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Die Halle in Haar bleibt am längsten stehen, bis Februar 2017, so der Plan.

Asyl-Unterkünfte

Traglufthallen verschwinden 

Haar -  Etwa 3000 der gegenwärtig 4500 Flüchtlinge im Landkreis sind in Notunterkünften untergebracht. In den kommenden Monaten sollen mehrere Traglufthallen geschlossen und abgebaut werden: Im August laufen die Verträge für die Hallen in Taufkirchen, Neubiberg und Unterhaching aus. Im September schließt die Halle in Oberhaching, im Dezember sind Unterföhring und Grünwald dran, im Februar 2017 Haar.

Diesen Fahrplan gab Landrat Christoph Göbel (CSU) in der Sitzung des Kreisausschusses bekannt. Ende vergangener Woche hatte das Landratsamt seine bisherige Schätzung von 9000 Flüchtlingen für heuer auf 7500 reduziert (wir berichteten). Derzeit rechnet die Behörde mit durchschnittlich 80 Asylbewerbern, die pro Woche bis Jahresende kommen.

Schon bei der Bürgerversammlung in Unterschleißheim hatte Göbel die neue Prognose aber relativiert. Persönlich sei er der Ansicht, dass Flüchtlinge trotz österreichischer Bemühungen, den Brenner zu sperren, vermehrt über Italien nach Mitteleuropa gelangen werden. Der Landrat sprach von einer „schwierigen Lage, weil wir nicht wissen, wie sich die Situation 2016 darstellt“. Demnach seien seriöse Annahmen durch weitere Unwägbarkeiten schwierig.

Landrat Göbel verwies auf Schätzungen des Bundesinnenministeriums, wonach sich in Deutschland bis zu 500 000 Flüchtlinge aufhalten, ohne erfasst zu sein. In der Sitzung konkretiesierte er diese Zahl: Würden die Flüchtlinge heuer registriert, würden sie gemäß Königssteiner Schlüssel auf die Bundesländer verteilt. Darüber hinaus ermahnte Göbel die Kreisräte – als Vertreter der Kommunen im Landkreis – das Recht der Flüchtlinge auf Familienzusammenführung zu berücksichtigen. „Wir müssen davon ausgehen, dass dieser Anspruch geltend gemacht wird.“

Darauf, dass Abschiebungen die Quote bereinigen, sollte niemand hoffen. Bloß eine Minderheit der Asylbewerber stammt aus als sicher deklarierten Herkunftsländern. Nachdem Asylbewerber vom Balkan ausgewiesen worden sind, gelten nur noch Senegalesen (7,56 Prozent der Flüchtlinge insgesamt) als abschiebungswürdig. Bei zwei Prozent der Flüchtlinge ist die Herkunft ungeklärt. Ungeachtet staatlicher Bemühungen, auch Afghanistan (28,65 Prozent) in den Status eines „sicheren Herkunftslandes“ zu erheben, ist Landrat Christoph Göbel zufolge mit einer hohen Bleibequote von knapp 90 Prozent zu rechnen.

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