Der lange Gang ist in der Gerontopsychiatrie-Station "Hauptaufenthaltsraum der Patienten" und zugleich "Brennpunkt", sagt Stationsleiter Christoph Hansjakob. Im neuen Gebäude sollen die Wege wesentlich kürzer sein.
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Der lange Gang ist in der Gerontopsychiatrie-Station "Hauptaufenthaltsraum der Patienten" und zugleich "Brennpunkt", sagt Stationsleiter Christoph Hansjakob. Im neuen Gebäude sollen die Wege wesentlich kürzer sein.
Drei neue Psychiatrie-Gebäude hat das Isar-Amper-Klinikum München-Ost auf seinem Gelände in Haar errichtet. In sie werden bis Januar insgesamt zwölf Stationen einziehen.
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Drei neue Psychiatrie-Gebäude hat das Isar-Amper-Klinikum München-Ost auf seinem Gelände in Haar errichtet. In sie werden bis Januar insgesamt zwölf Stationen einziehen.
Alise Bartsch, Assistenzärztin am Isar-Amper-Klinikum packt für den Umzug der Gerontopsychiatrie -Station.
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Alise Bartsch, Assistenzärztin am Isar-Amper-Klinikum packt für den Umzug der Gerontopsychiatrie -Station.
Auch die Betten müssen mit: Umzugshelfer Stefan Brasnic und seine Kollegen räumen die Gerontopsychiatrie-Station des Isar-Amper-Klinikums in Haar leer.
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Auch die Betten müssen mit: Umzugshelfer Stefan Brasnic und seine Kollegen räumen die Gerontopsychiatrie-Station des Isar-Amper-Klinikums in Haar leer.
Franz Podechtl, kommissarischer Geschäftsführer des Isar-Amper-Klinikums München-Ost in Haar.
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Franz Podechtl, kommissarischer Geschäftsführer des Isar-Amper-Klinikums München-Ost in Haar.
Heller, freundlicher und farbiger ist der Neubau, in den die Gerontopsychiatrie-Station des Isar-Amper-Klinikums umzieht.
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Heller, freundlicher und farbiger ist der Neubau, in den die Gerontopsychiatrie-Station des Isar-Amper-Klinikums umzieht.
Auch der Adventskalender muss mit: Eine der Gerontopsychiatrie-Stationen des Isar-Amper-Klinikums in Haar zieht um.
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Auch der Adventskalender muss mit: Eine der Gerontopsychiatrie-Stationen des Isar-Amper-Klinikums in Haar zieht um.
Der Empfang in der neuen Gerontopsychiatrie-Station des Isar-Amper-Klinikums erinnert fast an eine Hotellobby.
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Der Empfang in der neuen Gerontopsychiatrie-Station des Isar-Amper-Klinikums erinnert fast an eine Hotellobby.

Psychiatrie gibt Hälfte des Areals auf

Umzug im Klinikum Haar

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Das Isar-Amper-Klinikum in Haar räumt die Hälfte seines Geländes. Patienten und Mitarbeiter ziehen in neue, topmoderne Häuser. 

Haar – Auf dem Tisch liegen eine Plüsch-Robbe und zwei Familienpackungen Lakritze – sonst ist das Zweitbettzimmer komplett leergeräumt. Die Habseligkeiten von Franz Rupp (Name geändert) sind längst in Umzugskartons, allein sein Süßkram ist noch da – wahrscheinlich als Nervennahrung. Für ihn und die anderen 16 Patienten der gerontopsychiatrischen Station am Isar-Amper-Klinikum in Haar ist heute ein aufregender Tag.

Wobei Stationsleiter Christoph Hansjakob und seine Kollegen im Vorfeld nur mit wenigen Bewohnern über den Umzug gesprochen haben. „Die anderen würden es nicht verstehen.“ Die Gerontopsychiatrie beschäftigt sich mit den Leiden von älteren Menschen. Was bedeutet: Viele der Patienten haben Demenz, oft im fortgeschrittenen Stadium.

Deutsche Schlager beim Warten

Es ist kurz nach 10 Uhr; Franz Rupp und die weiteren Stationsbewohner sitzen im Aufenthaltsraum. Einige blicken ins Leere, andere unterhalten sich mit Pflegern, in einer Ecke singt ein Grüppchen „Rote Lippen soll man küssen“. Die Patienten wirken entspannt, auf dem Gang dagegen herrscht emsiges Treiben. Pfleger eilen umher und leeren die letzten Schränke, derweil räumen Umzugshelfer alles nach draußen – Nachtkästchen, Rollkörbe voller Wäsche, Kartons, Rollatoren und Klinikbetten.

Aus zwei mach eine Klinik

All das wird auf einen Lkw geladen, der heute zwischen der alten und der neuen Heimat von Franz Rupp pendelt. Erstere ist die Station 61EO im Westteil des Klinikareals, Haar II genannt. Von dort geht’s zur Station 56C1, etwa 800 Meter Luftlinie entfernt, in eines der sechs neuen Gebäude, die jenseits der B471 im Ostteil des Klinikgeländes errichtet wurden, also in Haar I. Einst befanden sich hier zwei getrennte Anstalten; erst 1931 wurden sie zusammengelegt. Nun wird das 90 Hektar große Areal wieder geteilt: Das kbo-Isar-Amper-Klinikum München-Ost wird sich auf Haar I beschränken; derweil entsteht auf Haar II ein riesiges Neubaugebiet: der Jugendstilpark.

Dort rollen bereits die Bagger, die Franz Podechtl durch sein Bürofenster von der anderen Straßenseite aus sehen kann. Die ersten Überlegungen, Haar II zu verkaufen, habe es vor fast 20 Jahren gegeben, erzählt der Interims-Geschäftsführer des Klinikums. 2010 war es so weit; kurz darauf begannen in Haar I die Bauarbeiten. Zunächst wurden ein Empfangsgebäude und zwei Neubauten errichtet, in die 2014 acht Stationen umzogen, jede davon mit etwa 20 Patienten. Danach folgte der zweite Bauabschnitt mit drei Häusern, in die jetzt nach und nach zwölf Stationen von Haar II umziehen – darunter auch die von Franz Rupp. Bis April werde sich die Klinik ganz aus Haar II zurückgezogen haben, sagt Franz Podechtl, der die Baukosten auf 120 Millionen Euro beziffert.

Klinik gibt Hälfte der Fläche ab

Von der Fläche her schrumpft das Klinikum also gewaltig – und das, obwohl München und das Umland – also das Versorgungsgebiet der Psychiatrie – auf einen immensen Bevölkerungsanstieg zusteuern. Ist es nicht töricht, die Hälfte des Geländes aufzugeben? Podechtl schüttelt den Kopf. Das Ziel sei die Regionalisierung der Klinik. „Der Mensch soll nicht mehr zur Psychiatrie kommen, sondern die Psychiatrie zum Menschen.“ So hat das Isar-Amper-Klinikum massiv in neue Tageskliniken und Ambulanzen in der Region investiert – unter anderem in Fürstenfeldbruck, Freising und Dachau. Überdies seien weitere Standorte geplant, sagt Podechtl. „Für uns ist nach dem Bau auch vor dem Bau.“

Für Franz Rupp und die anderen Patienten ist der Umzug an einem Tag abgehakt. Sie bekommen im Aufenthaltsraum noch ihr Mittagessen, ehe es hinüber in den Neubau geht. Der Unterschied könnte größer kaum sein: Hier die historischen Jugendstilgemäuer, dort die bunte Fassade mit großen Fenstern. Hier ein langer, dunkler Flur, die Wände sind krankenhausweiß; dort ist der Boden rot, alles topmodern, der Empfangsbereich erinnert an eine Hotellobby.

Kurze Wege, schnelle Eingewöhnung

„Der größte Vorteil für uns sind die kurzen Wege“, sagt Jesko Bernd, stellvertretender Chefarzt. Musste man Patienten für viele Therapien oder Untersuchungen bislang von Haar II nach Haar I transportieren, findet ein Großteil heute im Keller des Neubaus statt. Für die Bewohner werde all das erst mal ungewohnt sein. Schließlich sei ein Ortswechsel immer eine Belastung. Doch Bernd ist überzeugt: „Die Patienten werden sich schnell einleben. Das ist eine Sache von ein paar Tagen.“

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