Neujahrsempfang in Haar. Weltpolitisch legte Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) das Thema aus, die spirituelle Seite bediente Pfarrerin Dagmar Häfner-Becker, mit ihren Kolleginnen von der Jesuskirche Gastgeberin des Empfangs. „Der Herr ist der Geist, wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“, zitierte sie den Apostel Paulus. Aber auch die Ängste der Menschen müsse eine Gesellschaft wahr- und erstnehmen.

Sonst spielen Populisten mit diesen Ängsten, und die Demokratie gerät in Gefahr, warnte Bürgermeisterin Müller. Angesichts einer wachsenden Bedrohung durch Terror seien Forderungen nach mehr Videoüberwachung, Vorratsdatenspeicherung und mehr Polizei sicher nicht ganz unbegründet. Aber Terrorbekämpfung mit Flüchtlingspolitik und Debatten über Obergrenzen zu verquirlen, ergebe eine ganz gefährliche Mischung. Kritiklos unsere Freiheitswerte aufzugeben, sei ganz bestimmt nicht die richtige Reaktion.

Ebenso wenig die schlichten Antworten von Populisten. „Das klingt alles so schön einfach, so wie bei Donald Trump. Schlicht und einfach, kurz und knackig, platt, provokativ und verlogen“, sagte Gabriele Müller. Das mache ihr Sorgen für die bevorstehenden Wahlen in Europa, auch für die Bundestags- und Landtagswahlen. „Wir werden uns darauf gefasst machen müssen, Wahlkämpfe zu erleben, wie wir sie noch nie hatten.“ Nicht weil Rechtspopulisten Sprache und Themen vorgeben könnten, das sei eine Minderheit. „Aber ich befürchte, dass unsere etablierten Parteien der Versuchung erliegen, genau in diese Kerbe auch reinzuschlagen, genau diese gefühlt als Wahrheit wahrgenommene populistische Dumpfheit zu übernehmen.“ Weil keiner dem Wähler die unbequeme Wahrheit sagen wolle: Dass es keine einfachen Lösungen für die komplexen Probleme unserer Gesellschaft gebe.

Um die Demokratie zu sichern, empfiehlt Müller: wieder mehr soziale Marktwirtschaft, mehr Einkommens- und Steuergerechtigkeit, mehr fairen Ausgleich zwischen Arm und Reich und einen Zugang zu Bildung, der nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängt.

Neben dem allgemeinen Dank für alle ehrenamtlich Engagierten, die Haar zu einer liebenswerten Gemeinschaft mit starkem Zusammenhalt machten, zeichnete Bürgermeisterin Müller zwei von ihnen persönlich aus. Inge Eckstein (73) und Peter Hartmann (73) erhielten die Golden Ehrennadel der Gemeinde. Ecksteins besonderer sozialer Tag ist der Mittwoch. Da tritt sie früh um 8 Uhr ihren ehrenamtlichen Dienst im Pflegeheim Maria-Stadler-Haus an und hilft dort gut zwei Stunden Bewohnern beim Frühstücken, unterstützt, wo es nicht mehr so gut geht, hört zu und schenkt Zuwendung. Und das seit 1989. Nachmittags gibt sie Grundschülern Förderunterricht in Deutsch und Grundrechenarten, Mittelschülern auch in Geometrie und Bruchrechnen. Den Kindern will die studierte Mathematikerin nicht nur Wissen vermitteln, sondern vor allem Spaß am Lernen. Seit 20 Jahren führt Inge Eckstein außerdem die Geldgeschäfte beim Haarer Kulturverein. Insgesamt engagiert sie sich seit über 30 Jahre ehrenamtlich. „Ich bedanke mich bei allen Gruppen, bei denen ich mitmachen durfte“, sagte die 73-Jährige. „ich gehöre nämlich eher zu den Indianern, nicht zu den Häuptlingen.“

Lange Jahre Häuptling war Peter Hartmann (73): als Schützenmeister bei der Schützengesellschaft Haar von 2000 bis 2016 und Vorsitzender des Gewerbeverbands Haar-Trudering von 1987 bis 2005. „Persönlichkeiten seines Formats bringen Farbe und Lebendigkeit in die Gemeinde“, würdigte ihn die Bürgermeisterin. Bei den Schützen hat Hartmann maßgeblich dazu beigetragen, dass die Jugendarbeit einen sehr hohen Stellenwert bekam. Dafür hat er sogar eine Beitragserhöhung um 400 Prozent durchgedrückt, von fünf auf 20 Mark. Der Einsatz hat sich ausgezahlt: Die Haarer Sportschützen treten in der Bezirksliga an. Und das Amt des Schützenmeisters hat einer aus der jungen Garde übernommen, der 21-jährige Christoph Clement. Günter Hiel

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