+
Schau mir in die Augen: Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder erklärt sich im Haarer Gemeinderat. Er duzt sich mit Bürgermeisterin Gabriele Müller, sie sind Parteifreunde – aber in der Frage, ob Keferloh Gewerbe verträgt, kommen sie nicht mehr zusammen.

Unerschrocken in der Haarer Löwengrube

  • schließen

Sauer sind Haarer auf den Nachbarn Grasbrunn. Denn der will ein Gewerbegebiet bei Keferloh ausweisen. Bürgermeister Klaus Korneder hat sich  jetzt nach Haar gewagt.

Das Gebrüll gegen das von der Nachbargemeinde Grasbrunn geplante Gewerbegebiet Keferloh war schon größer im Haarer Gemeinderat. Jetzt, da Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) sich „in die Höhle des Löwen gewagt hat“, wie sich SPD-Fraktionschef Alexander Zill ausdrückte, diskutierten die Haarer Fraktionen und Bürgermeisterin Gabbriele Müller ruhig und sachlich mit Korneder über diesen Streitpunkt zwischen den Nachbargemeinden. Dabei aber unversöhnlich. Da hilft es auch nicht, dass die Parteifreunde Gabriele Müller und Klaus Korneder sich vertraut duzen.

Planungshoheit

Grasbrunn beharrt auf seinem „überschaubaren Gewerbegebiet“, wie es Korneder ausdrückt und hat dabei die kommunale Planungshoheit auf seiner Seite. Der Gemeinderat Haar betrachtet es als unfreundlichen Akt, dass die Nachbarn ihnen dort ein Gewerbegebiet vor die Nase setzen wollen; ausgerechnet in einem ihres Erachtens nach hochsensiblen Gebiet, dem Weiler Keferloh.

Abwehrfront

Die Kirche St. Ägidius spitzt hervor im Weiler Neukeferloh.

Ob der eine schützenswerte Rodungsinsel ist, da sind sich beide Parteien auch nicht einig. Die Haarer sagen Ja. Die Grasbrunner sagen Nein; und verweisen darauf, dass Landratsamt und Regierung von Oberbayern das auch so sähen. „Keferloh ist schlicht keine Rodungsinsel“, hielt Klaus Korneder, zur Rechten der Haarer Bürgermeisterin sitzend, der geschlossenen Abwehrfront des Haarer Gemeinderats entgegen. Da widersprach Gabriele Müller entschieden: „Keferloh ist ein einzigartiges, schützenswertes Ensemble mit dem Kulturdenkmal der Kirche St. Ägidius und dem traditionsreichen Gasthof Gut Keferloh.“ Und neben so ein Ensemble, mitten in ein Naherholungsgebiet, pflanze man kein Gewerbe. „Keferloh ist nicht irgendein 0815-Siedlunsgebiet“, grollte auch CSU-Fraktionschef Dietrich Keymer, der die Grasbrunner Planung als „Schlag ins Gesicht“ wertet. In manchen Passagen der Debatte klang es ganz so, als wollten die großen Haarer (22 000 Einwohner) den kleinen Grasbrunnern (7000 Einwohner) Nachhilfe in Städteplanung geben.

Nur wirkte Bürgermeister Korneder gar nicht wie ein uneinsichtiger Schüler, sondern wie ein erfahrener Interessenvertreter seiner Kommune. „Ich bin eingeladen, die Sicht der Gemeinde Grasbrunn darzulegen und nicht, dem Gemeinderat Haar nach dem Mund zu reden“, sagte er. Und ließ auch das Argument nicht gelten, dass der Knotenpunkt der Bundesstraßen  471 – die Nord-Süd-Verbindung – und 304, der östlichen Achse von München durch Haar Richtung Vaterstetten, keinerlei zusätzliche Belastung mehr verkrafte.

Verkehrsbelastung

Grasbrunn habe auch ein Verkehrsgutachten erstellen lassen. Ergebnis: Das neue Gewerbegebiet werde nur rund 720 zusätzliche Fahrten Richtung Haar verursachen. „Das ist sehr überschaubar.“

Dabei räumte er ein: „Dass die B 471 ein Problem ist, wissen nicht nur Haar und Grasbrunn. Das wissen alle Kommunen im Verlauf dieser Bundesstraße.“ Woraufhin Gerlinde Stießberger (CSU) nachhakte: Würde sich Grasbrunn denn finanziell an einer Entlastungsstraße beteiligen, der immer wieder diskutierten Autobahnparallele? Da sieht Korneder nicht die Gemeinden finanziell in der Pflicht: So eine Straße hätte überregionale Bedeutung und müsste vom Staat gezahlt und als Bundes-, Staats- oder zumindest Kreisstraße eingeordnet werden. Und durchgebaut, vom Nordkreuz bis in den Süden, ergänzte Müller. Bislang haben sich nur die Aschheimer ihr Stückchen als Ortsumgehungsstraße gebaut.

Ganz am Ende der Sitzung, 25 Tagesordnungspunkte weiter und längst ohne Bürgermeister Korneder, kam Dietrich Keymer noch einmal auf die Eingangsdebatte zu Keferloh zurück. Dieses Thema müsse Haar dringend noch einmal im Bauausschuss oder Gemeinderat ansprechen. Am besten in nicht öffentlicher Sitzung. Das klang ganz so, als ob Haar doch noch gegen die Planung klagen will.

Gewerbegebiet Keferloh:
Die Basisdaten

Knapp fünf Hektar umfasst das Gewerbegebiet, das die Gemeinde Grasbrunn im Ortsteil Keferloh plant; so groß wie sechs Fußballplätze. Grasbrunn will dort, zwischen dem Waldrand und der B 471, Betriebe ansiedeln, denen die Gemeinde bisher mangels Angebot keine Perspektive bieten konnte und rund 300 ortsnahe Arbeitsplätze schaffen. Logistikbetriebe schließt die Gemeinde aus, und sie will auch keine Einkaufszentren ansiedeln. Erschlossen werden soll das Gewerbegebiet von Norden her, über die Keferloher Straße, mit einer Stichstraße und Wendehammer.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Tauben-Terror zermürbt Ehepaar: Sie wissen nicht mehr weiter
Taubendreck überall und keine Besserung in Sicht: Jutta (78) und Thilo (81) Nohr verzweifeln an der Tauben-Plage rund um ihren Wohnblock in Taufkirchen am Wald.
Tauben-Terror zermürbt Ehepaar: Sie wissen nicht mehr weiter
Bahnhof-Zukunft: Heftige Kritik am Bürgermeister 
Heftiger Gegenwind für Kuchlbauer: Der Bürgermeister muss sich in Sachen Tieferlegung des Bahnhofs ganz schön was anhören im Gemeinderat. 
Bahnhof-Zukunft: Heftige Kritik am Bürgermeister 
Zwei Staatsstraßen dicht
Eine Sperrung folgt der nächsten: Die Baustelle auf der A99 hat erhebliche Folgen - nicht nur Stau. Nun stehen die Autofahrer auch fernab der Autobahn.
Zwei Staatsstraßen dicht
Sportparkerweiterung ist „öffentlich zu behandeln“
Darf Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) das Abstimmungsergebnis der einzelnen Gemeinderäte zur abgelehnten Sportparkerweiterung unter Verschluss …
Sportparkerweiterung ist „öffentlich zu behandeln“

Kommentare