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Zahlreiche Messestände boten den Besuchern im Haarer Bürgerhaus Gelegenheit, sich zu den Themen rund ums Älterwerden zu informieren.

Senioren-Infotage

Senioren-Infotage Haar: Vorbereitet auf den „Ernstfall Alter“

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Ein breites Informations- und Vortragsangebot für Senioren lockt zahlreiche Besucher ins Bürgerhaus Haar

Haar – Die Gemeinde Haar ist ziemlich gut aufgestellt, wenn es um Senioren geht. Da waren sich die zahlreichen Besucher der Informations-Veranstaltung „Älter werden in Haar“ einig. Nachbarschaftshilfe, Hospizkreis, ambulante Pflegedienste, Fahrservice, betreutes Wohnen im Jugendstilpark oder das Senioren- und Pflegeheim im Maria-Stadler-Haus, sie alle tragen dazu bei, dass man in Haar lange in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben kann oder danach ein gutes Angebot findet. Viele Haarer informierten sich an Messeständen und Fachvorträgen der Informations-Tage vor Ort, was zu tun ist, wenn der „Ernstfall“ eintritt.

So auch Ute (79) und Eberhard (81) Knüpfer, beide gertenschlank. Sie hörten sich den Vortrag von Prof. Martin Marziniak, dem Chefarzt der Neurologie am kbi Isar-Amper-Klinikum München Ost, über das Thema „Schlaganfall – jede Minute zählt“ an. „Mein Mann war Jahrzehnte Tourenführer im Alpenverein, geht heute noch flache Strecken mit Senioren“, berichtete Ute Knüpfer. Sie seien beide körperlich fit. „Aber ich hatte vor ein paar Jahren schon einmal Vorhof-Flimmern und das gilt ja als eines der Risikofaktoren für einen Schlaganfall“, sagte Eberhard Knüpfer.

Marziniak habe das Thema sehr gut und für jeden verständlich erklärt: Das größte Risiko für eine Blutung oder eine verstopfte Arterie im Gehirn seien Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Bewegungsarmut, hoher Cholesterinwert, Stress, Depression oder eben Vorhofflimmern. Laut Marziniak sei auch die genetische Vorbelastung nicht zu unterschätzen, „im Prinzip kann es jeden treffen!“

Die Knüpfers gehören eigentlich nicht zu den stark gefährdeten Gruppen, „aber wir wollten eben wissen, was zu tun ist, wenn es einen von uns trifft“, sagt er. Denn, so hörten sie vom Leiter der Schlaganfall-Stroke-Unit, das wichtigste nach einem Schlaganfall ist der Faktor Zeit. „Jede Minute sterben 1,9 Millionen Gehirnzellen, je früher wir das Blut verdünnen, umso geringer sind die Nachfolgeschäden.“ Daher gebe es bei einem Schlaganfall nur die 112, sonst gar nichts.

Zum Glück gesund: Frida und Ludwig Wenning informierten sich dennoch über Alzheimer-Prävention.

Ein anderer Vortrag war der Grund, dass Frida (79) und Ludwig (81) Wenning ins Haarer Bürgerhaus kamen. „Wir wollten hören, wie man eine beginnende Demenz erkennt und was man dann tun kann, auch wenn wir beide nicht davon betroffen sind“, sagte Frida Wenning. Ihr Ehemann ergänzt, dass er sich vom Vortrag von Dr. Verena Buschert vom Zentrum für Altersmedizin und Entwicklungsstörungen am kbo-Klinikum mehr konkrete Hinweise auf bestimmte Medikamente erhofft hatte. „Die gab es aber nicht“, bedauert er.

„Sie entgleitet mir immer mehr...“

Hans (84), ein älterer Herr aus Haar, der seinen Familiennamen nicht nennen will, kam zum Vortrag, „weil ich bei meiner Ehefrau, sie ist 82, das Gefühl der beginnenden Demenz habe. Sie entgleitet mir immer mehr, kann sich an fast nichts mehr aus den letzten Tagen erinnern, dafür an alles vor Jahrzehnten.“

Er war sehr zufrieden mit dem Vortrag, obgleich er die großen Risikofaktoren bereits kannte: Alter, Vorbelastung durch die Eltern, metabolisches Syndrom, psychische Erkrankungen. Heilen oder verhindern könne man Alzheimer nicht, aber verzögern durch gesunde Ernährung, Bewegung, geistige Aktivität und viele soziale Kontakte.

Diese Kontakte suchten viele Senioren an den zahlreichen Messeständen. Sie informierten sich beim „Paritätischen Wohlfahrtsverband“ oder der Caritas über Möglichkeiten und Wege zur Pflege, beim TSV Haar oder dem Alpenverein über Reha- und Seniorensport, beim Kleinen Theater und beim Kulturverein über das kulturelle Angebot. Hoch im Kurs standen natürlich auch die Angebote von betreutem Wohnen, Bürgerstiftung, Hand-in-Hand-in-Haar sowie dem Maria-Stadler-Haus, viele wollten konkrete Angebote haben, was zu welchem Preis möglich ist.

Eng umlagert war der Stand des Seniorenclubs, der aktuell 19 unterschiedliche Kurse von Boccia bis Yoga kostengünstig anbietet. „Am stärksten nachgefragt ist seit langem das Thema PC, Internet und Smartphone“, berichtete Kursleiterin Christa Lampe.

Dazwischen plauschten viele Senioren mit Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD), die die Veranstaltung nicht nur eröffnete, sondern den ganzen Tag anwesend war und bereitwillig Fragen beantwortete. „Das Thema Senioren ist für mich und die Gemeinde enorm wichtig, das Thema Älterwerden wird uns in Haar die nächsten Jahre weiter intensiv beschäftigen.“

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