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Begrüßt Stammgäste: Theaterchef Matthias Riedel-Rüppel (l.) mit Otto und Christine Hagn aus Trudering.

Nach dem Lockdown

Die Wiedergeburt der Kultur im Kleinen Theater Haar

  • Sabina Brosch
    vonSabina Brosch
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„Wir feiern die Wiederbelebung der Kultur“, freute sich Mattias Riedel-Rüppel, Chef des Kleinen Theaters Haar, als er seine 30 Gäste beim ersten Kulturevent begrüßte.

Haar – Nach dem Lockdown hatte beim Auftritt derKabarettistin Eva Eiselt alles Premierencharakter.

Matthias Riedel-Rüppel ist ein herzlicher Mensch, stets bei jeder seiner Veranstaltungen im Kleinen Theater dabei, einer, der für seine Gäste immer ein persönliches Wort übrig hat. Überall legt er selbst Hand an, wo Not am Mann ist. 

Begrüßung per Corona-Ellbogen-Handschlag

Dass er seine Gäste aber per Corona-Ellbogen-Handschlag und mit einem Glas Sekt begrüßt, das war auch für ihn etwas Besonderes. Das lag nicht nur daran, dass das bei den rund 30 Gäste, die zur ersten Veranstaltung mit Eva Eiselt gekommen waren, einfach war. Es lag vor allem daran, dass er jedem seine Freude, „dass es nun endlich wieder losgeht“ mitteilen wollte. „Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr ich mich freue, Sie heute Abend hier zu sehen.“

Sorge um langfristige Folgen für die Kulturszene

Die Begrüßungsworte kamen ihm leicht von den Lippen, man merkte ihm allerdings an, dass die vergangenen Wochen nicht spurlos an ihm vorüber gegangen sind. Dass es ihn mitgenommen hat, durch ein leeres Theater gehen zu müssen – „das ist ein sch….Ort“. Dass auch er sich, obwohl es nun „wieder losgeht“, nicht sicher ist und sein kann, „wohin die Reise in den nächsten Wochen und Monaten geht“. 

Endlich ein Auftritt: Kabarettistin Eva Eiselt.

Dass er sich weiterhin Sorgen macht nicht nur um sein eigenes Team im Kleinen Theater, sondern um die Kulturszene an sich. „Wir wissen doch gar nicht, welche langfristigen Folgen das hat.“

Freiluft-Bühne ans Theater angeflanscht

Das Team des Kleinen Theaters Haar (KTH) hat sich jedenfalls ins Zeug gelegt, um die „Wiederbelebung“, einen Neustart, möglich zu machen, Hygienestandards und Abstandsregelungen einzuhalten, eine Freiluft-Bühne für die kommenden Wochen an das Gebäude „anzuflanschen“, damit „wir es uns heute Abend so richtig nett machen können“. 

Erste Veranstaltung seit 17 Wochen

Ins Zeug legte sich auch die erste, die nach der letzten Veranstaltung von vor 17 Wochen im Kleinen Theater Haar wieder auf der Bühne stand: Eva Eiselt. Die mit allen Wassern gewaschene Kölner Kabarettistin lag mit ihrem Programm „Vielleicht wird alles vielleichter“ gerade richtig: freches Kabarett mit jeder Menge Witz und Tiefgang.

Eva Eiselt feuert ein Feuerwerk an Pointen ab

Sie erzählte munter drauf los, Geschichten und Anekdoten, in einer immer komplexeren Welt, in der sich Frau durch ihre verschiedenen Rollen als Ehefrau, Mutter, Geliebte kämpft, vegane Muffins ohne Mehl, Zucker, Milch und Eiweiß bäckt. Mühelos wechselt sie zwischen Grillparty, Sauna-Aufguss, Kinderspielplatz und Kulturmanagement, nimmt kein Blatt vor den Mund, mimt die niederbayerische Zuschauerin genauso wie die schwäbelnde Martina, kann aus vollem Halse brüllen und lachen und auch locker flockig das Publikum miteinbeziehen.

Agentin rechnet mit längerer Durststrecke

Es hatte den Anschein eines Premierenabends, auch Eiselt war zu wochenlanger Bühnenpause verdammt, wurde von der riesigen Absagewelle, die auch noch in das nächste Jahr hineinreicht, erfasst. „Wir sind wirklich gespannt, wie das weitergeht“, bestätigt Eiselts Agentin Birgit Söll, die in den Theatergarten gekommen war. Agenten und auch Veranstalter würden sich darauf einstellen müssen, dass es auch noch lange dauern werde, bis man die „Häuser wieder füllen wird“.

Kulturell ausgehungert waren Manfred und Dagmar Zacher mit Cornelia Rupprich.

Buchstäblich kulturell ausgehungert 

Der Premierencharakter hatte auf das Publikum abgefärbt, es hing an Eiselts Lippen, jede Pointe wurde dankbar aufgenommen. „Wir sind buchstäblich ausgehungert“, brachten es Dagmar und Manfred Zacher auf den Punkt. Mangels Fernseher haben sie sich nicht aus der Konserve bedient. „Wir waren kulturell unter Wasser und sind nun so unendlich froh, heute hier zu sein.“ Egal ob draußen im Garten oder drinnen im Saal, sie wären, genauso wie ihre Begleitung Cornelia Rupprich, „auf jeden Fall gekommen“. Ohne Ängste und Bedenken kamen auch die Stammgäste Christine und Otto Hagn aus Trudering. „Heute nicht dabei zu sein, das wäre doch gar nicht in Frage gekommen. Keine Minute haben wir überlegt oder gezaudert.“ 

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