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Das Team der Kita Ottendichl hat auch Handabdrücke für das verhüllte Rathaus gespendet.

Programm fürs Kulturfestival in Haar steht fest

„Zamma“ finden, feiern, freuen

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Tanz, Theater, Musik: Haar bietet bei „Zamma“ eine Woche Kultur der spektakulären Art. Und: Das Rathaus verschwindet. 

Haar – Das Rathaus in Haar wird es ab dem 6. Juli nicht mehr geben. Zumindest nicht sichtbar. Es verschwindet hinter Stoff. Christo lässt grüßen. Darauf sind tausende bunte Handabdrücke, die die Haarer hinterlassen haben. Vor dem verhüllten Rathaus sitzen hunderte Menschen an einer langen Tafel und essen gemeinsam. Alle in Weiß gekleidet. Alle „zamma“.

Die Verhüllung des Rathauses und das Dinner in Weiß sind zwei Höhepunkte beim oberbayerischen Kulturfestival „Zamma“, das vom 1. bis 8. Juli in Haar stattfindet. Ein „ganz besonderes Ereignis“, das es in der Gemeinde so noch nie gegeben hat, verspricht Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD). 60 Veranstaltungen an 30 Orten, die 120 Gruppen auf die Beine stellen. Zudem findet die Haarer Künstlermeile am Sonntag, 2. Juli, im Rahmen des Festivals statt.

Es wird „ein inklusives Mitmach-Event“, sagt Kerstin Schwabe vom Bezirk Oberbayern. Inklusion steht im Vordergrund des Festivals, das der Bezirk alle zwei Jahre veranstaltet. Alt und Jung, Menschen mit und ohne Behinderung verschiedener Kulturen, Religionen und Nationalitäten: „Wir wollen den Querschnitt der Gesellschaft zusammenbringen“, betont Andre Gerstdorf, Vorsitzender des Bezirksjugendrings, der ebenso zum Festivalkomitee gehört wie der Kreisjugendring, der Bezirk und die Gemeinde.

Und das Programm kommt auch mitten aus der Gesellschaft. Haarer Bürger, Vereine und Gruppen haben es bei einem Ideentag sowie in zwei Arbeitskreis-Sitzungen selbst entworfen. Es ist so bunt wie die Gesellschaft. „Die Kreativität hier kennt keine Grenzen“, sagt Bezirkstagspräsident Josef Mederer anerkennend. Brücken über den Jagdfeldsee, die zu einem Leuchtturm führen, eine Party in der Tiefgarage, Konzerte, Musik, Kunst, Theater, Spiel und Sport für Erwachsene und Kinder. Begleitet werden alle Veranstaltungen von Jugendreportern.

Sie sind bei den Terminen in Ottendichl ebenso vor Ort wie am Kirchenplatz, am Jagdfeldsee und auf dem Areal der kbo-Klinik. Dort gibt’s unter anderem Führungen durch das Psychiatrie-Museum, das zeigt wie die „Kreisirrenanstalt“ zum „kbo-Isar-Amper-Klinikum München-Ost“ wurde. Allein durch die Klinik „haben der Bezirk und Haar eine ganz enge Verbindung“, sagt Mederer. Der Bezirk rückt nun mit Haar weiter „zamma“, diesmal kulturell.

Und das nicht nur für die Festivaltage. Der Bezirk will die nächsten Jahre weitere Kulturprojekte in der Gemeinde finanziell unterstützten, die die Inklusion fördern, verspricht Mederer. Rund 130 000 Euro steckt der Bezirk ins Festival, 60 000 Euro plus Infrastruktur-Leistungen steuert die Gemeinde bei, 10 000 Euro der Landkreis München.

„Zamma“ soll nachhaltig sein. Zum Beispiel in Form der „Haarer Heimatklänge“. Besucher des Festivals können auf dem Smartphone Töne aufnehmen und in eine App eingeben, die für sie deutlich machen, wie die Gemeinde klingt. Daraus entsteht eine Klangkarte. Zudem gehen Besucher mit und ohne Behinderung bei einer Rallye gemeinsam auf Spurensuche, um Barrieren im Ort zu finden, die es noch abzubauen gilt. Zur Stärkung gibt’s danach die Zamma-Brezn, in Z-form und innen grün. Oder ein Zamma-Eis. In Haars Farbe Grün natürlich.

Fakten zum Festival

Das oberbayerische Kulturfestival veranstaltet der Bezirk seit 1980. Bis 2014 hieß es „oberbayerische Kultur- und Jugendkulturtage. Zu lang, zu sperrig, fanden die Verantwortlichen. Unter dem Namen „Zamma“ fand die Veranstaltung erstmals 2015 in Freising statt. Das Festival wird alle zwei Jahre in einer anderen Kommune Oberbayerns organisiert. Jede Kommune kann sich für die Ausrichtung beim Bezirk bewerben. Die Anforderungen: Das Festival muss Innovatives bieten, Inklusion in den Fokus rücken und die Vernetzung fördern.

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