Einen Abstrich nehmen die Mitarbeiter eines Drive-in-Centers, um die Probanden in den Autos auf das Coronavirus zu testen. Foto: sven hoppe/DPA
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700 Bürger haben sich in einer Woche in Haar testen lassen.

Coronavirus im Landkreis

Testnachfrage explodiert: 700 Tests in einer Woche in Haar

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
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Landrat Göbel zeigt sich erfreut über niedrige Coronazahlen im Landkreis München.

Landkreis – 143 Infizierte im Landkreis, 19,20 beträgt die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz. Für Landrat Christoph Göbel (CSU) ein gutes Zeichen. „Ein erfreulich niedriger Wert“, sagt er im wöchentlichen Online-Pressegespräch.

Doch die niedrigen Zahlen sind nicht das einzig Positive. Die Asylunterkünfte sind derzeit coronafrei. Ebenso hat sich kein Bewohner einer Pflegeeinrichtung mit dem Coronavirus infiziert. Vier Mitarbeiter wurden jedoch positiv getestet, zwei Kontaktpersonen befinden sich in Quarantäne. „Allerdings gab es inzwischen in 21 Einrichtungen im Landkreis auch präventive Reihentests“, sagt Göbel. Fast die Hälfte der Institutionen im Landkreis. Damit mehr Reihentest durchgeführt werden können, hofft der Landrat auf zertifizierte Corona-Schnelltests. Auch mit Blick auf die Grippe-Saison stelle sich die Frage, wie schnell Infektionen festgestellt werden können und darauf reagiert werden kann. „Da kommt es natürlich auf schnelle zuverlässige Tests an“, sagt Göbel.

Göbel: „Das Zentrum ist sehr, sehr stark nachgefragt, weswegen wir die Betriebszeiten laufend ausweiten“

Dass die Bürger sich testen lassen wollen, zeigen die Zahlen der landkreiseigenen Teststation in Haar. Waren es in der ersten Woche noch 300 Corona-Tests, ist der Wert in der dritten Woche auf 700 gestiegen. Für Göbel ein Zeichen, dass die Testkapazitäten benötigt werden. „Das Zentrum ist sehr, sehr stark nachgefragt, weswegen wir die Betriebszeiten laufend ausweiten“, erklärt der Landrat. Die Station in Haar ist nicht nur für die Einheimischen gedacht, sondern für alle Landkreisbürger.

In 15 Kommunen haben die Rathäuser auch eigene Testzentren organisiert. Ohne diese könnte die Nachfrage gar nicht erfüllt werden, sagt Göbel. In der einwohnerstarken Gemeinde Ottobrunn gebe es zwar noch keine eigene Teststation, sie sei aber in Planung.

Auch für die hohen Fallzahlen in Baierbrunn, die seit dem Wochenende stark angestiegen sind, hat Göbel eine Erklärung: eine große Familienfeier, bei der wohl ein Infizierter unter den Gästen war. Allgemein lässt sich beobachten, dass viele Infektionen aus dem privaten Raum kommen. „Man sieht, dass ein einzelner Anlass völlig ausreicht, damit die Infektion überspringt“, sagt Göbel.

Göbel hält an 14-Tage-Quarantäne für Schüler fest

Genau aus diesem Grund hält der Landrat es weiterhin für sinnvoll, den Weg der 14-Tage-Quarantäne zu gehen – auch an Schulen. Diese könnte ohnehin nur verkürzt werden, wenn das Landratsamt eine Maskenpflicht anordnet – und zwar nicht nur auf Gänge und Toiletten, sondern auch während des Unterrichts. „Das haben wir im ganzen Landkreis nicht getan“, erklärt Göbel. Er weiß, dass die Schüler von einer ständigen Maskenpflicht nicht begeistert wären.

Nur wenn die Sieben-Tage-Inzidenz den Wert von 35 überschreitet, müssen die Jugendlichen ab der 5. Klasse eine Maske im Unterricht tragen. Bei dem Grenzwert von 50 gilt die Maskenpflicht auch für Grundschüler, erklärt Gesundheitsamtsleiter Gerhard Schmid.

Die Quarantänemaßnahmen sind für alle Schüler bayernweit gleich, stellte Göbel klar. Zuvor hatte ein Fall in Haar für Verwirrung gesorgt (wir berichteten). Zwei Drittel der Q11 musste in Quarantäne – darunter viele Münchner. Eltern und Politiker gingen davon aus, dass die Quarantäne nach fünf Tagen und zwei negativen Tests – wie es in der Landeshauptstadt geregelt ist – beendet sei. Doch auch die Münchner Schüler müssen, wie die Haarer, 14 Tage zuhause bleiben.

Göbel kann die Verwirrung der Bürger verstehen. „Jeden Tag kommt eine neue Regelung hinzu“, sagt er. Deshalb erstellt das Landratsamt keine Infoblätter mehr, sondern verlinkt online direkt auf die Internetseiten der zuständigen Behörden.  

Die Zahl der Corona-Infizierten im Landkreis München steigt seit Wochen wieder an. Alle Informationen gibt es hier im Ticker.

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