Die romanische Filialkirche St. Ägidius: Die Schlichtheit und das Erhabene gehören eng zusammen. 
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Die romanische Filialkirche St. Ägidius: Die Schlichtheit und das Erhabene gehören eng zusammen. 
Roswitha Riess in ihrer Wohnung: Der Osterstrauch gehört dazu, die Ostereier braucht es nicht mehr.
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Roswitha Riess in ihrer Wohnung: Der Osterstrauch gehört dazu, die Ostereier braucht es nicht mehr.
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Interview

Die Schutzpatronin von St. Ägidius Keferloh

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Über 50 Jahre hat Roswitha Riess in Haar gelebt. „Es war meine Kernzelle“, beschreibt die heute 80-jährige Dame in ihrer Altbauwohnung in Schwabing die Jahre, in denen sie im östlichen Landkreis gewirkt hat.

Haar– Eine unverbrüchliche Verbindung hegt die ehemalige Landtagsvizepräsidentin zur Kirche St. Ägidius in Keferloh, deren Restaurierung ihre Handschrift maßgeblich mitträgt. Wir haben sie kurz vor Ostern zum Glauben und zur Faszination befragt, die von kirchlichen Räumen ausgeht.

Haben Sie ein Oster-Ritual?

Früher in der Familie war Karfreitag ein ruhiger Tag. Tags darauf haben wir Ostereier gefärbt, ich habe Lämmchen gebacken, die Wohnung dekoriert. Am Sonntag sind wir in die Kirche St. Konrad gegangen. Was mich freut, meine Kinder haben das im Wesentlichen übernommen.

Wie haben Sie ihnen die Osterbotschaft übermittelt? Lässt sie sich in den Alltag integrieren?

Der Sinn ist, dass wir uns über den Tod Jesu und die Auferstehung Gedanken machen, die das Heil nach dem Tod zeigt. In den Alltag integrieren lässt sich die Botschaft vielleicht am ehesten durch die Caritas, die Nächstenliebe – in guten wie in schlechten Zeiten und erst recht, wenn jemand Hilfe braucht. Im weiteren Sinne heißt es, Verantwortung in der Gemeinschaft und für Mitmenschen zu übernehmen und den Glauben für sich zu verinnerlichen. Ich bin ja jetzt 80 Jahre alt und habe den Glauben früher anders erlebt. Ich bin ganz kritisch damit umgegangen. Wenn man älter wird, ist man wieder näher dran.

Auch weil Menschen sterben, die einem nahe stehen?

Ich denke da gar nicht so sehr ans Sterben. Ich hatte eine Tante, die sehr lange allein gelebt hat und in einem theologischen Kreis sehr viel Trost gefunden hat. Und ich war sehr froh, dass sie darin so aufgehoben war und als Kunstmalerein einen Teil für sich und ihre Arbeit mitnehmen konnte.

Wie hat sich denn Ihre Kritik in jüngeren Jahren ausgedrückt?

Gegenüber der Institution der Kirche bin ich nach wie vor kritisch. Glaube und Kirche sind für mich zwei paar Stiefel. Die Kirche ist irdisch. Wenn ich die Liturgie mit den schweren Gewändern sehe, ist das für mich wie aus dem Mittelalter hergetragen. Da würde ich mir wünschen, ohne inhaltlich etwas abzuschaffen, etwas mehr an unsere jetzige Zeit zu denken. Ich weiß nicht, ob der Bischof jedes Mal die Mitra braucht und die prächtigen Gewänder.

Da könnte man doch einfach zum evangelischen Glauben übertreten?

Da fehlt mir die Eucharistie. Es gibt ja sehr viele Formen des Christseins. Das habe ich in der Grabeskirche in Jerusalem in ganz jungen Jahren erfahren, und es hat mich verblüfft. In meiner Naivität musste ich erleben, dass es eine Vielzahl von Christen gibt, die untereinander heftig streiten, wer wann hintereinander welchen Gottesdienst feiern darf: die Kopten, die Ukrainer, die Abessinier. Das hat damals meinen Kinderglauben durcheinandergewürfelt. Und ich habe mich mit der Vielfalt des Christentums befasst mit dem Fazit: Man muss ganz tolerant miteinander umgehen und es als eine große Gemeinschaft sehen.

Aber Kirche ist auch ein Ort der Stille.

Ja, gestern war ich zum Beispiel im Krankenhaus Schwabing – es ist ja in der Nähe – und ich musste in der Verwaltung etwas abholen. Dort bin ich in die katholische Kirche gegangen, eine Jugendstilkirche. Ich war völlig überrascht über die Stilreinheit und Strenge, die ich sehr mag. Im Barock herrscht architektonisch eine Jubelstimmung vor, aber man ist nicht immer so gelaunt. Da bin ich eben drin gesessen, eine ganze Weile alleine. Das Licht kam durch zwei Fenster, an einem stand die Elisabeth, an einem Vinzenz. Und ich dachte mir, was mag in diese Kirche alles schon hereingetragen worden sein von Patienten. Wie viel Leid war hier schon? Trotzdem fühlt man sich eingehüllt und geborgen. Und so eine Stunde tut einem sehr gut. Als ich dann wieder rausgekommen bin, habe ich über die Frühlingssonne und die Blumen gefreut. Ich finde, es ist sehr wichtig, dass es diese Orte der Stille gibt.

Dazu gehört auch die romanische Kirche St. Ägidius in Keferloh, um deren Erhalt Sie erfolgreich mit dem Förderverein gekämpft haben.

Was ich so schätzen gelernt habe bei meiner Arbeit für St. Ägidius: Es gibt in Grasbrunn eine dörfliche Gemeinschaft. Die habe ich ganz stark gespürt, dieses Zusammensein, Helfen wollen, für den anderen da sein. Nach rund 14 Jahren habe ich jetzt den Vorsitz im Förderverein abgegeben, aber im Grunde hat der Verein seit seiner Gründung einen festen inneren Bestand. Bei den Benefizveranstaltungen war eingeteilt, wer die Abendkasse macht, wer sich um die Technik kümmert und wer den schriftlichen Kram macht. Und es ist bis heute so. Man braucht nicht zu fragen, wer schaut nach dem Mikrofon, wer bestuhlt. Jeder einzelne des Vereins hat seine Aufgaben dafür am Anfang übernommen. Und so ist es. Das ist ein ganz reicher Schatz, finde ich. Allein kann man nichts bewegen, und dieses Funktionieren einer Gemeinschaft habe ich sehr geschätzt.

Gibt es für Sie zu Ostern wieder ein Gemeinschaftserlebnis?

Dieses Jahr fahre ich nach Feldafing. Da lebt meine älteste Tochter. Um 10 Uhr ist Festgottesdienst. Mein Schwiegersohn ist im Kirchenchor, die Enkel sind auch alle da. Die Familie ist komplett. Was könnte schöner sein?

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