+
„Polizei darf kleine Rentner nicht abzocken“, sagt Franziska Buchner, VdK-Ortsvorsitzende in Haar.

bei der Bürgerversammlung in Haar

VdK-Ortsvorsitzende greift die Polizei an

  • schließen

Beamte der Polizeiinspektion Haar „zocken arme Rentner ab“. Diesen Vorwurf hat Franziska Buchner bei der Haarer Bürgerversammlung erhoben. Dienststellenleiter Karl-Heinz Schilling, der auch zu Gast war, kann sich das nicht vorstellen, sagte aber zu, dem nachzugehen.

Haar– Richtig in Rage geredet hat sich Franziska Buchner (75) bei der Bürgerversammlung in Haar. Sie ist seit 17 Jahren Ortsvorsitzende des Sozialverbands VdK, der in der Gemeinde rund 900 Mitglieder hat. Darunter viele arme Rentner, sagte sie vor den rund 200 Besuchern im Saal – und nahm dabei besonders Karl-Heinz Schilling ins Visier, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Haar, der fünf Minuten vorher seinen Sicherheitsreport erläutert hatte. Sie habe im VdK viele Rentner mit geringem Einkommen – und dann kassiere die Polizei diese auch noch ab. Konkret ging es ihr um drei Bußgelder zu je 30 Euro wegen Fahrens ohne Sicherheitsgurt. Dabei sei einer der Betroffenen, ein alter Herr, einfach so unbeweglich, dass er sich beim Ausparken noch nicht angeschnallt habe – und schon habe er zahlen müssen. „So kleine Rentner darf man nicht abzocken“, Franziska Buchner.

Will die Fälle prüfen: Karl-Heinz Schilling, Chef der Polizeiinspektion in Haar.

Karl-Heinz Schilling äußerte Zweifel. Wenn jemand seinen Beamten beispielsweise glaubwürdig erkläre, er sei körperbehindert und hätte sich nach dem Rückwärtsausparken gleich angegurtet – da habe kein Polizeibeamter „so ein hartes Herz“, dass er gleich eine Strafe verhänge. Franziska Buchner möge ihm doch die konkreten Fälle nennen, dann werde er sie überprüfen und mit den Kollegen nachbereiten. Wenn er einen Beamten habe, was er sich nicht vorstellen könne, der „so rüde vorgehe“, werde er das besprechen. Gerne könne Franziska Buchner seine Visitenkarte haben. Die nahm die VdK-Ortsvorsitzende dankend an.

Im Gespräch mit dem Münchner Merkurwirkte sie noch sichtlich aufgebracht. „Mich hat das so narrisch gemacht, weil wir hier so viele arme Rentner haben“, erklärte sie ihre öffentliche Attacke bei der Bürgerversammlung. Und nannte zwei weitere Fälle: Eine Frau habe die Nachricht erhalten, dass ihre Mutter im Pflegeheim Maria-Stadler-Haus gestorben sei. Sofort sei sie mit ihrem Mann ins Auto gesprungen, in Tränen aufgelöst – wer denke da sofort ans Angurten. Und schon seien sie ertappt und bestraft worden. Das ärgert Franziska Buchner. „Bei uns im VdK-Ortsverband ist oberstes Motto die Menschlichkeit“, sagt sie. Das könne sie bei diesem Verhalten der Polizeistreife nicht erkennen.

Sie selbst hat es auch getroffen. Als sie mit einem Auto voll mit Getränken vom Supermarkt zum Haarer Pfarrheim St. Bonifatius gefahren ist, um die Senioren beim VdK-Weißwurstessen zu versorgen. Sie sei gestoppt worden mit dem Vorwurf, den Gurt nicht angelegt zu haben. Dabei schnalle sie sich immer an. Allerdings nur am Becken, mit dem linken Arm schlüpfe sie immer aus der Schlinge. Weil sie den Druck des Gurts nicht mehr vertrage, seit sie sich vor Jahren bei einem Radunfall schwer verletzt habe. Gegen die 30 Euro Bußgeld habe sie Widerspruch eingelegt. Und das fechte sie durch. Bis zum Ende.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

CSU will Gymnasium in Unterbiberg
Ein zweites Gymnasium in Neubiberg will die CSU. Genauer gesagt: in Unterbiberg. Aus zwei Gründen.
CSU will Gymnasium in Unterbiberg
Ottobrunn: Feuerwehr muss im 4. Stock brennenden Kühlschrank auf Balkon löschen
Mehr als 60 Feuerwehrler mussten am Freitag wegen eines brennenden Kühlschranks ausrücken. Eine junge Frau wurde bei dem Brand leicht verletzt.
Ottobrunn: Feuerwehr muss im 4. Stock brennenden Kühlschrank auf Balkon löschen
Schnelle Hilfe für verletzten Radfahrer 
Bei einem Verkehrsunfall in Oberschleißheim hat sich ein Radfahrer am Rücken verletzt. Zum Glück für ihn eilten ihm zwei Zeugen  sofort zur Hilfe.
Schnelle Hilfe für verletzten Radfahrer 
21-Jähriger unter Drogeneinfluss am Steuer
Die Polizei hat in Garching einen 21-Jährigen aus dem Verkehr gezogen, der unter Drogeneinfluss hinterm Steuer seines Wagens gesessen war.
21-Jähriger unter Drogeneinfluss am Steuer

Kommentare