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Das Mord-Haus an der Zunftstraße in Haar steht seit der Verhaftung der Besitzerin im Januar 2016 leer.

Interview

„Warten, bis Gras darüber gewachsen ist“

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Manche Häuser haben blutige Geschichten. Wie im Fall des Kreissägen-Mordes in Haar. Doch wer will hier künftig noch wohnen? Ein Interview mit Rechtsanwalt Rudolf Stürzer, Geschäftsführer von „Haus und Grund“.

Landkreis – Heute fällt das Urteil für die Bewohnerin, die ihren Freund in dem Haus an der Zunftstraße auf grausame Weise umbrachte. Die Leiche lag zunächst auf dem Dachboden, war dann jahrelang im Garten verscharrt. Wer will an einem solchen Ort des Alptraums wohnen? Der Geschäftsführer von „Haus und Grund“ München, Rudolf Stürzer, erzählt, ob und wie Häuser mit dubiosem Hintergrund zu vermarkten sind.

Herr Stürzer, waren Sie auch schon mit Mord konfrontiert?

Allerdings. In einem Fall haben wir gegen die Bundesrepublik geklagt, weil die Staatsanwaltschaft eine Wohnung über viele Monate nicht freigeben wollte. Ein Mieter hatte einen Bekannten erschossen, gab Notwehr an und die Wohnung musste versiegelt werden. Normalerweise ist es in solchen Fällen aber so, dass die Wohnungen nach ein paar Wochen wieder freigegeben werden. Nicht so hier. Und während der Gasableser den Zählerstand prüfte, durfte die Vermieterin lange Zeit nicht hinein. Der Schaden summierte sich auf 40 000 Euro. Am Ende kam es zu einem Prozess und in der Folge zu einem Vergleich.

Will denn überhaupt jemand in eine solche Wohnung ziehen?

Rudolf Stürzer glaubt, dass man warten muss, bis sich ein Mordhaus vermarkten lässt.

Der Vermieter ist ja nicht verpflichtet, Auskunft über die Vorfälle in der Vergangenheit zu geben. Es sei denn, er wird explizit danach gefragt. Dann muss er natürlich die Wahrheit sagen. In der Regel aber weiß der Nachmieter nichts von der Vorgeschichte, und sämtliche Spuren sind ja längst gründlich beseitigt.

Ist in einem solch spektakulären Fall wie beim Mordhaus in Haar ein Verkauf besonders schwer, weil fast jeder im Umkreis weiß, was hinter der Tür geschehen ist?

In einem solchen Fall würde man sicher ein bisschen warten, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Ein wirtschaftlicher Nachteil dürfte daraus aber kaum entstehen. Eher im ersten Fall, den ich genannt habe.

Grundsätzlich kommt also am Tod keiner vorbei, auch „Haus und Grund nicht“, oder?

So ist es. Es kommt vor, dass allein stehende Menschen in der anonymen Großstadt, wie München es ist, sterben, keine Angehörigen haben, monatelang in ihrer Wohnung liegen und nicht gefunden werden. Das sind tragische Schicksale und nicht so selten. Oft bemerken es die Mitbewohner erst, wenn der Geruch ins Treppenhaus gelangt. Dann ist es anschließend mit einer einfachen Renovierung der Wohnung nicht getan. Der Estrich muss herausgenommen, der Putz von den Wänden geschlagen und erneuert werden. Es entstehen Kosten im fünfstelligen Bereich.

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