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Ein verwahrlostes Kleinod ist das Schlösschen von Unterhaar. Nach seinem Abriss sollen ein Doppelhaus und ein Einfamilienhaus entstehen. Auch die Bäume kommen weg.

ABRISSPLÄNE 

Trauer um das Schlösschen von Unterhaar

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Die Bäume von Efeu überwuchert, vom Haus blättert der Putz. Das „Schlösschen von Unterhaar“ an der Zunftstraße liegt im Dornröschenschlaf. Aus dem es die Abrissbirne unsanft aufrütteln wird.

Haar– „Schlösschen von Unterhaar“ nennen Liebhaber das alte Haus an der Zunftstraße mit seinem verwilderten Garten. Es ist im späten 19. Jahrhundert erbaut und war einmal ein Schmuckstück. Einige der Liebhaber sitzen offensichtlich im Haarer Bauausschuss und haben den Antrag des Besitzers, das „Schlösschen“ abzureißen und stattdessen ein Doppel- und ein Einfamilienhaus hinzustellen, mit Wehmut zur Kenntnis genommen. Der Bauausschuss hat sogar einmütig seine Zustimmung versagt.

Weil der Besitzer gleich mitbeantragt hat, alle Bäume zu fällen: einen Ahorn mit 2,80 Meter Stammumfang, zwei Fichten, zwei Buchen und eine Birke. Alle mit Efeu überwuchert, und richtig gesund sähen sie auch nicht mehr aus, lässt der Bauherr schreiben. Für den Bauausschuss dagegen ist die Baumgruppe „ortsbildprägend und baumschutzrelevant“, außerdem wertvoll als Lebensraum für Tiere. Dass sie Baumfällungen, Abriss und Neubau verhindern können, glauben die Gemeinderäte auch im Bauausschuss nicht. Baurecht bricht Baumrecht. Aber zumindest einige Planungsvarianten, bei dennen vielleicht ein Teil der Bäume zu retten ist, würden sie schon gerne sehen. In Verwaltungsdeutsch liest sich das so: „Der Gemeinde fehlt es vor allen Dingen beim vorliegenden Bauantrag am Nachweis, dass eine Neubebauung ohne die Fällung des Baumbestandes nicht durchgeführt werden kann.“

Deutlich emotionaler schaltete sich Horst Wiedemann (SPD) in die Debatte ein: „Ich bedauere sehr, sehr, dass dieses Haus abgerissen wird.“ Vorher hatte schon Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) das Schlösschen als „sehr charaktervolles Haus“ gewürdigt. Mit dem Zusatz, es sei leider „stark vernachlässigt, auch innen“. Was sie von Geburtstags-Gratulations-Besuchen bei der hochbetagten und mittlerweile verstorbenen ehemaligen Besitzerin weiß.

Unter Denkmalschutz stehe das Gebäude nicht, sagte Bauamtsleiter Josef Schartel auf Nachfrage von Petra Tiedemann (Grüne). Woraufhin Horst Wiedemann anregte, die Denkmalschutzbehörde dennoch einzuschalten, was die Gemeindeverwaltung auch tun will. Ohne große Erfolgsaussichten. Das Schlösschen von Unterhaar sei nicht mehr im Originalzustand, heißt es auf Nachfrage im Bauamt. In den 1950er-Jahren sei viel verändert worden, so seien etwa neue Fenster eingebaut. Und schon in der Sitzung hatte Josef Schartel gesagt, dass eben nicht jedes schöne alte Haus gleich ein Baudenkmal ist. Auch wenn es die Haarer im Volksmund zum Schlösschen geadelt haben. „Uns sind die Hände gebunden“, sagte Ton van Lier (FWG), im Gemeinderat als Architekturliebhaber bekannt. Er bedauere, dass Städte und Gemeinden so an Charakter verlören.

Das alte Haus hat eine Grundfläche von 102 Quadratmetern. Der Bauherr plant ein Doppelhaus mit 144 Quadratmetern Grundfläche, zwei Stockwerke plus ausgebautes Dachgeschoss unter einem Walmdach; sowie ein Einfamilienhaus mit gut 92 Quadratmetern Grundfläche, zwei Stockwerke plus bislang noch nicht zum Ausbau vorgesehener Spitzboden unter einem Satteldach. Es wird also mehr Wohnraum entstehen. Und das Grundstück wird dichter bebaut, wie in der Nachbarschaft schon geschehen.

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