Kommunikationsproblem

Streit um Zahl psychisch kranker Straftäter

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Haar - Seit 2003 fordert die Gemeinde Haar, den forensischen Bereich des kbo-Isar-Amper-Klinikums zu begrenzen. Doch wie nun bekannt wurde, ist die Zahl psychisch kranker Straftäter höher als gedacht.

Als Jörg Hemmersbach aufsteht und den Sitzungssaal im Rathaus verlassen möchte, hebt Traudl Vater den Zeigefinger. Die SPD-Gemeinderätin möchte dem Geschäftsführer des kbo-Isar-Amper-Klinikums noch etwas mit auf den Weg geben: „Sie müssen öfter vorbeikommen“, sagt sie in einem nicht netten, sondern fordernden Ton. Indirekt heißt das: Die Gemeinde Haar und das kbo-Isar-Amper-Klinikum reden zu wenig miteinander. Das zumindest bleibt hängen von der Sitzung des Bauausschusses am Dienstagabend. 

Eigentlich will Klinik-Geschäftsführer Jörg Hemmersbach die Gremiumsmitglieder über ein neues Bauvorhaben auf dem Gelände Haar I in Kenntnis setzen. Das kbo-Isar-Amper-Klinikum braucht nämlich ein neues Interimsgebäude für zwei Stationen. Ursache sind Bauverzögerungen auf dem Gelände des Klinikum Schwabing. Nun muss der Standort Haar in die Bresche springen – soweit so gut. Doch als Hemmersbach auf eine Frage von Traudl Vater erwähnt, dass derzeit rund 380 psychisch kranke Straftäter zur Behandlung im forensischen Bereich untergebracht sind, zeigen sich die Gremiumsmitglieder sehr überrascht und teilweise verärgert. Sie fühlen sich schlecht informiert von der Klinik. „Eigentlich wollten wir nur 300 haben“, sagt SPD-Bürgermeisterin Gabriele Müller. 

Die Gemeinde setzt sich seit dem Jahr 2003 für eine Begrenzung des forensischen Bereichs ein

Hintergrund ist, dass sich die Gemeinde Haar bei den Planungen zum Neubau der Forensik im Jahr 2003 sich für eine Begrenzung der Forensik-Bettenzahlen im damaligen Bezirkskrankenhaus ausgesprochen hatte. Die Gemeinde und der Bezirk schlossen einen entsprechenden Vertrag. Es folgten schwierige Gespräche zwischen der Kommune und dem Sozialministerium wegen des Ausbaus der Forensik. Auch als der Neubau 2007 eingeweiht wurde, pochte der damalige Haarer Bürgermeister Helmut Dworzak nochmals öffentlich darauf, die Bettenzahl von 300 nicht zu überschreiten. 

Vor diesem Hintergrund ärgern sich Mitglieder des Bauausschusses, von der Klinik nicht informiert worden zu sein: „300 und 380 ist schon ein kleiner Unterschied“, sagt Traudl Vater. Dabei sie die Gemeinde immer wohlwollend gewesen. Reinhard Engelbrecht vom Bezirk verteidigt das Klinikum. Auf die gerichtlichen Zuweisungen habe man keinen Einfluss, sagt er. Man könne lediglich vorschlagen, ob ein Patient entlassen werden soll oder nicht.

Bürgermeisterin Gabriele Müller: „Die Klinik ist ein Teil unserer Gemeinde.“   

Für Mike Seckinger von den Grünen zeigt die Diskussion, dass das kbo nicht von sich aus mit der Gemeinde spreche. „Immer wieder werden wir von irgendwelchen Plänen überrascht“, sagt er und zeigt sich enttäuscht: „Haar ist immer ein verlässlicher Partner gewesen.“ Müller schlägt vor, sich besser auszutauschen. Sie bittet Klinik-Geschäftsführer Hemmersbach darum, einmal in den Gemeinderat zu kommen und Fragen zu klären. „Die Klinik ist schließlich ein Teil unserer Gemeinde.“

rat

Rubriklistenbild: © Isar-Amper-Klinikum

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